Wiesbaden

Exporte erholen sich im Januar - Handel mit China zieht an

Die deutschen Exporte legen zu Jahresbeginn unerwartet zu. Während die Geschäfte mit Kunden aus Europa schwächeln, ziehen die Ausfuhren nach Fernost an. Deutlich wirkt sich auch der Brexit aus.
 
Exporte
Ein Container wird im Hamburger Hafen auf ein Schiff geladen. Während die Exporte in EU-Staaten zu Jahresbeginn sanken, legten sie nach China deutlich zu. Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Die deutschen Exporte haben zu Jahresbeginn überraschend an Fahrt gewonnen. Die Ausfuhren wuchsen im Januar um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vormonat Dezember auf ein Volumen von 98,1 Milliarden Euro, wie das Statische Bundesamt am Dienstag mitteilte.

Analysten hatten im Schnitt mit einem Rückgang um 1,8 Prozent gerechnet. Seit dem Corona-Einbruch im Frühjahr 2020 sind die deutschen Exporte damit im Monatsvergleich kontinuierlich gewachsen.

Einen kräftigen Dämpfer gab es dagegen bei den Importen. Sie fielen im Monatsvergleich um 4,7 Prozent auf 83,8 Milliarden Euro. Experten verwiesen auf jüngste Kontrollen an den Grenzen, etwa zu Österreich und Tschechien. Sie könnten den Warenfluss behindert haben.

Das Niveau vor Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland bleibt jedoch in weiter Ferne, wie die Wiesbadener Statistiker weiter berichteten. So lagen die Exporte zum Jahresbeginn 8,0 Prozent und die Importe 9,8 Prozent unter dem Niveau von Januar 2020.

Während die Exporte in EU-Staaten zu Jahresbeginn deutlich sanken, legten sie nach China deutlich zu. Hier gab es im Januar ein Plus von 3,1 Prozent zum Vorjahresmonat. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist ein wichtiger Absatzmarkt für Waren «Made in Germany» und hat die Pandemie schon weitgehend hinter sich gelassen. Die Exporte in die USA sanken dagegen um 6,2 Prozent.

Es sei vor allem dem Handel mit China zu verdanken, dass sich die Ausfuhren im Januar erfreulich entwickelten, sagt Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank. Die Ausfuhren dürften in den kommenden Monaten eine zentrale Stütze der deutschen Wirtschaft bleiben.

Einen Einbruch gab es derweil im Handel mit Großbritannien nach dem EU-Austritt zu Jahresbeginn: Die Exporte ins Vereinigte Königreich brachen um fast ein Drittel (29 Prozent) ein, während deutschen Importe von der Insel um gut 56 Prozent fielen.

Die Corona-Krise hatte im vergangenen Jahr tiefe Löcher in die deutsche Exportbilanz gerissen. Die Warenausfuhren brachen gegenüber 2019 um 9,3 Prozent ein - der stärkste Rückgang seit der globalen Finanzkrise 2009. Zeitweilige Grenzschließungen, Störungen in der Logistik und Unterbrechungen der Lieferketten zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 bremsten die Geschäft aus, auch wenn es im Jahresverlauf eine Erholung gab. Für dieses Jahr rechnete der Außenhandelsverband BGA zuletzt mit einem deutlichen Plus. Das Vorkrisenniveau werde spätestens im Sommer 2022 wieder erreicht.

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