Jobs sollen an den drei Standorten in Augsburg, Offenbach und Plauen abgebaut werden. Unter anderem müsse geklärt werden, welche Beschäftigte bereits etwa unter Altersteilzeitregelungen fallen oder selbst einen neuen Job gefunden haben. «Da gibt es noch allerlei Unwägbarkeiten», sagte ein Sprecher. Auch über eine Vielzahl weiterer Details müsse erst noch verhandelt werden.

Nach ersten Plänen sollen von 4700 Arbeitsplätzen in Deutschland noch 2500 bleiben. Bei Gewerkschaften und in den Kommunen überwiegt trotz der harten Einschnitte die Erleichterung, dass zumindest Teile des Konzerns nach der Zerschlagung weiter machen können. Betriebsratschef Jürgen Bänsch sagte im Bayerischen Rundfunk: «Ich gehe davon aus, dass wir mit dem deutlichen und harten Personaleinschnitt, eine Größenordnung erreicht haben, mit der wir langfristig stabil arbeiten können.»

Am Mittwoch hatten sich die Gläubiger des Konzerns entschieden, das Werk Augsburg an die Lübecker Possehl-Gruppe zu verkaufen. Die Werke in Offenbach und Plauen werden abgetrennt. In Hessen bleibt Schneider zunächst Gesellschafter des Standorts und sucht gemeinsam mit dem Management nach einem Investor. Die Landesregierung hat die Prüfung einer Rettungsbürgschaft zugesagt. In Plauen ist ein ähnliches Modell vorgesehen. Laut Plan sollen in Augsburg von rund 2200 nur noch 1500 Stellen übrig bleiben, in Offenbach von 1760 noch 750 und in Plauen von 680 noch rund 290 Stellen erhalten bleiben.

Bis zum 31. Januar zahlen noch die Arbeitsagenturen das Insolvenzgeld für die Mitarbeiter. Ab dem 1. Februar sollen drei Transfergesellschaften an den jeweiligen Standorten die Mitarbeiter übernehmen, die nach der Zerlegung des Unternehmens nicht mehr an Bord bleiben können. Die betroffenen Arbeitnehmer stürzen also nicht unmittelbar in die Arbeitslosigkeit und sollen möglichst rasch an andere Arbeitgeber weiter vermittelt werden. Die bisherigen Manroland-Eigentümer Allianz und MAN haben bereits 24 Millionen Euro für Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften zugesagt.

Vor allem Augsburg zeigte sich erleichtert über die Übernahmepläne von Possehl. «Mit diesem Investor haben wir bereits bei Böwe Systec positive Erfahrungen gemacht», sagte Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU). Die Stadt sei frühzeitig in die Gespräche eingebunden gewesen. Der ganze Prozess sei fair und konstruktiv abgelaufen. «Wenn es darauf ankommt, ziehen in Augsburg alle an einem Strang.» Die SPD in Bayern forderte unterdessen vom Freistaat, dem Augsburger Werk zu Finanzierung von Aufträgen auch mit Bürgschaften zur Seite zu stehen.

Auch Gribls Amtskollege in Offenbach steht positiv zu der gefundenen Lösung. Er sei nach Gesprächen mit dem Insolvenzverwalter, Gewerkschaftern und Managern davon überzeugt, dass die Hightech-Bogendruckmaschinen «made in Offenbach» weiterhin gute Chancen auf dem Weltmarkt haben, sagte Horst Schneider (SPD). Es sei ein Vorteil, dass das Werk nun alleine agieren könne. Die Zusammenarbeit mit MAN habe sich nicht bewährt. «Wir haben zehn Jahre lang erlebt, wie der Standort ausgesaugt wurde.» Die Stadt stecke seit 20 Jahren in einem tiefgreifenden Strukturwandel, so dass auch die Manroland-Insolvenz das Gemeinwesen nicht unvorbereitet treffe.