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Entlassungen: Markt setzt Loewe unter Druck

Der TV-Hersteller aus Kronach sieht sich zu einschneidenden Maßnahmen gezwungen. Neben Personalabbau sollen geringere Stückzahlen und günstigere Produktpreise aus der Verlustzone führen.
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Eiszeit am Loewe-Sitz in Kronach: Auf die rund 1000 Beschäftigten kommen frostige Zeiten zu. Foto: Michael Gründel
Eiszeit am Loewe-Sitz in Kronach: Auf die rund 1000 Beschäftigten kommen frostige Zeiten zu. Foto: Michael Gründel
Der eine geht in wenigen Wochen, der andere ist erst einige Tage da. Der Wechsel in der Chefetage von Loewe kommt in unruhigen Zeiten. Gestern traten der scheidende Vorstandschef Oliver Seidl und der neue Finanzvorstand Rolf Rickmeyer gemeinsam vor die Belegschaft - und brachten die erwartet schlechten Nachrichten: Personalabbau, rund 190 Stellen, weitere deutliche Einsparungen nötig.

"Die fundamentale Marktschwäche zwingt uns zu noch radikaleren Maßnahmen", sagte Seidl später im Gespräch mit dieser Zeitung. Mitte Januar verlässt er Kronach, wird Finanzchef der Media-Saturn-Gruppe, ein Kunde von Loewe.

Rolf Rickmeyer dagegen steht erst am Anfang. Doch der Neue bei Loewe, der als erfahrener Sanierer gilt, weiß, wohin die Reise gehen soll. "Dauerkurzarbeit ist kein probates Mittel", sagte er. Und zu glauben, das Geschäft, das weg ist, komme irgendwann wieder, sei unrealistisch. Man müsse sich vielmehr auf ein niedriges Niveau einstellen. Auf der Personalseite bedeutet dies nach den gestrigen Ankündigungen: nicht mehr 1000, sondern nur noch 800 Beschäftigte. "Es ist traurig", sagte Jürgen Apfel, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Coburg. Apfel war in der Betriebsversammlung anwesend. Demnächst wird er mit Rickmeyer am Verhandlungstisch sitzen. Was die Größenordnung des Stellenabbaus angeht, "da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen", meint er.


Geschäftsführung hat Fehler zugegeben


Das Problem von Loewe ist laut Apfel nicht nur eine Ertragskrise, sondern eine Liquiditätskrise. Das mache die Banken nervös. Entlassen werde aber in diesem Jahr niemand mehr. "Erst muss ein rechtskräftiger Interessenausgleich stattfinden", sagte Apfel.

Dem Vernehmen aus der Belegschaft nach hat die Loewe-Geschäftsführung gestern auch eigene Fehler zugegeben. Es habe sich gezeigt, dass die Preispolitik nicht richtig war. "Man hat erkannt, dass die jetzigen Loewe-Geräte zu teuer sind", sagte auch Apfel. Lange Zeit waren die Preise für Fernseher aus Kronach stabil geblieben, während die Preise der Konkurrenz stetig nach unten gingen. Die Folge: Loewe entfernte sich immer weiter vom durchschnittlichen Marktpreis. Einige Zeit konnte das Unternehmen dies noch mit Design-Innovationen ausgleichen. Doch inzwischen ist klar: Die Loewe-Produkte müssen billiger werden.


Töchter in China

Um das zu erreichen, planen Seidl und Rickmeyer einen "ausgewogenen Mix eigener Wertschöpfung mit der Wertschöpfung anderer". Konkret heißt dies: Der Großbildfernseher wird in Kronach produziert und hat weiterhin seinen Preis. Andere Loewe-Geräte wie zum Beispiel eine Audio-Anlage kommen dann aus Südchina, wo Loewe zwei Tochtergesellschaften besitzt. "Das ist nichts Ungewöhnliches. Das haben andere schon gemacht", sagt Rickmeyer.


"Schwarze Null" das Ziel

Um im nächsten Jahr auf der Ergebnisseite wieder eine "schwarze Null" vorzuweisen, setzt man bei Loewe auch auf Kooperationen beim Einkauf von Bauteilen. "Wir haben bisher nicht die Volumina, um an günstige Komponenten heranzukommen", beschreibt Rickmeyer die Situation.

Der neue Finanzchef will künftig "deutlich aggressiver an den Markt herangehen", und plant für 2013 eine Umsatzsteigerung von sieben Prozent. Ihm zur Seite steht ab Mitte Januar dann Seidls Nachfolger, Matthias Harsch, der bisher beim baden-württembergischen Waagenhersteller Bizerba das Sagen hatte.
Für die Loewe-Belegschaft brechen zunächst aber unsichere Zeiten an, denn noch weiß niemand, ob die bevorstehende Entlassungswelle auch ihn treffen wird.
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