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Hygiene im Supermarkt

Einkaufswagenpflicht wegen Corona: Was bringt das wirklich?

Die Corona-Krise hat das öffentliche Leben stark verändert, das wurde auch in Supermärkten spürbar. "Hamsterkäufe" werden inzwischen weniger, dafür verstärkt sich der Einsatz von Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen in den Märkten. Gerade durch eine erhöhte Präsenz des Sicherheitspersonals erhoffen sich die Supermarktbetreiber eine Einhaltung des Mindestabstandes. Dafür soll nun auch eine weitere Maßnahme sorgen: die Einkaufswagenpflicht.
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Über eine Einkaufswagenpflicht wird derzeit stark diskutiert. Foto: FERDINAND MERZBACH

Die Ausbreitung des Coronavirus sorgt landes- und bundesweit für drastische Maßnahmen. Bundesweite Kontaktsperren und die landesweite Ausgangsbeschränkung sollen das Virus eindämmen. "Eine Pandemie kennt keine Feiertage" betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch (01.04.2020) und wies darauf hin, dass auch über Ostern auf Reisen zur Familie verzichtet werden solle.  Bereits am Montag (30.03.2020) verkündete Markus Söder eine dreiwöchige Verlängerung der Ausgangsbeschränkung in Bayern. 

Besonders in Supermärkten wurden Auswirkungen der Corona-Krise und der anschließenden Maßnahmen sichtbar: Bilder von Hamsterkäufen und leergekauften Regalen waren keine Seltenheit - gerade der Verkauf von  Toilettenpapier  stieg massivst an. Auch Nudeln, Mehl und zuletzt Trockenhefe wurden in großen Mengen gehamstert. Supermärkte reagierten mit Preiserhöhungen und Beschränkungen - so dürfen bestimmte Waren nur noch in "haushaltsüblichen Mengen" gekauft werden. 

Einkaufswagenpflicht soll den Mindestabstand garantieren 

Um verstärkt auf die Hygienevorgaben einzugehen und um Kunden zu schützen, ergriffen die Supermärkte verschiedene Maßnahmen. Klebstreifen, die den Mindestabstand von anderthalb Metern markieren, Plexiglasscheiben und der Entfall von Warentrennern an der Kasse, verstärkte Hinweise und Aufforderungen zu bargeldlosem Bezahlen sind in vielen Märkten zu sehen. Zudem trägt das Personal an der Kasse oft Handschuhe, auch Mundschutz kommt vereinzelt zum Einsatz. Nun wird über eine weitere Maßnahme diskutiert, die von einigen Supermärkten bereits umgesetzt wurde: die Einkaufswagenpflicht.

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Das Prinzip dabei: Wer den Supermarkt betreten möchte, darf das nur unter Verwendung eines Einkaufwagens. Gleichzeitig soll das Schieben des Einkaufwagens dafür sorgen, dass der Mindestabstand von anderthalb Metern während dem Einkauf eingehalten wird. Ohne einen Einkaufswagen ist der Zutritt nicht gestattet, unabhängig davon, ob es sich um einen Wocheneinkauf handelt oder lediglich ein Produkt gekauft wird. Läden in Nordrhein-Westfalen ergriffen diese Maßnahme frühzeitig, inzwischen gibt es auch fränkische Märkte mit dieser Regelung, die übrigens nicht bundesweit offiziell gilt, sondern von Behörden ausgesprochen werden kann.  Dahinter stecken zwei Ideen: Zum einen die durch Begrenzung der Höchstanzahl an Personen, die sich im Geschäft aufhalten. 

Auf dieser Grundlage scheint die Maßnahme in der Theorie sinnvoll zu sein. Doch in der Praxis stößt diese Maßnahme vielerorts auf Kritik und Unverständnis der Kunden. Häufig wird argumentiert, dass der Einkaufswagen den Sicherheitsabstand zwar einigermaßen gewährleisten kann, wenn alle Kunden hintereinanderlaufen - in allen anderen Szenarien hingegen nicht. An den Regalen kann der Einkaufswagen den Abstand nicht garantieren, zudem laufen Kunden in den meisten Fällen eben nicht hintereinander.  

Kunden zweifeln Hygiene der Maßnahme an

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Hygiene der Maßnahme: Kunden der Zutritt nur mit Einkaufswagen gestattet. Fassen aufeinanderfolgende Kunden nacheinander den gleichen Wagen an, ohne dass er zwischendurch desinfiziert wird, erhöht sich möglicherweise das Risiko einer Schmierinfektion. Zwar versichern die Geschäfte, dass die Wagen in regelmäßigen Abständen desinfiziert werden - ob sie das jedoch nach jedem Kunden machen, darf angezweifelt werden. Statt Schutz und gesicherter Hygiene könnte eine Einkaufswagenpflicht also das genaue Gegenteil bewirken.