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Luton

Easyjet weitet Flugangebot vorsichtig aus

Bei Easyjet entwickeln sich die Buchungszahlen besser als erwartet. Das hat Folgen für das Angebot des britischen Billigfliegers.
 
Easyjet
Nach tiefroten Zahlen in der Corona-Krise fährt der britische Billigflieger Easyjet sein Flugangebot stärker hoch als bisher geplant. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Nach tiefroten Zahlen in der Corona-Krise fährt der britische Billigflieger Easyjet sein Flugangebot stärker hoch als bisher geplant.

«Unsere Buchungen für den Rest des Sommers entwickeln sich besser als erwartet», sagte Unternehmenschef Johan Lundgren bei der Vorlage der Quartalszahlen in Luton bei London.

Im laufenden Geschäftsquartal bis Ende September werde Easyjet nun rund 40 Prozent der ursprünglich geplanten Flüge anbieten - trotz der neuen Quarantänepflicht für britische Spanien-Urlauber. Bisher hatte Lundgren nur mit einer Kapazität von 30 Prozent geplant.

In einer Telefonkonferenz kritisierte Lundgren die Entscheidung der britischen Regierung, dass alle Einreisenden aus Spanien nach ihrer Ankunft in Großbritannien wegen des Coronavirus in eine zweiwöchige Quarantäne müssen. «In großen Teilen Spaniens gibt es weitaus geringere Infektionsraten als in Großbritannien.»

Im Vergleich zu anderen Airlines habe Easyjet das Flugangebot für den Sommer allerdings nur vorsichtig hochgefahren. Dank der anziehenden Nachfrage könne das Unternehmen sein Angebot jetzt etwas ausweiten. Andere Fluggesellschaften, die ihr Geschäft bereits stärker hochfahren wollten, müssten jetzt Flüge streichen. Die irische Easyjet-Rivalin Ryanair hatte angekündigt, ihr Flugangebot im August auf 60 Prozent und im September auf 70 Prozent der normalen Kapazität auszuweiten.

Lundgren zufolge haben seit der Einführung der Quarantänepflicht nur wenige Easyjet-Kunden ihre Spanien-Reisen storniert. «Die Menschen fliegen und nehmen die Quarantäne in Kauf.» Allerdings gebe es nur wenige neue Buchungen.

Die britische Regierung hatte die Quarantäne-Pflicht Ende Juli verhängt und damit Urlauber, Fluggesellschaften und Reiseveranstalter kalt erwischt. Tausende Briten sind betroffen. Die Quarantänepflicht gelte für Rückkehrer vom spanischen Festland ebenso wie für Menschen, die von Balearen und den Kanaren kommen. Der Reiseveranstalter Tui sagte daraufhin Flüge aus Großbritannien aufs spanische Festland ab.

Lundgren sprach sich für spezielle Regeln für einzelne Regionen aus - wie sie etwa die deutsche Regierung ausgesprochen hat. So warnt das Auswärtige Amt Urlauber aus Deutschland nur vor touristischen Reisen in drei spanische Regionen, in denen die Infektionszahlen zuletzt stark gestiegen waren: Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und der Costa Brava sowie die westlich davon liegenden Regionen Aragón und Navarra.

Der weitgehende Flugstopp im dritten Geschäftsquartal bis Ende Juni brockte Easyjet einen herben Verlust ein. Weil die Airline nur noch 709 Flüge durchführte - 0,4 Prozent so viele wie ein Jahr zuvor - sackte der Umsatz von 1,76 Milliarden auf nur noch 7 Millionen britische Pfund (7,8 Mio Euro) zusammen. Vor Steuern und Sondereffekten verbuchte Easyjet einen Verlust von rund 325 Millionen Pfund, nachdem hier ein Jahr zuvor noch ein Gewinn von 174 Millionen gestanden hatte.

Auch für das wichtige Sommerquartal erwartet Lundgren rote Zahlen. Der Verlust dürfte allerdings geringer ausfallen als im abgelaufenen Jahresviertel. Das Geschäftsjahr des Billigfliegers läuft Ende September aus. Wegen der großen Unsicherheit rund um die weitere Entwicklung der Coronavirus-Pandemie wollte das Management jedoch auch so kurz vor dessen Ablauf keine Finanzprognose abgeben.

© dpa-infocom, dpa:200804-99-35226/2

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