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Wiesbaden

Deutsche Industrie vor Corona-Krise mit Auftragsschub

Die Auswirkungen des neuartigen Coronavirus belasten die deutsche Industrie enorm. Zwar ging es Anfang des Jahres bergauf mit den Aufträgen, allerdings sieht die Zukunft wenig rosig aus.
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Maschinenbau
Ein Lackierroboter im Einsatz bei der Dürr AG. Unternehmen der deutschen Industrie haben zu Jahresbeginn mehr Aufträge erhalten, erwarten aber wegen der Corona-Krise keine rosige Zukunft. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Es ist ein Lichtblick für die arg gebeutelte deutsche Industrie: Die Unternehmen haben zu Jahresbeginn einen starken Auftragsschub erfahren.

Allerdings dürfte es nicht mehr als ein kurzes Aufflackern sein. Ökonomen fürchten bereits im Februar erheblichen Gegenwind durch den sich ausbreitenden neuartigen Coronavirus. Der Kummer, den die Industrie seit längerem gewohnt ist, dürfte sich also nicht einfach in Luft auflösen.

Wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte, stiegen die Aufträge der Industrieunternehmen gegenüber dem Vormonat um 5,5 Prozent. Das ist der stärkste Zuwachs seit Mitte 2014. Analysten hatten im Schnitt mit einem viel schwächeren Zuwachs um 1,3 Prozent gerechnet. Das Statistikamt verwies zwar auf zahlreiche Großaufträge, allerdings war auch ohne diese ein deutlicher Auftragsanstieg um 2,3 Prozent zu verzeichnen.

Unterstützung kam von der Auslandsnachfrage, die nach einem schwachen Dezember kräftig zulegte. Besonders stark stieg mit 15,1 Prozent die Nachfrage aus der Eurozone. Allerdings war sie im Vormonat auch um 14,0 Prozent gefallen. Nachgefragt wurden vor allem hochwertige und meist teure Investitionsgüter. Im Gegensatz zur Auslandsnachfrage sank die Binnennachfrage im Januar um 1,3 Prozent.

Das Bundeswirtschaftsministerium und Bankökonomen hielten sich aufgrund der aufziehenden Belastungen durch die Corona-Krise mit Jubelarien zurück. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Risiken durch das Coronavirus auswirkten, erklärte das Ministerium in einem Kommentar. Zudem wurde die robuste Entwicklung zu Jahresbeginn auch mit Nachholeffekten durch Brückentage im Dezember relativiert. «Insgesamt haben sich die Bestellungen in den vergangenen Monaten stabilisiert», lautet das Resümee des Ministeriums.

Bankvolkswirte kommentierten ebenfalls vorsichtig. Der Corona-Ausbruch dürfte die Industrie ab Februar merklich belastet haben, erwartet Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Trotz des guten Starts dürfte die deutsche Wirtschaft in den ersten drei Monaten des Jahres leicht geschrumpft sein. Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg sprach von «Zahlen aus der Vor-Corona-Ära» und nannte ebenfalls Nachholeffekte aus dem Dezember.

Ungeachtet der Corona-Krise leidet die deutsche Industrie seit langem unter wechselnden Belastungen. Im vergangenen Jahr spielte der Handelskonflikt zwischen den USA und China eine große Rolle. Gerade hatte sich der Konflikt zur Jahreswende etwas beruhigt, da brach in China die Corona-Epidemie aus. Die Ausbreitung weit über China hinaus bedroht die internationalen Produktions- und Lieferketten, die sich im Zuge der Globalisierung gebildet haben. Auf der Nachfrageseite dürfte die Corona-Krise zu einer Konsum- und Investitionszurückhaltung führen.