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Bayreuth
Wirtschaftskrise

Corona-Krise: Bevorstehende Rezession kann "nicht verhindert werden"

Kurzarbeit, Entlassungen, Insolvenzanträge: Die Corona-Krise drückt der Wirtschaft den Stempel auf. Eine Rezession scheint unvermeidbar, das Ausmaß ist ungewiss. Welche Folgen die Corona-Pandemie für die internationale Wirtschaft hat, erklärt der Bayreuther Universitätsprofessor und Volkswirtschaftler Bernhard Herz.
 
Alarmierende Zeichen: Die Corona-Krise kann in einer Rezession münden. Foto: Pixabay / Gam-Ol

Längst hat sich das Coronavirus von der gesellschaftlichen Ebene in die wirtschaftliche Ebene übertragen. Neben den steigenden Zahlen der bundesweit Infizierten steigt auch die Anzahl der Unternehmen, die Insolvenz anmelden. Selbst große Unternehmen wie Adidas suchen nach Sparmaßnahmen, zuletzt kündigte der Sportartikelhersteller an, keine Miete mehr für die Läden zu zahlen - ein paar Tage später entschuldigte sich Adidas dafür

Auch über die Landesgrenzen hinaus wütet das Coronavirus, die USA vermeldet mittlerweile mit über 210.000 Infizierten (Stand 02.04.2020) die höchste Infektionszahl. Aufgrund der ergriffenen Maßnahmen ist die wirtschaftliche Leitungsfähigkeit in vielen Ländern eingeschränkt. Das zeigt Auswirkungen auf die internationale Wirtschaft zu spüren, meint Prof. Dr. Bernhard Herz. Der Volkswirtschaftler an der Universität Bayreuth tätig, vor allem Geldtheorie und Geldpolitik, sowie internationalen Wirtschaftsbeziehungen gehören zu seinen Kerngebieten.  

Globalisierung verstärkt den negativen Effekt 

"Selbstverständlich!" gebe es Grund zur Sorge, meint Herz. Abseits von "den schlimmen Folgen für Gesundheit und Leben der Menschen" stehe ein wirtschaftlicher Rückgang bevor.  Dieser werde paradoxerweise umso stärker ausfallen, je stärker es gelingt, den Verlauf der Pandemie zu dämpfen und zeitlich zu strecken", glaubt Herz. Die nahezu weltweite Ausbreitung des Coronavirus geht mit ähnlichen Maßnahmen in vielen Ländern einher. Herz bezeichnet die internationale Verbreitung als "das Besondere an der Corona-Pandemie." Bisher ergriffene Maßnahmen – vor allem Kontaktsperren, Ausgangsbeschränkungen, die Schließung von Schulen, Restaurants und verschiedenen Unternehmen – sollen die Infektionsrate eindämmen und die Corona-Welle abflachen lassen. Allerdings sieht der bayerische Ministerpräsident Markus Söder "Kein Grund zur Entwarnung."  Die Maßnahmen treffen "die Wirtschaft sowohl auf der Angebots- als auch der Nachfrageseite."

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Auf der Angebotsseite stellen eingeschränkter Produktionsmöglichkeiten ein Problem dar. Herz argumentiert, dass für viele Beschäftigte eine Arbeit in "vollen Umfang" derzeit nicht möglich ist, das könne auch Arbeit aus dem Homeoffice" nicht ganz vermeiden." Durch die internationalen Lieferketten könne der negative Effekt eingeschränkter Produktionsmöglichkeiten verstärkt werden, so Herz. Etwa dann, wenn "wichtige Vorprodukte in der Produktion fehlen, weil im Ausland produziert wird." 

Hingegen leiden auf der Nachfrageseite vor allem die Branchen, die ihr Angebot derzeit nur  eingeschränkt, oder gar nicht mehr ihr Angebot zur Verfügung stellen können.  Aufgrund landes- oder bundesweiter Regelungen sind einige Branchen, "Fluggesellschaften, Kinos und Restaurants" davon "ganz unmittelbar und sehr stark" betroffen. Dabei seien Auswirkungen nicht nur in der Gegenwart spürbar – auch die Zukunft scheint ungewiss, denn die aktuelle Krise könnte "weiterreichende Folgen" haben.

Internationale Handelsketten müssen überdacht werden

Trotz des negativen Effekts, den internationale Handelsketten mit sich bringen, erachtet Herz die internationale Arbeitsteilung für "sinnvoll". Eine Fortführung sollte stattfinden, einzig das Ausmaß könne infrage gestellt werden. Zudem glaubt Herz, dass künftig viele Unternehmen überprüfen würden, "wie sie sich zukünftig gegen Lieferausfälle besser absichern können." Außerdem müsse die Regierung entscheiden, inwieweit strategisch wichtige Produkte [...] nicht auch im Inland produziert werden sollten." Zu Bedenken gibt der Volkswirtschaftler, dass es aufgrund der Pandemie auch ohne die Globalisierung wirtschaftliche Folgen geben würde. "Allerdings fallen heute die Effekte stärker aus."

Ein Vergleich mit der Bankenkrise 2008 ist schwierig, bereits die Ursachen sind verschieden. Damals lag der Ursprung bei "den Übertreibungen im Finanzsektor und der Schwäche vieler Banken." Es sollte verhindert werden, dass die Probleme auf die Realwirtschaft "überschwappen." sagt Herz. Heute sei es genau umgekehrt: "Jetzt liegen die Probleme in der Realwirtschaft und es kommt darauf an, dass daraus keine Probleme für den Bankensektor entstehen." Um dieses Ziel zu erreichen, benötigt es Maßnahmen auf nationaler Ebene. "In die richtige Richtung" gehen Kreditbürgschaften und Liquiditätshilfen, die von der Bundesregierung vorgeschlagen wurden, meint Herz.

Zudem sieht der Volkswirtschaftler Lösungsansätze, mit denen Unternehmen und Arbeitnehmern geholfen werden kann, "die Folgen der Krisen besser zu verkraften". Dazu zählt er unter anderem "Kurzarbeit, Finanzhilfen für Unternehmen [...] und zusätzliche Ausgabenprogramme" auf. Bezogen auf die schwarze Null der Regierung meint Herz zudem, dass notwendige Hilfe nicht an fehlenden Finanzmitteln scheitern sollte. 

"Nachkrisenboom" nach Ende der Corona-Pandemie

Erzielen diese Ansätze einen positiven Effekt, könne die bevorstehende Rezession zwar nicht verhindert, "allerdings kann ihr Verlauf gemildert werden." meint Herz. Zudem geht er davon aus, dass es nach "dem Abklingen der Pandemie […] zu einer zügigen Erholung kommen sollte."  Aufgeschobene Einkäufe der privaten Haushalte werden nachgeholt, sodass es "sogar einen "Nachkrisenboom" geben könnte. Unklar ist allerdings dessen Ausmaß.