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München

Corona beeinflusst den Buchmarkt

Corona hat den Alltag stark verändert - das spiegelt sich sogar bei Buchkäufen wider. Leicht nachvollziehbar: Auslandsreiseführer sind derzeit Ladenhüter. Aber was läuft gut?
 
Buchmarkt
Kein Wunder, Reiseführer liegen gerade nicht so im Trend. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa/Archiv

Im Trend: Radeln, Wandern, Kochen, Kinderbücher. Die Corona-Epidemie hat spürbaren Einfluss auf die Buchkäufe in Deutschland, wie Buchgroß- und -einzelhändler berichten.

Im Bereich Belletristik ist laut Amazon-Charts nach wie vor Harry Potter der Verkaufsschlager: Unter den zehn verkaufsstärksten Romanen der vergangenen Woche waren sechs Harry-Potter-Bände, wie aus den Verkaufsranglisten der deutschen Amazon-Tochter in München hervorgeht.

«Tatsächlich gab es durch die Corona-Pandemie auch Auswirkungen auf das Kaufverhalten bei Büchern», berichtet ein Sprecher des Großhändlers Libri in Hamburg. Auffällig ist vor allem das sprunghaft gestiegene Interesse an inländischen Rad- und Wanderführern.

Zu den Hits in diesem Bereich mit teilweise verdreifachten Absatzzahlen zählten laut Libri unter anderem der «Malerweg Elbsandsteingebirge», «Wanderungen für Langschläfer Bergisches Land» und der Bikeline-Führer «Rund um München».

Das stellt auch der Rother Bergverlag in München fest, der Wanderführer für ganz Deutschland im Programm hat: «Bei manchen Deutschland-Titeln haben sich die Verkaufszahlen verdoppelt oder sogar verdreifacht», sagte Verlagsleiter Klaus Wolfsperger kürzlich.

Die Einschränkungen des Alltagslebens lassen sich quasi spiegelverkehrt im Buchmarkt ablesen, so die zeitweiligen Schulschließungen und das stark beschränkte Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche.

«Im Gesamtbuchmarkt sind Kinder- und Jugendbücher auch in 2020 die einzige Warengruppe, die einen Umsatzzuwachs gegenüber 2019 verzeichnet», sagt der Libri-Sprecher, mit einem Plus von 6,2 Prozent bis September. «Der Buchmarkt liegt insgesamt noch unter dem Vorjahr, erlebt allerdings momentan einen sehr starken Herbst.»

Aber auch Erwachsene beschäftigen sich in Zeiten stark eingeschränkten Soziallebens mehr mit sich selbst - beziehungsweise ihren eigenen vier Wänden: «Wenn «Cocooning» auf der Tagesordnung steht, liegt vielen Menschen am Herzen, ihr Zuhause schöner zu gestalten und Hobbys wiederzuentdecken», heißt das Resümee beim Großhändler Zeitfracht in Berlin.

«So haben sich während der Corona-Pandemie bereits existierende Trendthemen wie Do it yourself und Kreativität, Hobby, Freizeit, Garten sowie Kochen und Backen, insbesondere Brotbacken, weiter verstärkt.»

Das bestätigt die Münchner Buchhandelskette Hugendubel: In einzelnen Segmenten gebe es vermehrte Nachfrage. «Dazu gehören Kochbücher, Wander- und Radfahrführer sowie politische Literatur.»

Mangels Urlaubsmöglichkeiten jenseits der Grenzen bleiben Auslandsreiseführer dagegen liegen: «Reiseliteratur wird - mit Ausnahme von regionalen Reiseführern - auffällig wenig nachgefragt», heißt es bei Hugendubel. Das beobachtet der Online-Händler Amazon ebenso: «Im Buchsegment Reiseführer sehen wir ein gesteigertes Interesse an Reisezielen in Deutschland, während sich zuletzt deutlich weniger Kunden für internationale Reisen zu interessieren scheinen.»

Und nicht zuletzt registriert die Branche ein Bedürfnis nach Unterhaltung und Ablenkung: «Viele Top-Titel des Jahres 2020 sind dem Unterhaltungsbereich zuzuordnen», meint der Zeitfracht-Sprecher.

Libri hat ein weiteres Phänomen festgestellt: Offensichtlich wird mehr geschrieben. Bei der Self-Publishing-Plattform BoD wurden vor allem während des ersten Lockdowns im Frühjahr deutlich mehr Bücher veröffentlicht - so im April im Jahresvergleich ein Plus von 40 Prozent.

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