Coburg
Zuwanderung

Wegen Engpässen am deutschen Arbeitsmarkt: Jährlich 260.000 Zuwanderer nötig

Bis 2060 wird die Zahl der Arbeitskräfte in Deutschland ohne Zuwanderung um 16 Millionen abnehmen. Deshalb sind laut einer Studie der Hochschule Coburg und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung jährlich Hunderttausende Zuwanderer aus EU- und Drittstaaten nötig.
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Um die zukünftigen Engpässen am deutschen Arbeitsmarkt zu kompensieren, ist laut Forschern eine jährliche Zuwanderung von 260.000 Personen nötig. Symbolbild: Foto: Patrick Pleul/ZB/dpa
Um die zukünftigen Engpässen am deutschen Arbeitsmarkt zu kompensieren, ist laut Forschern eine jährliche Zuwanderung von 260.000 Personen nötig. Symbolbild: Foto: Patrick Pleul/ZB/dpa

Deutschland gehen in Zukunft die Arbeitskräfte aus - zumindest ohne Zuwanderung. Das besagt eine Studie, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Zusammenarbeit mit der Hochschule Coburg durchgeführt hat.

16 Millionen Arbeitskräfte weniger bis 2060

Ohne Zuwanderung wird die Zahl der Arbeitskräfte in Deutschland bis 2060 um 16 Millionen abnehmen. Das besagt eine Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. Selbst, wenn die Erwerbsbeteiligung in Deutschland steigen würde, könnte das die Abnahme um maximal 1,8 Millionen Arbeitskräfte abmindern. Deshalb gehen die Wissenschaftler davon aus, dass bis 2060 jährlich eine Zuwanderung von 260.000 Menschen notwendig ist. Lutz Schneider, Wirtschaftswissenschaftler der Hochschule Coburg, und die IAB-Mitarbeiter Johann Fuchs und Alexander Kubis berücksichtigten in der Studie neben der Entwicklung der inländischen Erwerbsbeteiligung auch die Migration aus EU-Staaten und den Einfluss der Digitalisierung.

146.000 Zuwanderer aus Drittstaaten nötig

Der Studie nach gehen die Forscher davon aus, dass jährlich rund 114.00 Menschen aus EU-Staaten zuwandern werden. Um die notwenige Anzahl von 260.000 Zuwanderern zu erreichen, müssten demnach 146.000 weitere Zuwanderer aus Drittstaaten nach Deutschland kommen. Diese kämen bisher vor allem für die Besetzung von Stellen mit geringem Anforderungsprofil. Allerdings lägen die Bereiche des deutschen Arbeitsmarktes, an denen Engpässe herrschen, im mittleren und hohen Anforderungsbereich. In der Studie heißt es: "Nur eine Zuwanderung von Drittstaatenangehörigen mit geeigneter Qualifikation sichert eine schnelle und qualifikationsadäquate Integration in den Arbeitsmarkt und beugt Fachkräfteengpässen vor beziehungsweise lindert diese."

Mehr Arbeitskräfte trotz Digitalisierung

Obwohl der Arbeitsmarkt zunehmend digitalisiert werde, seien mehr und nicht weniger Arbeitskräfte erforderlich. Jedoch seien dafür Fachkräfte mit hoher Qualifikation nötig. Bei den Akademikern sei langfristig mit einer Entspannung bei den Engpässen zu rechnen. Im Bereich der mittleren Qualifikationen sei dagegen sogar mit einer Verschärfung zu rechnen. Deshalb plädieren die Forscher für ein "Einwanderungsgesetz aus einem Guss". Bisher sorge die Regelung der Zuwanderung in vielen verschiedenen Gesetzen und Vorschriften dafür, dass die sich die Situation für potentielle Zuwanderer unübersichtlich zeigt. Eine Möglichkeit sei unter anderem auch, dass auch ohne vorliegendes Arbeitsangebot eine Einreise für eine zeitlich befristete Suche nach einem Arbeitsplatz erlaubt ist, sofern ein mittleres Qualifikationsniveau bei den Zuwanderern vorliege.