Coburg
Kraftfahrzeugtechnik

Brose und Bosch zeigen auf der IAA ihre Stärke

Die fränkischen Autozulieferer Brose und Bosch nutzen die Automesse IAA in Frankfurt, um ihre Entwicklungsfortschritte bekannter zu machen. Beide sprechen von Wachstum und sehen glänzende Möglichkeiten in China und Nordamerika.
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Der Vorsitzende der Brose Geschäftsführung, Jürgen Otto, erklärt Klaus Draeger, Mitglied des Vorstands der BMW AG, am IAA-Stand in Frankfurt die Brose-Rücksitzstruktur. Foto: Brose
Der Vorsitzende der Brose Geschäftsführung, Jürgen Otto, erklärt Klaus Draeger, Mitglied des Vorstands der BMW AG, am IAA-Stand in Frankfurt die Brose-Rücksitzstruktur. Foto: Brose
Manche Konzepte sind so populär, dass sie immer wieder begeistern können. Vor vier Jahren war die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt der Ort, an dem der Autozulieferer Brose erstmals seine berührungslose Heckklappe präsentierte: Fußspitze unter die Heckschürze eines Fahrzeugs und wie von Geisterhand öffnete sich die Heckklappe. Auf die gleiche Weise, nach einem Fußkick unters Heck, senkte sich der Kofferraumdeckel wieder ins Schloss.

Die komfortable Heckklappe ist auch 2013 am Brose-Stand zu sehen. Inzwischen zwar nicht mehr als Neuheit, aber als Trendsetter. Das innovative System erhielt in den vergangenen Jahren Auszeichnungen und ist gefragt. "Mit diesem Produkt haben wir einen Bestseller. Es werden bereits zwölf Modelle von drei Herstellern damit ausgestattet", berichtete Brose-Pressesprecher Jens Korn.

In Frankfurt zeigt Brose erstmals auch, wie sich der Autofahrer bei aller Elektronik nicht die Finger einzwickt: kapazitive Sensorik für den Einklemm- und Kollisionsschutz.

Elektro-Emotionen

Bosch zeigt auf der IAA eine ganze Palette an Kfz-Technik. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Produkte und Strategien auf dem Weg zum elektrischen Fahren - bis hin zum hochautomatisierten Auto. Der Verbrennungsmotor ist dabei laut Bosch kein Ladenhüter. "Selbst gegenüber dem Stand von 2012 sind noch Verbrauchseinsparungen von 20 Prozent möglich", heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. Dennoch: Schon in einigen Monaten will Bosch 30 Serienprodukte rund um die Elektromobilität realisiert haben. Der große Markt sei noch nicht da, bahne sich aber emotional an, so die Bosch-Pressestelle. Vor allem der leise Klang des Motors sorge für ein neues Fahrerlebnis.

Noch nicht Wirklichkeit ist ein erweiterter Parkassistent von Bosch, wo mittels Fernsteuerung das Auto von außen in enge Garagen manövriert werden kann. 2015 soll es soweit sein.

Schon Realität dagegen ist das Brose-Türsystem, das deutlich leichter daherkommt als andere. Acht Kilogramm wiegt laut Brose so ein Exemplar einer Rohbautür. Kohlefaserverstärkter Kunststoff (CFK) macht es möglich, dass im Vergleich zu Aluminium fast vier Kilo Gewicht gespart werden.

Positive Entwicklung in Übersee

Leichter und sicherer - dieses Konzept bestimmt auch die Sitz-Innovationen von Brose. Der Geschäftsbereich, der in Coburg angesiedelt ist, hatte im vergangenen Jahr mit 20 Prozent den größten Zuwachs verzeichnet. Aber auch die Türsysteme (Hallstadt) und das Motorengeschäft (Würzburg) legten laut Brose deutlich zu. Für das laufende Jahr strebt die Brose-Geschäftsführung daher ein Wachstum von weiteren drei Prozent an. Das Ziel: 4,6 Milliarden Euro Umsatz ist nur ein Zwischenschritt für das Coburger Unternehmen. "Wir setzen uns mit einem Umsatzvolumen von über fünf Milliarden Euro bis 2015 realistische Ziele", ist Jürgen Otto, Vorsitzender der Brose-Geschäftsführung, überzeugt.

Zwar schwächelt der Absatz in Europa weiterhin. Aber ein global agierendes Unternehmen wie Brose kann das andernorts kompensieren. Dabei waren laut Brose im ersten Halbjahr Asien mit einem Plus von 21 Prozent und Nordamerika mit einem Plus von 17 Prozent die Wachstumstreiber für die Gruppe.

Bei Bosch ist man aufgrund guter Aussichten ebenfalls optimistisch. In der Sparte Kfz-Technik werde der Umsatz in diesem Jahr um rund fünf Prozent wachsen, und damit stärker als die weltweite Automobilproduktion, teilte Bosch-Chef Volkmar Denner in Frankfurt mit. Ebenso wie bei Brose profitiert Bosch derzeit vom Wachstum in Nordamerika und vor allem in China. Aber Denner glaubt auch an eine Belebung des europäischen Marktes. "Dafür spricht das Pkw-Durchschnittsalter, das hier mit nahezu neun Jahren bereits eine Rekordhöhe erreicht hat", sagte Denner. Zum Vergleich: In Nordamerika liegt es im Moment sogar bei elf Jahren. "Die anziehende Nachfrage dort lässt sich durchaus als Nachholeffekt verstehen", so Denners Einschätzung.

Dort sein, wo der Markt boomt - das gilt auch für Brose. 2012 eröffnete der Autozulieferer neue Betriebe in China, Mexiko und erwarb eine Produktionsstätte in den Vereinigten Staaten. Rund 350 Millionen Euro werden heuer von Brose für Investitionen ausgegeben. Davon profitieren auch die fränkischen Standorte. Nach Würzburg fließen laut Brose 40 Millionen Euro, Coburg erhält 55 Millionen Euro und in Bamberg werden 62 Millionen Euro investiert. Größte Einzelinvestition ist der Aufbau des neuen Verwaltungsgebäudes in Bamberg.

Bedingt durch die positive Entwicklung stieg bei Brose auch die Zahl der Beschäftigten. Ende Juni waren es insgesamt 21.000, davon 1400 in Hallstadt, 1800 in Würzburg und 3200 in Coburg.
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