Berlin/Frankfurt

Bericht: Deutsche Bank lotet mit Commerzbank Fusion aus

Nationale Champions von Weltrang wünscht sich die Bundesregierung - nicht nur in der Industrie. Seit Monaten wirbt Berlin auch für stärkere deutsche Banken. Nun könnten dem politischen Druck Taten folgen.
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Commerzbank und Deutsche Bank
Die Zentralen der Deutschen Bank (l) und der Commerzbank in Frankfurt am Main. Die beiden Geldhäuser prüfen offenbar eine Fusion. Foto: Arne Dedert

Die Deutsche Bank will nach Informationen der «Welt am Sonntag» mit der Commerzbank die Möglichkeit einer Fusion ausloten.

Der Vorstand des größten deutschen Geldhauses habe beschlossen, Gespräche mit dem Konkurrenten aufzunehmen, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Finanzkreise. Es habe bereits «inoffizielle Kontakte in sehr kleiner Runde gegeben», die allerdings noch nicht in einem Stadium seien, in dem sie mitteilungspflichtig seien. Sprecher beider Geldhäuser wollten den Bericht am Samstag nicht kommentieren.

Spekulationen über einen Zusammenschluss der letzten beiden unabhängigen Großbanken kursieren seit Monaten. Seit Sommer werben Finanzstaatssekretär Jörg Kukies, Ex-Deutschlandchef von Goldman Sachs, und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) für stärkere deutsche Banken. Die Bundesregierung steht nach eigener Aussage «wirtschaftlich sinnvollen Optionen offen gegenüber».

Die Bundesregierung erwarte eine Entscheidung in den kommenden Wochen, berichtet die «Welt am Sonntag» weiter - und zitiert aus den Kreisen, es sei richtig, sich einen Termin zu geben, «sonst schiebt man die Antwort auf diese Frage noch die nächsten zwei Jahre vor sich her.»

Der Bund ist mit gut 15 Prozent größter Einzelaktionär der Commerzbank - seit mehr als zehn Jahren: Die Übernahme der kriselnden Dresdner Bank mitten in der Finanzkrise hatte die Commerzbank zum Rettungsfall gemacht, und der Staat bewahrte das Institut mit Steuermilliarden vor dem Kollaps. Es war die erste direkte Beteiligung des Bundes an einer großen Privatbank in Deutschland.

In den Frankfurter Zentralen der beiden Geldhäuser hält man sich zu den Gerüchten um einen näher rückenden Zusammenschluss bislang stets bedeckt. Die Spekulationen seien «verständlich», hatte Commerzbank-Chef Martin Zielke zuletzt bei der Bilanzvorlage Mitte Februar gesagt: «Das ist etwas, das nicht neu ist. Es macht aber überhaupt keinen Sinn, solche Spekulationen zu kommentieren oder sich daran zu beteiligen.»

Und der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, hatte sich rund zwei Wochen zuvor kämpferisch gegeben: «Wir haben es selbst in der Hand.» Zugleich hatte er mit Blick auf die Fusionsgerüchte gesagt: «Wir glauben an unseren Plan. Dafür müssen wir hart arbeiten. Und über alles andere mache ich mir keine Gedanken. Wir beteiligen uns an diesen Spekulationen nicht.» Zur Rolle Berlins in der Diskussion hatte er zudem angemerkt, er freue sich, «dass wir eine Bundesregierung haben, die sich aktiv um den Finanzstandort Deutschland und Frankfurt Gedanken macht».