Nürnberg
Konsumklima

Aus Angstsparern werden Angstkomsumenten

Die GfK geht davon aus, dass die Ausgaben der deutschen Privathaushalte in diesem Jahr um ein Prozent zulegen werden. Marktforscher Rolf Bürkl spricht von einem Trend vom Angstsparer hin zum Angstkonsumenten.
Quelle: GfK
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Der deutsche Verbraucher ist weiterhin positiv gestimmt. Seine Lust, Geld auszugeben, wird in diesem Jahr weiter ansteigen, sagen die Marktforscher der GfK in Nürnberg voraus. Um real ein Prozent soll der Konsum in Deutschland dabei laut GfK heuer zulegen. "Er liefert damit erneut einen stabilen Beitrag zur Konjunktur", sagte GfK-Chef Matthias Hartmann am Dienstag auf einer Pressekonferenz des Marktforschungsunternehmens in Nürnberg. Ungefähr 58 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gehen auf den privaten Konsum zurück.

Was die Verbraucher hierzulande bei Laune hält, sind vor allem der robuste Arbeitsmarkt und die Aussicht auf höhere Löhne. "Die tariflichen Einkommen dürften stärker steigen als die Inflation", fasste GfK-Konsumexperte die Erwartungen der Bürger zusammen.
Auch die Gefahr einer Rezession sei aus Sicht der Deutschen gebannt.

Spar-Rekordtief im August 2012

War die Neigung, sich etwas anzuschaffen, im zweiten Halbjahr 2012 noch zurückgegangen, so zeigt die jüngste Erhebung der GfK laut Bürkl hier wieder einen Trend nach oben. "Wir haben beim Indikator für die Anschaffungsneigung im Januar ein Plus von 15 Punkten verzeichnet. Die leichte Schwächephase von Ende 2012 scheint überwunden zu sein."

Noch nicht überwunden dürfte die Verdrossenheit der Deutschen sein, was das Sparen angeht. Laut GfK-Fachmann Bürkl hat die Sparneigung zuletzt zwar dreimal in Folge zugelegt. Sie liegt aber immer noch auf niedrigem Niveau, nachdem im August 2012 ein Rekordtief erreicht worden war. "Die Verbraucher scheinen, überspitzt formuliert, von Angstsparern zu Angstkonsumenten geworden zu sein", sagte Bürkl. Kein Wunder. Noch ist das Vertrauen in die Sicherheit des Finanzmarktes nicht wieder hergestellt. Zugleich sind die Spar- und Darlehenszinsen auf historisch niedrigem Niveau.

Da verzichtet der Bürger auf Spareinlagen, gibt sein Geld lieber aus oder schafft sich etwas Wertbeständiges an. Laut GfK-Handelsexperte Wolfgang Adlwarth sind die Ausgaben für Urlaubs- und Privatreisen 2012 im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent angestiegen. Für Kinobesuche gaben die Verbraucher demnach sogar acht Prozent mehr Geld aus. Am meisten profitiert hat aber der Immobilienmarkt. Bei den Baufertigstellungen gab es laut Adlwarth ein Plus von 17 Prozent. "Steine sind gefragt. Nicht nur Bausteine. Auch Juweliere haben 2012 gute Geschäfte gemacht", sagte Adlwarth. Geld wird häufig in die Renovierung von Gebäuden gesteckt. Dabei legen die Deutschen im Moment weniger selbst Hand an. Sie vergeben lieber Aufträge an Firmen, berichtete Adlwarth und verwies auf Umsatzrückgänge der Baumärkte.

Lebensmittelhandel auf Wachstumskurs

Auf Wachstumskurs liegt weiter der Lebensmittelhandel. Laut GfK hat aber nicht die verkaufte Menge zugekommen. Das Umsatzplus in Höhe von 2,2 Prozent sei vielmehr auf Preissteigerungen zurückzuführen. Beim sogenannten Nonfood-Einzelhandel (Elektro-Artikel/Textilien/Möbel) war die Entwicklung dagegen unterschiedlich. Textilien mussten Einbußen hinnehmen. Elektrogeräte verzeichneten dagegen ein deutliches Plus.

Was die Vertriebsformate angeht, konnten die Discounter laut GfK 2012 wieder an Beliebtheit zulegen, nachdem sie in den zurückliegenden drei Jahren Marktanteile verloren hatten. Noch beliebter: Supermärkte mit Vollsortiment, während die Warenhäuser zuletzt weiter an Umsatz einbüßten. "Die Renaissance der Supermärkte setzt sich fort", sagte Adlwarth.

Bemerkenswerter Trend: Einem Drittel der Deutschen ist das Einkaufen laut GfK aus Zeitmangel inzwischen lästig geworden. Die Zahl der Einkaufsgänge hat demnach in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen.