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Berlin
Gesundheitssystem

Stundenlohn für Altenpfleger soll deutlich steigen

Die Stundenlöhne in der Altenpflege sollen deutlich angehoben werden. An den Plänen kommt jedoch Kritik auf.
 
Altenpflege
Die Löhne in der Altenpflege sollen deutlich steigen. Foto: Guido Kirchner/dpa

Altenpflegerinnen und Altenpfleger könnten künftig einen deutlich höheren Stundenlohn erhalten, als bisher. Darauf einigten sich die "Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP)" und die Gewerkschaft "Verdi" am Mittwoch (16. September 2020). Der Lohn in der Altenpflege soll demnach auf 18,50 Euro pro Stunde steigen. 

Damit geht eine Initiative auf die Zielgerade, die bereits seit längerem in Deutschland diskutiert wird. Immer wieder wird moniert, dass Pflegekräfte in Deutschland zu wenig zu verdienen. 

Mindestlohn für Pflegekräfte soll steigen

"Wir haben gestern einen großen Schritt für die Aufwertung der Pflegeberufe in der Altenhilfe gemacht. Als Arbeitgeber sind wir dabei bis an die Schmerzgrenze gegangen. Damit muss aber endlich das Gerede über die schlechte Bezahlung ein Ende haben", sagte Gero Kettler, Vorstandsmitglied des "BVAP".

Konkret soll sich Folgendes ändern: Pflegefachkräfte, sprich: examinierte Altenpflegekräfte, sollen ab Januar 2023 18,50 Euro Stundenlohn erhalten. Pflegehilfskräfte, sprich: Angestellte ohne entsprechende Ausbildung, sollen 14,15 Euro pro Stunde bekommen. Schließen Angestellte eine ein- bis zweijährige Ausbildung im Pflegebereich ab, sollen sie mindestens 15 Euro Stundenlohn erhalten. "Das ist ein ordentliches Mindestniveau, das bessere Tarifverträge selbstverständlich unberührt lässt", erklärte Sylvia Bühler, Vorstandsmitglied von "Verdi".  Aus Perspektive der Arbeitgeber sei man bis an die "Schmerzgrenze" gegangen, so Kettler. 

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) plant die Regelung auf die gesamte Pflegebranche auszuweiten. Dabei gerät er allerdings mit einigen privaten Trägern in Konflikt, da für sie höhere Kosten entstehen könnten. "Nun liegt es in der Hand der anderen Träger in der Pflegebranche, den Weg freizumachen für den Abschluss des Tarifvertrages und damit mittelbar auch für einen Antrag auf Erstreckung der Tarifverträge für alle Beschäftigten", so Heil. 

Kritik kommt beispielsweise aus den Reihen des "Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste": "Offenbar wollen ver.di und die AWO als treibende Kraft der BVAP die Welt in der Altenpflege retten, aber das Ergebnis von der Finanzierung durch Dritte abhängig machen. Das ist ein klassischer Vertrag zu lasten Dritter", sagt Bernd Meurer, Präsident des "bpa". Auch der ehemalige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle von "bpa" kritisiert das Vorhaben: "Miniminderheiten können nicht über die Tarifautonomie von Mehrheiten bestimmen." Der "BVAP" sei ein zu kleiner Verband, um überr weitreichende Verträge in der Pflegebranche zu verhandeln, hieß es in den vergangenen Monaten seitens des "bpa". 

"Der Staat will Löhne festlegen, die eigentlich Sache der Tarifparteien sind", kritisiert auch Thomas Greiner, Präsident des "Arbeitgeberverbandes Pflege", das Vorhaben. 

Die Einigung von "Verdi" und "BVAP" soll nun in allen beteiligten Gremien diskutiert werden. 

Zum Hintergrund: Im Januar 2020 einigte sich die Pflegekommission bereits auf höhere Mindestlöhne für Beschäftigte in der Altenpflege. Ab dem 1. Juli 2020 stiegen die Mindestlöhne für Pfegehilfskräfte in vier Schritten auf einheitliche 12,55 Euro Stundenlohn.