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Fleisch und Wurst

Aldi fordert noch billigeres Fleisch: "Das völlig falsche Signal" in der aktuellen Debatte

In der Fleischindustrie soll "aufgeräumt" werden. Neue Maßnahmen sind bereits festgelegt. Doch der Discounter "Aldi Süd" verfolgt einen ganz eigenen Plan und nutzt die aktuelle Situation aus, um Fleisch noch günstiger zu verkaufen.
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Die unterfränkische Firma Firma Franken-Gut Fleischwaren  mit Sitz in Rottendorf (Lkr. Würzburg) hat bei Edeka, Marktkauf und Kupsch Zwiebelmettwurst wegen Ehec-Bakterien zurückgerufen. Kai Remmers/dpa
Die Fleischindustrie steht derzeit in der Kritik. Neue Maßnahmen wurden erlassen und "Aldi Süd" möchte seine Fleischpreise senken. Symbolbild: Kai Remmers/dpa

Nachdem sich die Zahlen der Corona-Fälle in der Fleischindustrie gehäuft haben, reagiert nun die Bundesregierung mit neuen Regelungen und Maßnahmen für deutsche Fleischerei-Betriebe. 

Es sei Zeit "in diesem Bereich aufzuräumen und durchzugreifen", hatte Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) gesagt und es wäre an der Zeit ein neues "Arbeitsschutzprogramm für die Fleischwirtschaft" auf den Weg zu bringen. Das berichtete die Deutsche Presseagentur.

Neue Auflagen für die Fleischbranche: Das soll sich ändern

Sowohl in Baden-Württemberg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen (NRW), Bayern und Schleswig-Holstein hatte es in den vergangenen Wochen eine Vielzahl an Coronafällen gegeben. Ein besonders heftiger Fall ereignete sich in nordrhein-westfälischen Coesfeld, wo sich in einer einzigen Fleischfabrik 129 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert hatten

Dabei gerieten vor allem die sogenannten Werkverträge ins Visier der Kritiker. Solche Verträge ermöglichen es den Unternehmen bestimmte Arbeiten und deren Ausführung bei anderen Firmen einzukaufen. Oftmals werden die erworbenen Leistungen durch ein Konstrukt aus mehrfach verschachtelte Subunternehmen undurchsichtig und nicht mehr nachvollziehbar. "Da wird organisiert Verantwortung abgewälzt, sodass niemand mehr verantwortlich gemacht werden kann", sagte Arbeitsminister Heil dazu. 

Ab dem kommenden Jahr sollen solche Werkverträge in der Fleischindustrie weitestgehend verboten werden. Das Schlachten und die Verarbeitung von Fleisch soll ab 1. Januar 2021 nur noch von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern des eigenen Betriebes zulässig sein.  Arbeitszeitverstöße sollen in Zukunft doppelt so hart bestraft werden (bisher 15.000 Euro, jetzt 30.000 Euro) und durch die Einführung einer digitalen Zeiterfassung besser kontrolliert werden. Das wurde am Mittwoch (20. Mai 2020) im Bundeskabinett beschlossen.

Auch die viel kritisierten Unterkünfte werden angegangen: Die Arbeitgeber, welche ihren Mitarbeitern eine Unterbringung stellen, müssen künftig  die Behörden über Einsatz und Wohnort ihrer ausländischen Arbeitskräfte informieren. 

Fleischbranche: Hofreiter verlangt mehr Tierschutz

Im Zug der Debatte über die Fleischindustrie wurde auch das Thema "Billigfleisch" neu aufgerollt. Billigangebote bei Fleisch sorgen bei Bauern wie Tierschützern für Ärger. Auch Arbeitskosten spielen da eine Rolle. "Gekoppelt an höhere Tierschutzstandards und eine verbindliche Haltungs- und Herkunftskennzeichnung kann auch eine Tierschutzabgabe dazu beitragen, den Umbau zu artgerechter Tierhaltung zu finanzieren", sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter der dpa.

Fleisch in der Schwächephase: Aldi fordert Preissenkungen für Fleisch- und Wurstprodukte

Die Fleischindustrie wird derzeit also eher kritische beäugt. Auch von einem möglichen Mindestpreis für Fleischwaren ist immer wieder die Rede. Der Discounter "Aldi Süd" hat sich im Zuge der aktuellen Situation eine ganz eigene "Strategie" überlegt. 

Wie die Lebensmittelzeitung  berichtet, fordert "Aldi" nun eine rasche Preissenkung bei allen Wurst- und Fleischwaren. Gerade der Schweinefleischmarkt befinde aufgrund der aktuellen Debatten in einer Schwächephase. Die Nachfrage an Fleisch sei zum Stillstand gekommen, heißt es

"Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, diese dynamische Entwicklung sehr kurzfristig aufzugreifen und in ein attraktives Angebot für unsere Kunden umzusetzen", heißt es in einem Brief, welcher der Lebensmittelzeitung vorliegt. Dieses Vorgehen sei, laut "Aldi", jedoch keine Einbahnstraße: In Zukunft sollen, je nach Marktdynamik, auch wieder Preisverschiebungen nach oben möglich sein.

Aldi-Preissenkung: Hersteller sind verärgert

Die Hersteller reagieren mit großem Unverständnis auf die Preisforderungen von "Aldi Süd". Niedrige Preise seien angesichts der aktuellen Diskussion das völlig falsche Signal. Außerdem hätten sich die Herstellungskosten in der Fleischindustrie aufgrund der Corona-Maßnahmen ohnehin schon deutlich erhöht. 

Eine Preissenkung bei "Aldi Süd" könnte eine ähnliche Reaktion bei "Lidl", "Kaufland", "Rewe" und "Edeka" hervorrufen. Laut Lebensmittelzeitung soll auch bereits "Aldi Nord" eine Preissenkung bei Fleischwaren planen. Deadline sei der 29. Mai 2020.