Schon im vergangenen Jahr brachte die breit angelegten Expansion in Europa schnelles Wachstum. Im Schlussquartal 2014 gewann der Streaming-Service 2,43 Millionen neue Kunden außerhalb der USA und übertraf damit deutlich die Erwartungen der Börsianer.

Insgesamt hat Netflix nun 57,4 Millionen Kunden weltweit. Der Großteil kommt mit gut 39 Millionen nach wie vor aus den USA, wo es 1,9 Millionen Neuzugänge gab.

Die Aktie schoss nach diesen Zahlen und den ambitionierten Plänen vorbörslich um 18 Prozent hoch. Drei Monate zuvor hatte die Enttäuschung über die Entwicklung der Nutzerzahlen im dritten Quartal den Kurs zeitweise um ein Fünftel einbrechen lassen.

Auch die Geschäftszahlen fielen nun deutlich besser aus als vor einem Jahr. Der Quartalsumsatz sprang um mehr als 35 Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Der Gewinn wurde mit gut 83 Millionen Dollar fast verdoppelt - allerdings auch dank einer Steuergutschrift. Für das laufende Quartal rechnet Netflix wieder nur mit etwa 37 Millionen Dollar Gewinn.

Zugleich verursacht der Fokus auf Eigenproduktionen hohe Kosten, das Budget dafür schwoll inzwischen auf 9,5 Milliarden Dollar an - um zwei Milliarden binnen eines Jahres. Netflix will sich für die Finanzierung im laufenden Quartal rund eine Milliarde Dollar neues Geld als langfristige Schulden holen. Im laufenden Jahr soll es mit 320 Stunden drei Mal soviel eigenes Programm wie 2014 geben. Auch die Rivalen wie Amazon setzen auf eigene Inhalte.

Beim Streaming werden die Videoinhalte direkt aus dem Internet abgespielt. Die Dienste wie Netflix oder Amazon finanzieren sich über eine monatliche Abo-Gebühr.

Innerhalb der kommenden zwei Jahre werde Netflix auch in China starten, zunächst mit moderaten Investitionen, kündigte Firmenchef Reed Hastings an. Netflix gehe in «jedes Land außer Nordkorea», gab er die Marschrichtung in einem Interview mit dem Finanzdienst Bloomberg vor. Als Nächstes stehen Australien und Neuseeland auf dem Plan.

In Deutschland war Netflix im vergangenen September im Zuge einer europäischen Expansion gestartet und ist aktuell in rund 50 Ländern vertreten. Der internationale Ausbau verschlingt aktuell noch viel Geld, im vergangenen Quartal gab es außerhalb der USA einen operativer Verlust von 79 Millionen Dollar. Ab 2017 will Netflix aber die Früchte mit «erheblichen Gewinnen» ernten.