Das kündigte Martin Wheatley von der staatlichen britischen Bankenaufsicht FSA am Freitag in London an. Wheatley hatte im Auftrag des britischen Finanzministeriums eine Untersuchung des Systems angestellt und am Freitag seinen Abschlussbericht vorgelegt.

Die Überwachung der Zinsermittlung werde der British Banking Association (BBA) und damit der Selbstkontrolle der Bankenbranche entzogen, heißt es in dem Bericht Wheatleys. Künftig soll ein unabhängiges Gremium darüber wachen. Die Banken hatten nach langen Verhandlungen bereits Mitte der Woche auf ihr Privileg verzichtet. Darüber hinaus sollen Verstöße gegen die Liborregeln künftig strafrechtlich verfolgt werden können. Ferner sollen mehr Banken als bisher an dem Ermittlungsverfahren beteiligt werden, um Manipulationen zu erschweren.

«Die Öffentlichkeit hat das Vertrauen in die Banken, in die Finanzen, in das ganze System verloren», sagte Wheatley. «Wir müssen es jetzt wieder herstellen.» Überlegungen, wonach der Libor-Satz als Referenzzins völlig abgeschafft und durch ein neues System ersetzt werden könnte, wurden jedoch verworfen. Der Chef der britischen Zentralbank, Sir Mervyn King, forderte die Umsetzung der Vorschläge «so schnell wie möglich.»

Händlern der britischen Großbank Barclays waren Manipulationen am Liborsatz nachgewiesen worden. Vorstandschef Bob Diamond musste deswegen seinen Hut nehmen. Die Bank musste 290 Millionen Pfund an die Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien sowie an das Justizministerium in Washington zahlen. Auch die britische Royal Bank of Scotland verhandelt mit den Aufsichtsbehörden über einen Vergleich in der Sache. Gegenstand der Untersuchungen sind ferner mehrere weitere international tätige Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank.

Der Libor-Zinssatz gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Als Referenzzins hat er aber auch enorme Bedeutung für die Finanzmärkte. Transaktionen im Wert von 300 Billionen US-Dollar (rund 232 Billionen Euro) hängen nach Schätzungen vom Liborzins ab.

Der aktuelle Satz wird täglich am Finanzplatz London ermittelt, in dem bis zu 16 Banken ihr geschätzten Sätze an eine Zentrale geben. Der Mittelwert - bereinigt um die jeweiligen Extreme - gibt den Libor an. Den Vorschlägen zufolge sollen künftig statt Schätzungen die tatsächlichen Sätze herangezogen werden.