Es sei Mitte 2008 gewesen, als ihn ein Mitarbeiter des „AB-Verlags“ erstmals aufgesucht habe, sagt Zirkelbach im InFranken-Gespräch. Er habe für seinen Laden werben wollen, deshalb auch die Unterschrift unter den Anzeigenvertrag gesetzt. „Das Produkt wurde mir als Landkreis-Broschüre verkauft, hatte aber letztendlich mit unserem Landkreis nichts zu tun“, schimpft Zirkelbach, der unterschrieben hat, ohne das Kleingedruckte zu lesen – ein verhängnisvoller Fehler, wie sich bald herausstellen sollte. „Ich dachte, dass ich eine einmalige Anzeige für eine Broschüre in Auftrag gegeben habe. Stattdessen sollte ich dann für Werbung in vier Ausgaben den vierfachen Betrag zahlen“, klagt der Mann, der versichert, dass er vom Anzeigenvertreter darauf nicht hingewiesen wurde.

Keinerlei Werbeeffekt?

„Branchen-Journal“ und „Bürger-Info“ – das Produkt hat mit der gleichnamigen Verlagsbeilage der Bayerischen Rundschau nichts zu tun – heißen die Titel der um die 20 Seiten dünnen Heftchen, in denen seine Annonce erschienen ist und die in Ämtern und Banken ausliegen. Zirkelbach, der den geringen redaktionellen Inhalt beklagt, sieht für sein Geschäft keinerlei Werbeeffekt, zumal die Broschüren laut Anzeigenvertrag in einer Auflage von nur 2000 Exemplaren gedruckt und bundesweit verteilt werden. Für die geringe Leistung werde er aber kräftig zur Kasse gebeten. Für eine 128 auf 42 Millimeter kleine Anzeige würden fast 700 Euro gefordert. „Bei vier Auflagen sind das fast 3000 Euro. „Das ist ein Witz“, schimpft der Kasendorfer.
Undurchsichtige Vertragsabwicklungen

Doch damit nicht genug: Ärger hat Zirkelbach nicht nur mit dem AB-Verlag. Er wurde, wie er mitteilt, nach Vertragsabschluss telefonisch aufgefordert, eine Fax-Bestätigung für einen Korrekturabzug zu unterzeichnen. Er sei davon ausgegangen, dass es sich um die Anzeige des AB-Verlags handelt. Dies sei ein weiterer Irrtum gewesen: Mit seiner Unterschrift habe er nämlich einen zweiten Vertrag abgeschlossen. Nach dem „AB Verlag Büttner“, der in Eschenbach in der Oberpfalz sitzt, wurde so die „ABV exklusiv sro“, die ihren Sitz in Tschechien hat, ein neuer Vertragspartner. „Mir war nicht bewusst, dass ich mit zwei Firmen zu tun habe“, klagt Zirkelbach, der erst jetzt weiß, dass hinter den beiden Verlagen die selben Verantwortlichen stehen.
Keine Stellungnahme

Inhaberin beziehungsweise Gesellschafterin ist Anna Büttner, die die BR am Telefon erreichte. Wir wollten von ihr unter anderem wissen, warum in dem Vertrag nicht gleich der Gesamtbetrag für alle vier Anzeigen genannt wird. „Von mir erhalten Sie keine Stellungnahme“, sagte Büttner, die zu keinem Gespräch bereit war.
Dass das Geld bei solchen Anzeigengeschäften oft in keinem sinnvollen Verhältnis zum wirtschaftlichen Nutzen der Werbung stehe, erklärt Rechtsanwalt Wolf-Dieter Czap aus Hirschaid, der mit vielen Mandanten in Streitfällen auch mit den Verlagen AB und ABV vor Gericht steht. Er warnt vor vorschnellen Vertragsabschlüssen, da in den Verträgen oft überraschende Klauseln enthalten seien, die zu erheblichen Mehrkosten führen könnten und sogar schon von Juristen überlesen worden seien.

Schwierige rechtliche Lage

Der gerichtliche Nachweis, dass es sich um arglistige Täuschung handelt, sei nur schwer zu führen. „Meist steht da Aussage gegen Aussage“, erklärt Czap, der dennoch davon überzeugt ist, dass viele Verträge angreifbar sind. Wie der Rechtsanwalt betont, enthalten diese nämlich oft nicht den für solche Anzeigenverträge erforderlichen Mindestinhalt. „Das Verteilungsgebiet wird etwa überhaupt nicht konkretisiert“, sagt der Hirschaider Jurist, für den eines feststeht: „Viele Verträge dieser Art sind damit rechtlich unwirksam.“