"Berlin - Tag und Nacht: Politik, Party und Sightseeing" - so lautete der Titel der Exkursion nach Berlin, die JU-Angehörige aus Rheingau-Taunus und Limburg unternommen haben. Was dann beim Abendprogramm, das im Programm mit dem Satz "Ein bisschen Spaß muss sein" erwähnt war, passierte, sorgt sowohl in der Politik als auch im Netz für Ärger, wie der "Tagesspiegel" berichtet.

Kneipenbesuch nach Treffen mit JU-Bundesvorsitzenden

Zunächst hatte die Gruppe der Jungen Union aus Hessen im offizielleren Teil der Exkursion ein Treffen mit dem JU-Bundesvorsitzenden Paul Ziemiak gehabt. Danach zog ein Teil der jungen CDU´ler in Berlin-Moabit noch weiter. Ziel war die Bar "Zur Quelle". Dort angekommen fiel die Gruppe an einem im Vorfeld reservierten Tisch bald negativ auf. Grölend gaben die Angehörigen der Jungen Union Lieder und Parolen in der Kneipe wieder.

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Gruppe um jüdische Künstlerin bekommt JU-Auftritt hautnah mit

Auch die jüdische Künstlerin Mia Linda Alvizuri Sommerfeld war an besagtem Freitagabend in einer Gruppe in der Bar anwesend. So ausgelassen wie am Tisch der CDU-Jugend ging es bei ihrer Gruppe allerdings nicht zu - vor dem Kneipenbesuch hatte die Künstlerin am Westhafen zum Gedenktag der Reichspogromnacht am 9. November 1938 am Westhafen Blumen in Erinnerung an die Deportierten niedergelegt. Ein Tag, der ein Trauertag für sie und ihre Familie sei, wie sie dem "Tagesspiegel" sagte. Die laute Gesellschaft an einem der Nebentische dagegen hätte immer wieder "C-D-U"-Sprechchöre angestimmt.

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Eklat durch ehemaliges Wehrmachtslied

Im Verlauf der Vorkommnisse richteten sich die Sprüche der JU-Gruppe laut Alvizuri Sommerfeld dann auch immer wieder gegen "Schwuchteln". Dann begann die Künstlerin mit ihrem Handy zu filmen. Von der Tatsache gefilmt zu werden wenig gestört, soll die Gruppe als Reaktion darauf ein ehemaliges Wehrmachtslied angestimmt haben, das mit der Zeile beginnt: "Heute wollen wir marschier´n." Mehrmals und lautstark soll die Gruppe das "Westerwaldlied" zum Besten gegeben haben. Das im Jahre 1932 von Mitgliedern des späteren Reichsarbeitsdienstes gedichtete und später bei den Einmärschen nach Frankreich, den Niederlanden und Luxemburg von der Wehrmacht gesungene Lied war mehrere Jahre im Liederbuch der Bundeswehr zu finden. Wohl bemerkt mit dem Hinweis: "Dieses Lied ist das wohl bekannteste Lied der ehemaligen deutschen Wehrmacht [...] Es sollte daher immer besonders sorgsam abgewogen werden, ob und wo dieses Lied durch Angehörige der Bundeswehr gesungen wird." Seit 2017 ist das Bundeswehr-Liederbuch auch wegen des Westerwaldliedes nicht mehr in Gebrauch.

Videoaufnahmen sorgen für Empörung Zurückhaltung bei der JU

Die Szenen aus Alvizuri Sommerfelds Handy-Video wurden später auf Twitter veröffentlicht, von wo sich das Video schnell verbreitete und so die Junge Union in Erklärungsnot brachte. Von den an der Exkursion beteiligten JU-Verbänden Rheingau-Taunus und Limburg wollte sich kein Verantwortlicher zu den Vorkommnissen äußern. Lediglich der Vorsitzende der JU Limburg Nils Josef Hofmann, der im Video klar erkennbar ist, bestätigte seine Teilnahme an den Geschehnissen. Der 22-Jährige, der zuvor in der AfD aktiv war, wollte weitere Nachfragen nicht kommentieren. Auch seitens der JU Hesse wurde zurückhaltend reagiert. Nach Anfrage durch den "Tagesspiegel" erklärte Sprecher Leopold Born, dass die Fahrt allein von den Verbänden Rheingau-Taunus und Limburg organisiert worden sei und erklärte, dass es "großen Klärungsbedarf" gebe, der Eklat "selbstverständlich aufgearbeitet" werden solle. Der Vorsitzende der JU Berlin Christoph Brzezinski war über den Vorfall zwar bereits im Bilde, äußerte sich mit Verweis nach Hessen dahingehend, dass der Verband Berlin "mit diesen Leuten" nichts zu tun habe. Inwiefern der Vorfall auch Konsequenzen in Berlin nach sich ziehen könnte, blieb zunächst unklar.