Düsseldorf
Prozess

Wegen Größe abgelehnte Bewerberin darf doch zur Polizei - kuriose Begründung vor Gericht

Weil sie zu klein ist, durfte eine 22-Jährige nicht Polizistin werden. Nun darf sie doch. Das entschied ein Gericht mit Blick auf die männlichen Kollegen.
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Johanna Fee Dillmann kann sich als Polizistin bewerben, obwohl die 22-Jährige mit einer Körpergröße von 161,5 Zentimetern eigentlich anderthalb Zentimeter zu klein ist. Foto: Ulrike Hofsähs, dpa
Johanna Fee Dillmann kann sich als Polizistin bewerben, obwohl die 22-Jährige mit einer Körpergröße von 161,5 Zentimetern eigentlich anderthalb Zentimeter zu klein ist. Foto: Ulrike Hofsähs, dpa
" ... und ich bin 1,5 Zentimeter zu klein." Fast trotzig klingt Johanna Fee Dillmann auf dem dunklen Flur des ehrwürdigen Verwaltungsgerichts in Düsseldorf. Die junge Frau aus Krefeld möchte so gerne Polizistin werden. Aber es fehlen 15 Millimeter bis zur Mindestgröße - die Bewerberin wurde vom Auswahlverfahren für den Polizeidienst ausgeschlossen. Das will die 22-Jährige nicht hinnehmen. Sie hat - wie vier weitere abgelehnte Bewerberinnen - mit Erfolg gegen das Land Nordrhein-Westfalen geklagt.

Der Erlass des Landes Nordrhein-Westfalen über die Mindestgrößen für Polizeibewerber sei unwirksam, entschied die 2. Kammer des Verwaltungsgerichts mit einer ungewöhnlichen Begründung: Durch die unterschiedlichen Größenvorgaben im Bewerbungsverfahren seien die Männer benachteiligt.

Denn im Erlass stehen zwar als Mindestgröße für männliche Bewerber 1,68 Meter und für Frauen 1,63 Meter. Die zusätzlich fünf Zentimeter müssten Männer aber nur aufbieten, damit im Zuge der Gleichberechtigung die Zahl der männlichen Bewerber zugunsten der weiblichen verringert wird, sagten die Richter. Im Grundsatz sehe das Land nämlich 163 Zentimeter Körperlänge als ausreichend für Männer und Frauen im Polizeidienst an. Für eine Ausnahme vom Prinzip der Bestenauslese brauche es aber ein Gesetz statt eines Erlasses, betonte das Gericht.


In Bayern ist das Soll 1,65 Meter

"Sie schließen die besseren Männer aus", sagte der Vorsitzende Richter Andreas Müller zu den Vertretern des Landes und wies auf den Ausschluss geeigneter Bewerber etwa von 1,67 Meter Größe hin. Die Praxis lasse gegebenenfalls fachlich weniger geeignete Frauen zum Polizeidienst zu. "Frauenförderung steht nicht über allem."

Bei der Polizei werden je nach Bundesland unterschiedliche Anforderungen an die Körpergröße gestellt: In Bayern liegt die Latte bei 1,65 Meter. Johanna Fee Dillmann fühlt sich durch das Urteil bestätigt: Ich möchte in eine Dienststelle mit einer Hundertschaft." Das steht für die 161,5 Zentimeter große Frau fest. Das Land prüft das Urteil. Wie hoch die Mindestgröße ausfallen wird, ist offen.