Es ist ein gewaltiger Sprung. 2014 stellten deutschlandweit 203.000 Menschen einen Asylantrag. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) prognostiziert für 2015 einen Rekordwert von 800.000 Asylbewerbern. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

1. Wer entscheidet über einen Asylantrag?
Das ist Aufgabe des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge. In Deutschland gibt es 560 Sachbearbeiter, die sich um 240 000 unerledigte Asylanträge kümmern müssen. Um rascher entscheiden zu können, soll das Bundesamt bis zu 2000 neue Stellen bekommen.

2. Wie viele Asylbewerber erhalten einen positiven Bescheid?
In den ersten sechs Monaten dieses Jahres gab es dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zufolge in Deutschland rund 179 000 Asylbewerber. In diesem Zeitraum wurde über 114 000 Asylanträge entschieden. Doch nur etwas mehr als 41 000 Menschen wurden als Flüchtling anerkannt. Das entspricht einer Quote von etwa 36 Prozent. Knapp zwei Drittel aller Asylanträge wurden abgelehnt oder zurückgezogen. Rund 1600 Ausländer wurden geduldet. Das bedeutet, dass die Abschiebung aus gesundheitlichen oder rechtlichen Gründen vorübergehend ausgesetzt wird, die Ausreisepflicht jedoch bestehen bleibt. Personen, die sich weigern, abgeschoben zu werden, kommen in Abschiebehaft.

3. Was passiert, wenn ein Antrag auf Asyl abgelehnt wird?
Lehnt das Bundesamt einen Asylantrag ab, klagen die meisten vor dem Verwaltungsgericht. Aufgrund der Vielzahl der Anträge vergehen von dem Einspruch bis zur Verhandlung laut bayerischem Innenministerium mehr als fünf Monate.

4. Wann werden Nicht-Asylberechtigte abgeschoben?
Wenn der Asylantrag endgültig abgelehnt wurde, wird der Flüchtling aufgefordert, Deutschland innerhalb eines bestimmten Zeitraums freiwillig zu verlassen. Meistens hat er dazu 30 Tage Zeit. In bestimmten Fällen beträgt die Ausreisefrist nur eine Woche. Kommt er dieser Aufforderung nicht nach, wird er abgeschoben.

5. Wie viele Menschen werden jährlich abgeschoben?
Die Zahl der Abschiebungen steigt in Deutschland seit 2012 kontinuierlich. Von ungefähr 7600 im Jahr 2012 auf rund 10 900 im vergangenen Jahr. Die Mehrzahl der abgelehnten Asylbewerber verlässt das Land freiwillig - vergangenes Jahr waren es bundesweit rund 22 000.

6. Wie ist die Situation in Bayern?
2014 wurden mehr als 25 000 Asylbewerber dem Freistaat zugeteilt. Das Bundesamt entschied im selben Zeitraum über 15 000 Anträge: 200 Personen wurden als Asylberechtigte anerkannt und 4200 erhielten Flüchtlingsschutz. Etwas mehr als 1000 erhielten ein Abschiebungsverbot beziehungsweise Schutz, weil ihnen im Herkunftsland ernsthafter Schaden drohen würde. Im vergangenen Jahr sind nach Angaben des bayerischen Innenministeriums rund 4400 abgelehnte Asylbewerber freiwillig ausgereist. Davon erhielt ein knappes Drittel einen finanziellen Zuschuss - das heißt, die Reisekosten wurden erstattet. Rund 1000 Personen wurden aus dem Freistaat zwangsweise abgeschoben.

7. Gibt es Kontrollen, ob ein Flüchtling tatsächlich ausreist?
Das wird kaum kontrolliert. Sobald ein Asylantrag abgelehnt wird, bekommt der Bewerber nach Angaben des bayerischen Innenministeriums keine finanziellen Leistungen mehr und hat somit kaum mehr einen Anreiz, in Deutschland zu bleiben.

8. Wer hat hohe Asylchancen?
Asylanträge aus Syrien, Irak und Eritrea werden zu annähernd 100 Prozent positiv angenommen. Ganz anders sieht es in Südosteuropa aus: Fast kein Antragsteller aus Kosovo, Albanien, Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina erhält einen Aufenthaltsstatus. Michael Lindner