Linz
Streit

Warum ein britischer 52-Tonnen-Panzer auf Wanderweg bei Koblenz für Streit sorgt

Zwischen vollbusiger Hexe und Queen-Figur begegnen Wanderer bei Koblenz einem 52 Tonnen schweren Panzer. Nun sorgt der britisch-skurrile Humor für Streit.
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Der Brite Gary Blackburn steht am 14.11.2017 vor seinem Centurion-Kampfpanzer in seinem Vorgarten im Linzer Ortsteil Kretzhaus (Rheinland-Pfalz) und hält eine Friedenstaube aus Ton in der Hand. Um den Panzer tobt ein Nachbarschaftsstreit, mit dem sich auch der rheinland-pfälzische Landtag befasst hat.    Foto: Thomas Frey/dpa
Der Brite Gary Blackburn steht am 14.11.2017 vor seinem Centurion-Kampfpanzer in seinem Vorgarten im Linzer Ortsteil Kretzhaus (Rheinland-Pfalz) und hält eine Friedenstaube aus Ton in der Hand. Um den Panzer tobt ein Nachbarschaftsstreit, mit dem sich auch der rheinland-pfälzische Landtag befasst hat. Foto: Thomas Frey/dpa
Viele Wanderer im Kasbachtal in der Nähe von Koblenz sind verblüfft. Aus heiterem Himmel kommen sie an roten Telefonzellen, einer lebensgroßen Queen-Figur, einer vollbusigen Hexe mit Wildschweinen an der Leine und einem britischen 52-Tonnen-Panzer vorbei. Das spleenige Privatgelände "Little Britain" in Linz am Rhein, hat schon Landtag und Innenministerium von Rheinland-Pfalz beschäftigt. Nachbarn sind erbost.


Panzer für 30 000 Euro

Doch der Reihe nach: Der nach Deutschland eingewanderte Brite Gary Blackburn, Chef eines Baumpflegedienstes in der Umgebung, ist 2016 "not amused" bei der Brexit-Entscheidung in seiner Heimat. Als Antwort darauf beginnt er, sein kleines kostenloses Freilichtmuseum auf seinem Betriebsgelände an einem Wanderweg zum Rheinsteig aufzubauen. Die Hütte des legendären Räubers Robin Hood, Palast-Wachsoldaten, ein roter Briefkasten, Ritterrüstungen und alte englische Autos zeugen vom britisch-skurrilen Humor des 53-jährigen Baumchirurgen aus dem Hinterland.

Ende 2016 erblickt Blackburn bei einem ebenfalls außergewöhnlichen Fahrzeughändler im Westerwald das heutige Lieblingsstück seiner Sammlung: einen Centurion-Panzer der 1950er Jahre. "So einen habe ich als Dreijähriger von meinem Vater als Spielzeug bekommen und geliebt. Ich habe deshalb den echten Panzer für 30 000 Euro gekauft", erzählt der Engländer. Der vom Fernsehsender DMAX übertragene Tieflader-Transport des Stahlungetüms aus Schweizer Armeebeständen habe ihn nochmals 5000 Euro gekostet.


Wanderer aus aller Welt bestaunen "Little Britain"

Manche Oldtimerclubs und Tausende Wanderer aus aller Welt hätten sein nicht eingezäuntes "Little Britain" bereits bestaunt. "Ein skurriler, aber interessanter Ort zu Beginn einer schönen Wanderstrecke", heißt es beispielsweise in Blackburns Gästebuch für Besucher. Oder: "Ein Picknick mit der Queen hatten wir bisher noch nie - vielen Dank!" Ein Wanderer, der anonym bleiben will, sagt: "Wenn ich kleine Kinder hätte, würde ich sie hier neben die Queen setzen und fotografieren."

Den Panzer hat Blackburn mittlerweile mit einem Schild zum "Mahnmal für Frieden und Freiheit" deklariert, geschmückt mit weißen Friedenstauben und roten Mohnblumen aus Plastik. "In dieser Gegend hat es ja viele Kriegshandlungen gegeben, zum Beispiel bei der Brücke von Remagen", sagt der sechsfache Vater. "An Wochenenden mache ich manchmal Lagerfeuer und dann reden wir mit den Leuten darüber."


Mahnmal oder Schandmal?

Für seine unmittelbaren Nachbarn Andrea und Matthias Oppermann, Therapeuten mit Kursen wie "Spuren lesen" und "Was die Seele bewegt", ist der Panzer ein rotes Tuch. "In der heutigen Zeit empfinde ich ihn als Schandmal. Jeder Tag, den er dort länger steht, ist einer zuviel", betont die "systemische Kinesiologin" Andrea Oppermann. Ihr Ehemann Matthias spricht von "einer Verhöhnung der Menschen, die durch Kriegserlebnisse belastet und traumatisiert sind".


Panzer weder fahr- noch einsatzfähig

Irritiert ist auch die örtliche Landtagsabgeordnete Ellen Demuth (CDU). "Panzer werden in so vielen Kriegen eingesetzt, das ist eine Verhöhnung aller Opfer", hat sie schon vor Monaten kritisiert - und eine Anfrage an die Mainzer Landesregierung gerichtet. Antwort des Innenministeriums: "Der Panzer steht auf einem Privatgrundstück und ist weder fahr- noch einsatzfähig." Das "demilitarisierte Ausstellungsstück" falle somit nicht mehr unter das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Mit den örtlichen Behörden geht der Panzerstreit indes weiter. Ein Antrag auf Anerkennung als Werbeanlage ist laut Blackburn gescheitert. Eine Genehmigung als unbewegliches Bauwerk oder Denkmal sei schwierig zu bekommen. Der zuständige Kreis Neuwied hat nach eigenen Angaben Blackburn eine Frist bis Ende November gesetzt, sich zum Thema Bauwerk zu äußern. Der Brite setzt auf eine neue Lösung: Der Verkäufer seines Panzers könne ihn wieder zum Fahren bringen, weil vielleicht nur die Kupplung streike. Jedes Jahr ein paar Meter Bewegung - schon wäre der Panzer offiziell kein Bauwerk mehr. Apropos Fahrzeug: "Mein Traum wäre noch ein englischer Doppeldeckerbus", sagt Blackburn. "Darin könnten dann die Wanderer picknicken."


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