Wegen versuchten Mordes in mehreren Fällen muss eine Hebamme für 15 Jahre in Haft. Das Landgericht München I verhängte am Freitag außerdem ein lebenslanges Berufsverbot als Hebamme und in anderen Pflegeberufen.

Die 35-Jährige hat nach Überzeugung des Gerichtes mehreren Patientinnen bei Kaiserschnitt-Geburten in Bad Soden bei Frankfurt und im Münchner Klinikum Großhadern heimlich Heparin (Blutverdünner) gegeben. Sie wären ohne Notoperationen gestorben.

Die Angeklagte hatte die Vorwürfe bestritten. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert, die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.


Hintergrund: Heparin

Der Wirkstoff Heparin sorgt dafür, dass das Blut langsamer gerinnt.
Ärzte setzen ihn zum Beispiel ein, um Thrombosen zu verhindern: Weil das Blut dünner wird, kann es in den Blutgefäßen nicht so leicht verklumpen. Erforderlich ist das zum Beispiel bei Patienten, die durch einen Knochenbruch ihr Bein längere Zeit nicht bewegen können oder bei alten bettlägerigen Menschen. Auch bei vielen Herz-Krankheiten wird Heparin genutzt, damit das Blut leichter durch den Körper fließt.

Da Heparin die Gerinnung des Blutes verlangsamt, hören aber auch Wunden nicht so schnell auf zu bluten. Bei einer Überdosis Heparin kann die Blutgerinnung sogar völlig aussetzen. Blutungen an einer großen Wunde, wie sie etwa bei Operationen entstehen, sind dann kaum noch zu stoppen.