Koblenz am Rhein
Gerichtsurteil

Nicht an der Leine? Spaziergänger dürfen sich gegen freilaufende Hunde wehren

Das Oberlandesgericht Koblenz hat ein Urteil gefällt, das für viel Gesprächsstoff sorgt: Spaziergänger dürfen sich gegen einen unangeleinten Hund wehren, wenn sich das Tier ihnen nähert. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Hund aggressiv verhält oder nicht.
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Aufgrund des unberechenbaren Verhaltens von Tieren sei Spaziergängern nicht zumutbar, das Verhalten des Hundes auf mögliche Gefahren zu analysieren, so das Gericht. Symbolfoto: furry_portrait/pixabay.com
Aufgrund des unberechenbaren Verhaltens von Tieren sei Spaziergängern nicht zumutbar, das Verhalten des Hundes auf mögliche Gefahren zu analysieren, so das Gericht. Symbolfoto: furry_portrait/pixabay.com

Wenn ein freilaufender Hund auf einen Spaziergänger zuläuft, darf er das Tier abwehren. Das hat das Oberlandesgerichts Koblenz entschieden. Es sei dem Spaziergänger aufgrund des unberechenbaren Verhaltens von Tieren nicht zumutbar, zunächst das Verhalten des Hundes auf mögliche Gefahren zu analysieren, teilte das Gericht mit. Denn dadurch laufe er Gefahr, das Verhalten falsch zu interpretieren.

Jogger will sich vor Hund schützen und rutscht aus

Wenn der Spaziergänger den Hund abwehre und sich dabei verletzte, hafte der Halter, stellten die Richter klar. Das Oberlandesgericht bestätigte damit eine Entscheidung des Landgerichts Mainz.

Im konkreten Fall war ein Jogger mit seiner angeleinten Hündin im Wald unterwegs. Zur gleichen Zeit gingen der Beklagte und seine Ehefrau mit ihrem unangeleinten Hund spazieren. "Der Hund des Beklagten verschwand schließlich aus dessen Sichtweite und rannte zum Kläger", hieß es. Der Jogger rief den für ihn nicht sichtbaren Hundehalter auf, sein Tier zurückzurufen. Auf die entsprechenden Rufe reagierte der Hund allerdings nicht. Als der Jogger versuchte, den Hund mit einem Ast von sich fernzuhalten, rutschte er aus und zog sich eine Ruptur der Quadrizepssehne zu, welche operativ versorgt wurde.

Herrchen: Hund sei nicht aggressiv gewesen

Der beklagte Hundehalter wollte nicht für den Schaden haften, da seine Hund lediglich die Hündin des Joggers umtänzelt habe, um mit ihr zu spielen. Der Kläger hätte sich nicht wehren brauchen, da sein Hund erkennbar nicht aggressiv gewesen sei, argumentierte der Halter. Deswegen trage der Jogger eine Mitschuld.

Dem widersprach zunächst das Landgericht Mainz und nach der Berufung nun auch das Oberlandesgericht. Nach der Gefahrenabwehrverordnung hätte der Hund außerhalb bebauter Ortsanlagen sofort und ohne Aufforderung angeleint werden müssen, wenn sich andere Personen nähern, teilte das Gericht mit. Indem er seinen Hund außerhalb seiner Sichtweite haben laufen lassen und ihn somit nicht habe anleinen können, hafte der Beklagte für die entstandenen Schäden. Gelange ein fremder Hund unangeleint und ohne Kontrolle durch den Halter in die Nähe eines Spaziergängers, dürfe dies sich wehren, erklärte das Gericht.