Detmold
Urteil

"Kindermagneten" von Lüdge begingen 250 Vergewaltigungen

Nach dem Missbrauchsskandal auf einem Campingplatz in Lüdge hat das Gericht in Detmold ein Urteil gefällt. Die "Kindermagneten", wie die beiden Männer vor Gericht bezeichnet wurden, begingen 250 Vergewaltigungen - oral, anal und vaginal.
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Die beiden Angeklagten im Lüdge-Missbrauchsprozess wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Foto: Bernd Thissen/dpa Pool/dpa
Die beiden Angeklagten im Lüdge-Missbrauchsprozess wurden zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Foto: Bernd Thissen/dpa Pool/dpa

Das Urteil im Missbrauchsskandal Lügde ist gefallen: Die beiden Hauptangeklagten im Fall des vielfachen Kindesmissbrauchs in Lüdge hat das Landgericht Detmold zu Freiheitsstrafen mit anschließender Sicherheitsverwahrung verurteilt.

Haupttäter muss 13 Jahre hinter Gitter, Mittäter fast genauso lang

13 Jahre muss der 56-jährige Haupttäter Andreas V. hinter Gitter, teilte das Gericht bei der Urteilsverkündung mit, wie die epd mitteilte (AZ: 23 KLs 14/19). Sein 34-jähriger Mittäter Mario S. erhielt eine Freiheitsstraße von zwölf Jahren.

Das Gericht hatte keine Zweifel an der Schuld der beiden Männer. Der 56-jährige Hauptangeklagte, der auf einem Campingplatz im lippischen Lüdge nahe der Grenze zu Niedersachsen lebte , und der 34-jährige Mitangeklagte machten sich in 271 Fällen des schweren Kindesmissbrauchs schuldig.

32 Kinder im Alter zwischen vier und 13 Jahren sollen die Beiden über Jahre hinweg sexuell missbraucht haben. Andreas S. werden 290 Missbrauchstaten zur Last gelegt. Mario S. 160. 250 Vergewaltigungen befanden sich darunter: "Anal-, Oral, und Vaginalverkehr, um es hier mal beim Namen zu nennen", führte die Vorsitzened Richterin Anke Grudda in ihrer Begründung laut eienr Meldung der dpa aus.

"Kindermagneten" von Lüdge: Pflegetochter als Lockvogel benutzt

Als "Kindermagneten" wurden die Angeklagten während des Prozesses bezeichnet. Unter den Opfern war auch das Pflegekind des Hauptverdächtigen.Sie haben die Taten überwiegend gestanden. Mit Geschenken und Unternehmungen um und im "Kinderparadies" Campingplatz hätten sie sich das Vertrauen der Kinder erschlichen und sich mit Erpressung, Gewaltandrohungen und emotionalem Druck das Schweigen ihrer Opfer gesichert. Zu den Opfern des Dauercampers zählte auch ein Mädchen, das als Pflegetochter bei ihm einzog und als Lockvogel diente, um an weitere Opfer zu kommen.

Worte wie "abscheulich, monströs, widerwärtig" reichten nicht aus, das Geschehen zu beschreiben, fasste Grudda zusammen. "Sie haben 32 Kinder und Jugendliche zu Objekten ihrer sexuellen Begierden degradiert und 32 Kindheiten zerstört", sagte Grudda. Immer wieder wandte sich die Richterin direkt an die beiden Angeklagten: "Es ging Ihnen nie um die Kinder, es ging Ihnen immer um sich selbst." Die Kammer habe aufrichtige Reue bei beiden nicht erkennen können.

Durch ihr Geständnis konnten die Männer den Kindern eine detaillierte Befragung durch das Gericht ersparen. Das wirkte sich strafmildern im Bezug auf die Höchststrafe von 15 Jahren aus. Revision werde der 34-Jährige Mario S. nicht einlegen. Und auch der Anwalt von Andreas V. ließ verlauten,d ass er seinen Mandanten nicht zu einer Revision überreden.

Vertreter von Nebenklägern bezeichneten das Urteil als "angemessen". Laut Nebenklage-Anwältin Zeliha Evlice hatte sich ihre 19-jährige Mandantin zuvor gewünscht: "Er soll einfach weg. Er soll keine Gefahr mehr darstellen. Mit dem Urteil 13 und 12 Jahre plus Sicherungsverwahrung hat sie genau das hören dürfen."

In einem abgetrennten Verfahren wurde ein 49-jähriger Mitangeklagter aus dem niedersächsischen Stade bereits am 17. Juli wegen Anstiftung zum schweren Missbrauch und Beihilfe zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt (AZ: 23 KLs 20/19). Der Mann soll über Webcam-Übertragungen am Kindesmissbrauch teilgenommen haben.

In einem anderen Fall wurde ein ehemaliger Priester zu achteinhalb Jahren Psychiatrie verurteilt.