Katastrophenalarm nach Unwettern in einer Kleinstadt im Hunsrück, unterspülte Bahngleise auf der Strecke Wiesbaden-Koblenz, dicke Hagelkörner in Hessen: Die ersten Unwetter nach der Hitzewelle haben Unheil im Südwesten Deutschlands angerichtet. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für Freitag die größte Unwettergefahr in einem breiten Streifen von Rheinland-Pfalz bis Mecklenburg-Vorpommern vorhergesagt.

Im Osten und Süden sollten die Unwetter erst am Samstag ankommen. Immer sei mit Hagel, Starkregen und Sturmböen zu rechnen, warnten die DWD-Meteorologen.


Starke Überflutungen in Rheinland-Pfalz

Bei einem Unwetter in der rheinland-pfälzischen Kleinstadt Stromberg sind am Freitag etwa 60 Häuser überflutet worden. Die meisten Bewohner wurden in Booten gerettet, wie Philipp Köhler vom Krisenstab des Kreises Bad Kreuznach berichtete. "Aber es gibt immer noch Leute, die nicht aus dem Haus können." Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) traf am späten Nachmittag in Stromberg im Hunsrück ein und machte sich in Gummistiefeln ein Bild von der Lage.

"Das Wasser ist ganz schnell gekommen", sagte Köhler. Zeitweise habe es zwei Meter hoch in den Straßen gestanden. Inzwischen laufe das Wasser langsam ab. "Aber der Schlamm bleibt." Die Stromberger reagierten betroffen über die Wucht des Unwetters. "Damit muss man erstmal umgehen, wenn plötzlich das Haus unter Wasser steht."

Der Krisenstab koordinierte rund 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Katastrophenschutz, Technischem Hilfswerk und Sanitätsdiensten. Mit Blick auf die Versorgung in der Nacht wurde ein Betreuungszentrum eingerichtet.
Stromberg hat etwas mehr als 3000 Einwohner und liegt in 220 Metern Höhe am Rand des Soonwalds, einem der Bergzüge im Hunsrück.

Auf der Bahnstrecke Wiesbaden-Koblenz kam es wegen Unwetterschäden im Mittelrheintal zu Beeinträchtigungen. Beiderseits des Rheins seien die Gleise am Freitag unterspült worden, sagte eine Bahnsprecherin in Berlin. Linksrheinisch sei der Abschnitt zwischen Niederheimbach und Bingen betroffen gewesen. Dieser konnte am Nachmittag laut Bahn wieder mit verminderter Geschwindigkeit befahren werden. Rechtsrheinisch war die Strecke zwischen Lorch und Kaub betroffen. Zunächst war unklar, wann die Züge dort wieder rollen konnten.
Vor allem über dem Norden von Rheinland-Pfalz gingen am Freitagnachmittag Gewitter mit örtlich viel Regen nieder. "Der Schwerpunkt war von der Eifel rüber bis zum Westerwald", sagte ein DWD-Sprecher. Über den Umfang der Schäden lagen zunächst keine genauen Informationen vor.


Große Hitze noch am Freitag

Am Freitag war es noch einmal sehr heiß geworden. In Sachsen-Anhalt stiegen die Temeperaturen örtlich auf fast 34 Grad. Die Sachsen konnten mit bis zu 37 Grad rechnen. "Aber die schwüle Luft wird die gefühlten Temperaturen in Richtung 40 Grad bringen", sagte ein DWD-Sprecher.

Das Hoch "Wolfgang" hatte Deutschland schon am Donnerstag den bislang heißesten Tag des Jahres beschert. Die höchsten Temperaturen verzeichnete dem DWD zufolge Obersulm bei Heilbronn in Baden-Württemberg mit 35,7 Grad. Mit 40,3 Grad hatten die Meteorologen am 5. Juli und 7. August 2015 im fränkischen Kitzingen die höchste Lufttemperatur in Deutschland seit dem Beginn der flächendeckenden Wetteraufzeichnungen 1881 registriert.

Bis zum Sonntag sollten Gewitter Deutschland überqueren und die Temperaturen auf normales Sommerniveau senken. Kühle Luft vom Atlantik schiebt die Heißluft aus dem Süden weg. Wenn die Gewitter durch sind, werde es rund 10 Grad kühler sein, sagte DWD-Meteorologin Johanna Anger: "Am Sonntag kommt es in weiten Teilen Deutschlands zu einer Wetterberuhigung. Dann ist die heiße Luft endgültig verdrängt. Mit der einfließenden kühleren Luft liegen die Höchstwerte nur noch zwischen 20 und örtlich 26 Grad."

Wer am Abend draußen Fußball schauen will, sollte eine Jacke einpacken, riet ein Meteorologe. Am Montag, dem Siebenschläfertag, ist es meist wechselnd bewölkt mit etwas Regen. Die Temperaturen liegen zwischen 19 Grad an der Nordsee und 25 Grad im Südwesten und in Brandenburg.