Fast zwei Stunden lang widmet sich die ARD am Mittwoch dem großen Schauspieler Heinrich George: In dem Film mit dem passenden Titel "George" spielt Götz George seinen Vater - und kehrt zudem in dokumentarischen Zwischenspielen an Original-Schauplätze des Lebens von Heinrich George zurück. Wer aber war dieser Heinrich George überhaupt? Und welche Fragen rund um den Schauspieler stellen sich, sodass es sich lohnt, einen Film dieser Länge zu drehen? Die Nachrichtenagentur spot on news hat Antworten gesammelt.

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Wer war Heinrich George?

Einer der bekanntesten deutschen Schauspieler in den 1920er bis 1940er-Jahren. Er feierte zahlreiche Theatererfolge und wurde in der Weimarer Republik zu einem enorm renommierten Bühnendarsteller - spielte aber auch Rollen in prägenden Filmen wie Fritz Langs "Metropolis" und die Hauptrolle in "Berlin Alexanderplatz". Auch im Dritten Reich blieb George populär - dafür stand er in NS-Propaganda-Filmen wie "Hitlerjunge Quex" und "Jud Süß" vor der Kamera.

Wie verhielt sich George ansonsten während der Nazi-Zeit?

Heinrich George spielte in diesen Jahren eine zwiespältige Rolle. Anders als zahlreiche Künstlerkollegen verließ er nicht das Land, stattdessen gab er sich für Propaganda-Auftritte her. Joseph Goebbels ernannte ihn zum "Staatsschauspieler". Andererseits engagierte George als Intendant des Berliner Schillertheaters Schauspieler, die ansonsten aufgrund ihrer Herkunft oder politischen Gesinnung der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt gewesen wären. In den 1920ern hatte er der kommunistischen KPD nahegestanden. Wie es George tatsächlich mit dem NS-Regime hielt, darüber kann nur spekuliert werden. Dieser Frage widmet sich im Wesentlichen auch der Film, der am heutigen Mittwoch von der ARD ausgestrahlt wird.

Wie ging es mit George nach 1945 weiter?

George wurde der faschistischen Gesinnung beschuldigt und von der sowjetischen Militäradministration festgenommen. Er starb ausgemergelt 1946 in dem Gefangenenlager Sachsenhausen, einem ehemaligen KZ der Nazis. Erst 1994 wurden seine sterblichen Überreste aus einem Waldstück bei Sachsenhausen geborgen und in ein Ehrengrab in Berlin überführt. Im Jahr 1998 wurde er von Russland offiziell rehabilitiert.

Welches Verhältnis hatten Heinrich George und sein Sohn Götz?

Klar ist, dass Götz George seinen Vater Heinrich als Schauspieler verehrt - auch wenn er ihn zu Lebzeiten kaum kennengelernt hat. Das hat er in Interviews deutlich zum Ausdruck gebracht. Auch Heinrich hatte offenbar eine besondere Beziehung zu seinem Sohn: Auf dem Sterbebett soll eines seiner letzten Worte "Götz" gewesen sein. Auch die Namenswahl für seinen jüngsten Sohn ist bemerkenswert: Heinrich George hatte eine besondere Beziehung zu Goethes Figur des Götz von Berlichingen, die er viele Male am Theater verkörperte.