Berlin
Kinostart

Warum "Fifty Shades of Grey 3" sich selbst für Fans nicht lohnt

Die Sadomaso-Erotikschnulze geht in die nächste Runde. Doch der dritte Teil ist selbst für Fans der Romanreihe nur noch mäßig unterhaltsam.
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Anastasia (Dakota Johnson) und Christian Grey (Jamie Dornan) turteln ein letztes Mal auf der Leinwand.  Universal Pictures
Anastasia (Dakota Johnson) und Christian Grey (Jamie Dornan) turteln ein letztes Mal auf der Leinwand. Universal Pictures
Seine frisch Angetraute trägt er, wie sich das für einen Milliardär gehört, nicht über die Türschwelle, sondern die Gangway hinauf zum Privatjet. Dort, wo andere romantische Unterhaltungswerke aus guten Gründen aufhören, beginnt Teil 3 von "Fifty Shades of Grey": mit der Traumhochzeit der beiden amourösen Probanden.

Die schwierige Kennenlernphase der verhuschten Studentin Anastasia Steele (Dakota Johnson) und des adretten Unternehmers Christian Grey (Jamie Dornan) hatte E. L. James Ro-manfolge sagenhafte Verkaufszahlen beschert - und den ersten beiden Filmteilen ein weltweites Einspielergebnis von 952 Millionen Dollar.

Mit einer ausgewogenen Mischung aus gediegener Pornografie, Jane-Austen-Romantik und einer Prise de Sade sorgte die Sadomaso-Erotikschnulze für das notwendige popkulturelle Prickeln. Nun geht es in die Endrunde und nach der Trauung in die Mühen des ehelichen Alltags. Vor dem Altar gelobt der Bräutigam die Braut zu ehren und zu beschützen, während sie ihm bedingungslose Liebe schwört. Mit dialogischem Geschick werden hier schon baldige Schieflagen im jungen Eheleben vorweggenommen. Denn auch mit Trauschein geriert sich Christian als übereifersüchtiger Gemahl, dessen Verlustängste die zur selbstbewussten Frau gereiften Ana immer wieder einengen.


Unmotiviert und hilflos

Die Grenzen zwischen Beschützerinstinkt und Überwachungswahn sind fließend. Solche Probleme wollen tapfer ausdiskutiert oder später im "Spielzimmer" mit Handschellen und Fußfesseln erotisch verarbeitet werden. Aber schon bald stellt sich heraus, dass Christians manische Sorge und der Bodyguard, den er seiner Frau zur Seite stellt, auch ihre kriminalistische Berechtigung haben.

Anas früherer Vorgesetzter Jack Hyde (Eric Johnson), dem wegen sexueller Belästigung vom Verlag gekündigt wurde, tritt einen Rachefeldzug an. Auf einen Sprengstoffanschlag in Christians Firma folgt ein Überfall im heimischen Apartment und schließlich sogar eine Entführung.


Therapeutische Fremdeinwirkung

Äußerst hilflos wirkt dieser unmotiviert hinein geflochtene Crime-Plot, der nur dazu dient, das moderat vor sich hin kriselnde Paar wieder fest zusammenzuschweißen. Solche therapeutischen Fremdeinwirkungen haben die beiden bitter nötig. Denn kaum sind die Flitterwochen absolviert, kommt auch schon die Kinderfrage aufs Tapet. "Ich bin noch nicht bereit dich zu teilen - mit niemandem", sagt Christian.

Der Mann hat seine traumatischen Erfahrungen als Waisenkind noch nicht bewältigt und muss erst in die Zeugungswilligkeit hineinwachsen. Aber dafür bleibt keine Zeit. Ana wird schwanger und Christian rastet aus. "Ich hatte Pläne. Ich wollte dir die Welt zeigen", bricht es unsensibel aus ihm heraus. Da trifft es sich gut, dass Frau und werdendes Kind schon bald in Gefahr geraten, um den unschlüssigen Mann zur Besinnung zu bringen und die Familiengründung als ultimatives Happy End vorantreiben zu können.


Voyeuristische Ermüdung

Um diesen mäßig unterhaltsamen Reifungsprozess der Beziehung aufzupeppen, injiziert Regisseur James Foley mit bemerkenswerter Beharrlichkeit Sexszenen in die monotone Dramaturgie.

Im Zehn-Minuten-Takt wird der Popmusik-Teppich ausgerollt für pittoresk inszenierte Soft-Porno-Einlagen, mit denen der Film dem Titel "Befreite Lust" und dem Slogan "Erleben Sie den Höhepunkt" gerecht zu werden versucht. Die Dauererregung der Liebenden setzt jedoch erhebliche voyeuristische Ermüdung frei und kann nicht über die kommerzielle Lieblosigkeit des Unternehmens hinwegtäuschen.

Von Martin Schwickert
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