In der Kulturstadt Weimar geht es lustig zu - zumindest dann, wenn die Kriminalkommissare Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) ermitteln. Vor einem Jahr gaben die beiden Humor-Experten ihr Debüt im "Tatort - Die fette Hoppe". Um der Sonderstellung der Reihe Ausdruck zu verleihen, verlegte man den Programmplatz vom etablierten Sonntagabend auf den zweiten Weihnachtsfeiertag, einen Donnerstag. Geschadet hat es dem Ergebnis nicht: Solide acht Millionen Zuschauer schalteten damals ein, zudem ist er mit insgesamt 1.878.848 Millionen Abrufen in den ARD-Mediatheken der meistgeschaute "Tatort" im Online-Video-Angebot des Senders.

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Ihren zweiten Fall, "Der irre Iwan", zeigt Das Erste nun am Neujahrstag - ebenfalls ein Donnerstag. Auch inhaltlich bleibt vieles wie gehabt. Erneut waren die Autoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger am Werk. Es gibt viele gute Gags, einige nicht so gute, einen fast schon coenesken Mordfall und ein herrlich skurriles Ermittlerpärchen. Thematisch bewegt sich "Der irre Iwan" irgendwo zwischen der "Heiter bis Tödlich"-Reihe und klassischer Screwball-Komödie.

Bei einem Raubüberfall auf die Stadtkämmerei gibt ein Täter fünf vermeintliche Warnschüsse durch die Decke ab - dabei muss im ersten Stock nicht nur ein Goldfisch daran glauben, sondern auch die sehr blonde Sekretärin. Was zunächst wie ein blöder Zufall aussieht, entpuppt sich schon bald als vorsätzlicher Mord. Als Täter kommen einige Personen infrage: Kongo (Pit Bukowski), der kurz nach dem Überfall mit der Beute durch die Gassen von Weimar heizt. Der Stadtkämmerer Iwan Windisch (Jörg Witte), der scheinbar sein perfides Doppelleben zu vertuschen versuchte. In weiteren Nebenrollen und ebenfalls verdächtig: Eine Frau, die ihrem untreuen Ehemann mit einer Axt hinterherjagt, eine übellaunige Geisterbahnbesitzerin, ein frisch aus der Haft entlassener Kettensägenclown und ein Mann im Känguru-Kostüm.

Da flüchtet sogar die Leiche

Nun macht ein skurriles Drehbuch noch lange keine gelungene Krimi-Komödie. Zumal die Autoren auch hin und wieder über das Ziel hinausschießen. Wenn Dorn und Lessing "undercover" einen Beziehungskrach in einem Rockerklub anzetteln, der damit endet, dass sich Lessing Dorns Namen auf die Wade tätowieren lässt, während die harten Jungs auf das Baby der beiden aufpassen, dann kommt man sich wie in einer seichten Komödie von Matthias Schweighöfer vor. In einer anderen Szene flüchtet eine scheinbare Leiche vom Seziertisch - ebenfalls nur mäßig lustig und arg konstruiert.

Statt sich an solchen Ausrutschern abzuarbeiten, sollte man sich besser an den sehr guten Schauspielern erfreuen. Tschirner ist immer noch so unterkühlt und sarkastisch, als würde sie eine Sendung bei MTV moderieren. Im Zusammenspiel mit dem hibbeligen Ulmen, seit Jahren einer von Deutschlands besten Komödianten, passt das aber ganz wunderbar. Die beiden spielen sich verbal die Bälle zu, die Dialoge sind kurz, knackig und meistens witzig und selbst die meisten Wortspielchen funktionieren gut. Pit Bukowski und Dominique Horwitz sind als leicht trottelige, aber sympathische Ganoven eine echte Luxusbesetzung und auch Sophie Rois als runtergekommene, durchtriebene und dauerfluchende Geisterbahnbesitzerin Rita Eisenheim ist eine echte Schau.

Einschalten lohnt sich

Wo andere "Tatort"-Fälle scheitern, weil die Ermittler lustig sein sollen, es aber einfach nicht sind, retten Tschirner, Ulmen und ihre Kollegen ein manchmal etwas verfahrenes Drehbuch gut über die Zeit.