Die gute Nachricht: Der "Tatort" meldet sich am Sonntag aus der Sommerpause zurück. Die Schlechte: Der erste Krimi der neuen Saison kommt aus Luzern. Das trübt schon im Vorfeld etwas die Freude, denn die letzten Fälle aus der Schweiz waren alles andere als Krimi-Leckerbissen. Nach Ablauf der 90 Minuten setzt sich dann relativ schnell die Erkenntnis durch: "Geburtstagskind" reiht sich in die Liste der Enttäuschungen ein.

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Die 14-jährige Amina Halter (Carla Chiara Bär) wird erschlagen im Wald aufgefunden. Schnell erkennen Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer), dass das familiäre Umfeld des toten Teenagers mehr als kompliziert war: der leibliche Vater, Kaspar Vogt (Marcus Signer), ist ein Querulant und Ex-Junkie; der Stiefvater, Beat Halter (Oliver Bürgin), ist unter der Fassade des fürsorglichen Familienvaters ein religiöser Fundamentalist. Mutter Ursula (Sarah Spale Bühlmann) und die Kinder stehen beiden Männern mehr oder weniger wehrlos gegenüber.

Nach einer stimmungsvollen Einführung verpufft der erste gute Eindruck schnell. Aufgesetzte Dialoge, schwache Scherze, schlecht ausgearbeitete Figuren und ein ganz langatmiger Fall bilden den Nährboden dieses Krimis. Hinzu kommt ein halbherziger Versuch, dem farblosen Kommissaren-Duo eine eigene Geschichte zu geben. Während Flückiger wenigstens immer dann ein paar Emotionen zeigt, wenn Vater Beat eine seiner Predigten hält, ist der Charakter von Ritschard so interessant wie ein weißes Blatt Papier. "Vielleicht war ich auch ein Problemkind" ist alles, was der Zuschauer von ihr erfährt. Aha.

Völlig in die Hose gegangen sind die überzeichneten Auftritte von Regierungsrat Mattmann (Jean-Pierre Cornu) und die furchtbar witzlosen Solo-Szenen der Assistenten Brigitte Bürki (Anna Schinz) und Marcel Küng (Martin Klaus). Einzig Marcus Signer als abgelebter und aufbrausender Kaspar Vogt weiß zu gefallen.

Zudem macht sich auch in dieser Folge wieder das altbekannte Problem der Nachsynchronisation schmerzlich bemerkbar: Während die Kollegen aus Österreich selbst bei weniger unterhaltsamen Fällen noch mit ihrem Wiener Schmäh punkten können, klingen die Stimmen von Flückiger und Co. quälend steril und leer.

Fazit: Wer hat's erfunden? Im Fall des "Tatorts" sicher nicht die Schweizer.