Im zweiten "Tatort" aus Erfurt (Sonntag, 20.15 Uhr, im Ersten) sucht das Ermittler-Trio um Kommissar Henry Funck (Friedrich Mücke) den "Maulwurf" in den eignen Reihen. Der Film überzeugt mit einem spannenden Kriminalfall, hat aber seine Schwächen, wenn es um die Figurentiefe der Hauptdarsteller geht.

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Worum geht's?

Dem ehemaligen Rotlichtkönig und Sträfling Timo Lemke (Werner Daehn) wird zur Beerdigung seines Vaters Freigang gewährt. Auf dem Friedhof flüchtet er unerwartet und erschießt dabei einen Beamten. Eigentlich wäre Lemke sowieso bald freigelassen worden, wieso also der überstürzte Ausbruch? Diese Frage beschäftigt vor allem Kriminaldirektorin Petra Fritzenberger (Kirsten Block) und Kriminaldirektor Volker Römhild (Christian Redl) - sie sorgten damals für die Verhaftung von Lemke und befürchten nun, dass er sich bei ihnen rächen will.

Als Fritzenberger dann tatsächlich entführt wird, bangt die Polizei auch um Römhilds Sicherheit. Doch dann stirbt Lemke unerwartet und die Kommissare stehen vor einem größeren Problem: Wie sollen sie "Fritze" jetzt finden? Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, denn mehr als ein paar Tage kann Fritzenberger nicht ohne Essen und Trinken überleben. "Fritzes" Kollege Ingo Konzack (Oliver Stokowski) von früher soll helfen, doch auch der ist nicht aufzufinden...

Stärken und Schwächen

Der "Tatort: Der Maulwurf" kann mit einer spannenden Geschichte aufwarten. Werner Daehn glänzt als Bösewicht Lemke und überzeugt auch ohne viel Sendezeit oder Textpassagen. Weniger überzeugend sind leider die Kommissare Henry Funck, Maik Schaffert (Benjamin Kramme) und Johanna Grewel (Alina Levshin). Im Ansatz gut, verhaften sie in flachen Charakterdarstellungen. Funck ist stets einen Tick zu verklemmt, Kramme zu gewollt aggressiv und Grewel schlichtweg zu langweilig.

Außer dass Funck eine Tochter hat und versucht, mit der Nachbarin zu flirten, erfährt man nichts über die Kommissare und ihr Leben außerhalb des Präsidiums. Dabei sind eben diese Exkurse in die Psyche und das Privatleben genau das, was den Zuschauer an die jeweiligen Ermittler bindet. Es scheint, als traue sich der Erfurter "Tatort" nicht erwachsen zu werden. Stattdessen versteckt er sich hinter dem Stempel der Jugendlichkeit, die die Erfurter Ermittler mitbringen sollen. Doch selbst davon schwappt nicht viel aus dem Bildschirm in die Wohnzimmer hinüber.

Fazit

"Der Maulwurf" ist ein solider "Tatort", der für die sonntägliche Portion Krimi vollkommen ausreicht. Gelingt es Funck, Schaffert und Grewel noch mehr Ecken und Kanten zu entwickeln, steht der neuen Ermittler-Generation eine glänzende Zukunft bevor. Friedrich Mücke lockt sicher die ein oder andere weibliche Zuschauerin vor den Bildschirm, die dann aber bitte mit mehr Details belohnt werden will.