Blut muss fließen. Egal ob im Tarantino-Blockbuster oder in der gehypte US-Erfolgsserie - der rote Lebenssaft wird literweise verschüttet und wer etwas auf sich hält, verteilt noch ein paar abgetrennte Gliedmaßen in der Szenerie. Und jetzt auch noch das: Nach 43 Jahren "Tatort" wird zum ersten Mal eine Folge aus Jugendschutzgründen nicht auf dem angestammten Sendeplatz gezeigt, sondern auf 22 Uhr verlegt. Ein Skandal? Nicht wirklich. Denn "Franziska" ist ein über weite Strecken sehr guter Krimi mit exzellenten Schauspielern, düster und manchmal auch brutal - aber weniger wegen expliziter Gewaltdarstellung, sondern aufgrund seiner Atmosphäre.

Drei Folgen mit den "Tatort"-Kommissaren Max Ballauf und Freddy Schenk finden Sie hier

Die Geschichte: Franziska (Tessa Mittelstaedt), die sich neben ihrem Job bei der Mordkommission als ehrenamtliche Bewährungshelferin engagiert, wird während einem Besuch in der JVA Köln entführt und in einer Zelle als Geisel gehalten. Ihr Peiniger Daniel Kehl (Hinnerk Schönemann) ist ein Mörder und Vergewaltiger, der eigentlich bald entlassen werden soll. Doch nun steht er im Verdacht, einen Mithäftling getötet zu haben. Er fordert seine Freiheit und droht, Franziska andernfalls mit einem Plastikkabel zu erdrosseln. Die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) müssen beinahe hilflos mitansehen, wie sich die Lage für ihre Kollegin immer weiter zuspitzt.

Was gibt es zu sehen? Ein Häftling wird durch einen Stich in den Hals getötet. Mehr als eine Allerwelts-Blutlache gibt es aber nicht zu bestaunen. Außerdem wird eine mumifizierte Leiche gezeigt. Am unangenehmsten sind die Nahaufnahmen des Kabelbinders, der sich immer tiefer in den Hals von Franziska schneidet. Aber: Solche Szenen hat man schon in anderen Primetime-Krimis gesehen, auch im "Tatort". Gemessen an der Gewaltdarstellung in US-Serien oder Bildern, die man in den Nachrichten auch vor 22 Uhr sieht, mag die Verlegung ins Spätprogramm ein bisschen albern wirken.

Ein Blick auf die ARD-internen Richtlinien liefert zumindest teilweise die Begründung: "Tatort"-Filme sollten eigentlich immer ab 12 Jahren freigegeben sein. Diese Einstufung wäre für "Franziska" tatsächlich zu niedrig angesetzt, weshalb man sich für eine Ausstrahlung um 22 Uhr und den "Geeignet ab 16 Jahren"-Stempel entschied. Das eigentlich Verwunderliche ist nicht, dass der WDR seinen Krimi verschieben musste, sondern dass es in der Vergangenheit nicht schon anderen "Tatorten" so ergangen ist. Der Ärger von Regisseur Dror Zahavi ist also zumindest teilweise nachvollziehbar. "Es kommt mir so vor, dass nicht immer mit gleichem Maß gemessen wird. Bei jedem anderen Sender hätte der Film auch um 20:15 Uhr gezeigt werden dürfen", sagte er vor einigen Monaten der "Bild am Sonntag".

5. Januar 2014, 22:00 Uhr: "Franziska"