Deutsche Zuschauer haben bald die Möglichkeit, die hochgelobte Webserie "House of Cards" von Produzent David Fincher (51, "Fight Club") im Free-TV zu sehen. ProSieben Maxx strahlte jetzt eine erste "Preview" aus, fortan erscheint jeden Mittwoch eine Folge in englischer Originalfassung mit deutschen Untertiteln. Ab 10. November läuft die synchronisierte Version auf Sat.1 jeweils sonntags um 23.15 Uhr. Doch worum geht es in dem Politik-Thriller aus den USA und warum ist sie ein echter Pionier der Serien-Historie?

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Es ist wahrlich kein Leichtes mehr, innovative Wege in der Medienlandschaft zu beschreiten. In einer Zeit, in der konventionell produzierte Serien wie "Homeland" und "Breaking Bad" größtes Ansehen genießen, ist "Video-On-Demand"-Anbieter Netflix mit seinem Mammutprojekt "House of Cards" ein echtes Wagnis eingegangen - mit Erfolg. Die erfolgreiche Serie mit Hollywood-Star Kevin Spacey (54,"Sieben") in der Hauptrolle ist nämlich die erste per Streaming-Dienst produzierte und ausgestrahlte Show der Welt.

Die Kosten für die ersten beiden Staffeln des Großprojekts von Netflix sollen sich dabei auf stolze 100 Millionen Dollar belaufen. Mit der Bereitstellung aller Folgen der ersten Staffel am selben Tag brach das neue Konzept der Serie zudem alle bisherigen Sehgewohnheiten. Eine Woche Geduld bis zur neuen Episode gehörte damit der Vergangenheit an, stattdessen wurde den Zuschauern per legalem Stream von Beginn an ermöglicht, alle 13 Teile der Premieren-Staffel auf einmal zu sehen.

"House of Cards" ist die Adaption der gleichnamigen BBC Serie, welche wiederum auf der Buchvorlage von Michael Dobbs (64) basiert. Das Geschehen wurde dabei nach Washington D.C. verlegt, wo der routinierte Politiker Francis "Frank" Underwood (Kevin Spacey) seit 22 Jahren im Kongress sitzt und dessen Job es nach eigener Aussage ist, "die Rohre durchzublasen, damit die Scheiße abfließen kann".

Als ihm jedoch aus taktischen Gründen das schon versprochene Außenministeramt vor der Nase weggeschnappt wird, verwandelt sich Underwoods professioneller Gleichmut in puren Hass - in der Konsequenz setzt er alle Hebel in Bewegung, um sich für diese Hintergehung zu rächen. Unterstützt von seiner nicht minder berechnenden Frau Claire spinnt er ein Netz aus Intrigen, scharrt Verbündete um sich und schreckt auch vor Erpressungen nicht zurück, um sich doch noch den Weg bis an die politische Spitze zu bahnen.

Auch dramaturgisch setzt die Serie auf ungewöhnliche Mittel. Nicht selten durchbricht die Hauptfigur die sogenannte "vierte Wand" und richtet seine Aussagen direkt an den Zuschauer. Drehbuchautor Beau Willimon inspirierte dabei nach eigener Angabe das Königsdrama "Richard III" von keinem Geringeren als William Shakespeare: "Die Szenen machen den Zuschauer zu einem Mitverschwörer und Komplizen", sagte Willimon "TV Today".

In der Unterhaltungsbranche wird "House of Cards" schon als die Zukunft des Fernsehens gefeiert. Die Serie gewann unter anderem einen Emmy für die beste Regie und zwei weitere Auszeichnungen in Nebenkategorien. Dem in Deutschland noch nicht verfügbaren Streaming-Dienst Netflix konnte die Show zudem weltweite Bekanntheit verschaffen. In Fachkreisen wird daher bereits gemunkelt, dass der Online-Dienst im nächsten Jahr auch im deutschsprachigen Raum debütieren könnte.