Kein Klamauk, sondern viel Kälte: Der "Polizeiruf 110" entließ den Zuschauer an diesem Sonntag nicht mit dem beruhigenden Gefühl, dass das Gute über das Böse gesiegt hat. "Wenn der Zuschauer ein bisschen später schlafen geht, weil er sich nachher fragen muss, welche Position er selbst einnimmt, ist unser Ziel erreicht. Leben ist ja kompliziert", sagt Regisseur Jan Bonny in einem Interview mit "TV Movie" zu "Der Tod macht Engel aus uns allen". "Wir wollten an den klassischen Polizeifilm aus den frühen 80ern anknüpfen, einen Film, der das Genre ernst nimmt", verrät er.

Lars Eidinger glänzte auch an der Seite von Corinna Harfouch in "Was bleibt". Den Film gibt es hier

"Der Tod macht Engel aus uns allen" erzählt von Polizeigewalt und vor allem auch von Männlichkeit. Am Ende bezahlt die testosteronüberladene Macho-Gruppe von Polizisten (und einer Polizistin) für die Geschlechtsumwandlung einer Transsexuellen - und kauft sich so von der Schuld am Tod deren Lebensgefährtin frei. Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) hat den Deal eingefädelt - das Glück von Almandine (Lars Eidinger) war ihm mehr wert als ein Ermittlungserfolg. Das Besondere an der Figur von Meuffels ist, dass sie nicht beladen ist mit einer Vorgeschichte oder Traumata, der Kommissar wohnt auch nicht - wie viele seiner Kollegen am Sonntagabend - mit seinen Kollegen zusammen oder ist irgendjemandem verpflichtet - und kann sich so in jeder Episode neu erfinden.

Aber nicht nur Brandt alias von Meuffels ist ein Mann für ungewöhnliche Auftritte am Sonntagabend: Lars Eidinger strippt als Almandine in einem Klub für Transsexuelle, Nacktszenen inklusive. Schon vor einem Jahr sorgte der Theater-Star für Gesprächsstoff. In "Borowski und der stille Gast" schlich er sich als psychopathischer Postbote in die Wohnung seiner Opfer, benutzt ihre Zahnbürsten, bringt zwei Frauen um, entführt ein Kind - und entkommt am Ende. Für einen "Tatort" ein fast skandalöses Ende. Comeback nicht ausgeschlossen...