Für das ZDF ist er der Quotengarant. Seit sechs Jahren gibt Hans Sigl (45) den Bergdoktor glaubwürdiger als all seine Vorgänger. Das hat sicher mit seinen Wurzeln zu tun. Denn als Kind der Berge weiß der gebürtige Österreicher um den Alltag seiner filmischen Heimat. Kurz vor Weihnachten zeigt das ZDF (am 21.12. um 20:15 Uhr) mit dem Winterspecial "Schuld" seinen letzten Einsatz vor dem Christkind. spot on news sprach mit dem Schauspieler über seine Weihnachtspläne.

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Wie erklären Sie sich das große Interesse der Zuschauer an Geschichten aus der Bergwelt?

Hans Sigl: Nun, zum einen sind wir schon eine Weile auf dem Schirm, der Zuseher kennt die Figuren und weiß wie "seine" Welt in den Bergen aussieht. Zum anderen haben wir seit Jahren daran gearbeitet, das Format spannender und moderner zu machen, das goutiert der Zuseher. Die Grundingredienzen sind eine gute Mischung aus Medical Crime und Familiengeschichte vor einer grandiosen Kulisse. Auch das ist bestimmt ausschlaggebend. Und in der ganzen Welt der Krimis sind wir eine gute Abwechslung. Emotional und dennoch spannend. Das sollte vor allem beim Winterspecial zum Tragen kommen, da wir da gegen den "Tatort" ausgestrahlt werden. 21.12. ein Sonntag, etwas unüblich, aber eine große Herausforderung.

Wie steht es denn nach nun mehr sechs Jahren um Ihre medizinischen Kenntnisse? Schon mal erste Hilfe geleistet?

Sigl: Ich bin ja grundsätzlich Schauspieler und insofern fehlen mir die Grundkenntnisse, denn ich habe es leidlich versäumt, während der letzten Jahre abends zu studieren. Aber ich denke, erste Hilfe sollte jeder können.

Wie steht es um Ihre bergsportlichen Aktivitäten?

Sigl: Ich bin begeisterter Skifahrer und Rodler. Auch das Schneeschuhwandern ist eine wundervolle Abwechslung. Das Tourengehen steht noch auf der Liste, vielleicht klappt es dieses Jahr.

Wie sieht Weihnachten im Hause Sigl aus?

Sigl: Schon Wochen vorher steigt die Stimmung, die Kinder sind aufgeregt und das Haus wird geschmückt. Meine Frau ist eine begnadete Christbaum-Schmückerin und unser Baum sieht jedes Mal aus wie ein kleines Kunstwerk. Dieses Jahr soll es ein Pop-Art-Exemplar werden. Allerdings darf ich maximal die Kugeln anreichen.

Was ist Ihre Aufgabe?

Sigl: Ich kümmere mich um die Stimmung. Der Wunschzettel ist trotz Pubertät noch obligat, allerdings mit einem Augenzwinkern. Auch das Glöckchen muss sein, auch wenn ich manchmal die Kinder fragen muss, wo sie es versteckt haben.

Was gibt's zu essen?

Sigl: Unterschiedlich. Allerdings gibt es erst am ersten Weihnachtstag das "Große Menü". Um das kümmert sich meine Frau, während ich mich um die Mise en Place und die Tisch-Deko kümmere. Wir zelebrieren das Weihnachtsessen und legen sehr viel Wert auf das richtige Ambiente.

Was passiert danach?

Sigl: Nach dem Essen wird's sehr musikalisch. Die hauseigene Patchwork-Combo stimmt zur Blues-Session an. Alle Familienmitglieder spielen ein Instrument und wir interpretieren "Stille Nacht" auf unsere ganz eigene Art. Das ist ein Riesenspaß für Jung und Alt. Am zweiten Weihnachtstag wechseln die Kinder (Jonas 17, Niklas 14, Joana 14, Nepomuk 11) dann die Krippe und besuchen die anderen Eltern und Großeltern. Als wir vor acht Jahren unser erstes Patchwork-Weihnachten feierten, saßen noch alle Elternteile zusammen unter einem Baum.

Gehen Sie zur Christmette?

Sigl: Wir gehen nicht in die Kirche. Wir sind zwar eine gläubige Familie, aber sind nicht christlich religiös. Ich bin mit 19 Jahren aus der Kirche ausgetreten und ich glaube, dass es bei der diesjährigen Christmette ohnehin sehr einsam werden könnte.

Was haben Sie für Kindheitserinnerungen an Weihnachten?

Sigl: Ich lebte bei meinen Großeltern in einem kleinen Bergdorf und wir waren oft eingeschneit. Und obgleich alles sehr rudimentär und karg war, waren es die ehrlichsten und wahrhaftigsten Weihnachten, die ich je erlebt habe. In den 70er Jahren fand ich es auch noch ganz authentisch, aber seit in den 80er Jahren die große Plastik- und Technik-Vermarktung losging, hat Weihnachten viel von seinem ursprünglichen Reiz verloren.

Was tun Sie dagegen?

Sigl: Wir pflegen die besinnliche Zeit schon weit vorher. Während der Adventszeit schleppe ich Bücher aller Art nach Hause, heize den Ofen ein und lese der Familie mitunter auch mal vor. Der besinnliche Funke springt dann sogar auf die Kids über. Auch wenn die das nicht "besinnliche", sondern "gechillte Zeit" nennen. Ich genieße das sehr, denn nach einem turbulenten Arbeitsjahr ist das die einzige Zeit, wo ich wirklich abschalten kann. Das einzige, was mir an Weihnachten nicht passt, ist die Tatsache, dass meine Frau so enorm gute Kekse backt. Das büße ich dann immer bis in den März hinein.

Was ist Ihre Quintessenz aus neun Jahren Patchwork-Weihnachten?

Sigl: Dass es nichts Schöneres gibt als eine große Familie. Das habe ich mir früher immer gewünscht, ohne zu wissen, was es bedeutet. Jetzt weiß ich, was es bedeutet und will es nicht mehr missen.

Was wünschen Sie sich zu Weihnachten?

Sigl: Dass unsere Kinder, die gerade im Prozess der Pubertät sind, den richtigen Weg finden. Und dass wir den alle zusammen im Einklang gehen. Ansonsten bin ich mit dem Jahr 2014 schon sehr reich beschert worden. Es lief privat wie beruflich sehr rund und ich habe wieder ein paar Sachen kapiert.

Zum Beispiel?

Sigl: Das Zitat meines Regisseurs "Lass es fließen!" hat sich auf mein Leben übertragen. Wenn man loslässt, entstehen die Dinge von ganz alleine.