Der Mord an der "Fetten Hoppe" alias Wurstkönigin Brigitte Hoppe ist aufgeklärt. Das neue "Tatort"-Duo Christian Ulmen und Nora Tschirner löste diesen Fall unaufgeregt, gelassen und gewitzt - der für diesen Fall verantwortliche Sender MDR hatte bereits im Vorfeld eine "deutliche Prise Humor" angekündigt. Und es machte tatsächlich Spaß, den beiden bei den Ermittlungen über die Schulter zu sehen. Die von ARD-Intendantin Karola Wille bestätigte Fortsetzung hat somit durchaus eine Berechtigung.

Auch in Münster wird mit viel Humor ermittelt. Hier gibt es die "Tatort: Thiel/Boerne"-Box

Eigentlich hätten Ulmen und Tschirner aber gar nicht den Dienst in Weimar antreten sollen. Denn der "Tatort" für Thüringen war bereits an das junge Erfurter Ermittler-Team rund um Friedrich Mücke, Benjamin Kramme und Alina Levshin vergeben. Jedoch kam die Idee eines "Tatorts" aus der Goethe-Stadt mit den Kommissaren Ulmen/Tschirner beim MDR so gut an, dass zusätzliche Gelder locker gemacht wurden (der ARD-Filmeinkaufsorganisation Degeto sei Dank).

Für den MDR ist "Die Fette Hoppe" somit zum Glücksfall geworden, floppte doch das Erfurter "Jugendprojekt" mit dem jüngsten Ermittler-Team der "Tatort"-Geschichte. Wurde in der thüringischen Hauptstadt noch mit Kraftausdrücken wie "Fuck" oder "Krass" um sich geworfen, um ein jüngeres Publikum anzusprechen, so setzten die Drehbuchautoren Murmel Clausen und Andreas Pflüger in der "Fetten Hoppe" auf den unterschwelligen Humor des eingespielten Duos Ulmen/Tschirner.

Ein Schachzug, der (beinahe) gelungen ist. Profitierte der Weimar-"Tatort" doch vor allem von der subtil humorvollen Spielweise seiner beiden Protagonisten. Lessing alias Ulmen beispielsweise glänzte mit seinem nicht vorhandenen Statistik-Wissen: "Statistisch gesehen, steigt bei Entführungen die Wahrscheinlichkeit eines guten Endes mit der Höhe des Lösegeldes. Wie viel wurde denn gefordert?" Antwort: "45.000 Euro". Die Situation versuchte er dann auf seine tapsige Weise zu retten: "Das ist für sehr, sehr viele Menschen sehr, sehr viel Geld." Dialoge wie dieser flossen so ungezwungen in den "Tatort" ein, dass es eine Freude war, weil sie nicht aufgesetzt und somit erfrischend wirkten.

Aber hier setzte auch die Problematik in diesem "Tatort" ein: Der Fokus wurde gänzlich auf die wohl dosierte Witzdichte rund um Ulmen und Tschirner gelegt, so dass die Handlung komplett vernachlässigt wurde. Der Plot war so dünn, dass diese Episode auch als 08/15-Krimi im Vorabendprogramm der ARD hätte laufen können. Wenn aber an Dramaturgie und Handlung noch etwas gefeilt wird, könnte in Weimar eine unverhoffte "Tatort"-Perle entstehen.