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Coronatalk: Starkoch Alexander Herrmann greift Virologin bei "Hart aber Fair" an - so kontert sie

In der Talkshow "Hart aber Fair" ging es am Montagabend um Auswirkungen der Corona-Krise, insbesondere um den Lagerkoller im Lockdown. Experten und Betroffene meldeten sich zu Wort - die Stimmung war sichtlich gereizt.
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Alexander Herrmann spricht zum Motto "Eine Prise Fehler bitte!". Foto: David Ebener/dpa
Alexander Herrmann ist bei Frank Plasberg zum Thema Coronakrise ausgerastet. Foto: David Ebener/dpa

Die Talkshow "Hart aber Fair" greift immer wieder politische und gesellschaftsrelevante Themen auf und diskutiert mit Betroffenen und Experten darüber. Am Montag Abend (04. Mai 2020) lautete das Thema "Lagerkoller im Lockdown: Was lässt Corona von unserem Leben übrig?"

Moderator Frank Plasberg begrüßte dabei wieder einige Gäste und wollte ihre Meinungen zu dem heiklen Thema wissen. Vor Ort waren:

Verlauf der Talkshow zeigt: Corona-Krise macht sich bemerkbar

Malu Dreyer kam als Erste zu Wort. Sie beschwichtigte, dass alle Frustration in der aktuellen Lage nachvollziehbar sei. Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz rief jedoch zur Geduld auf, man plane Stufenpläne zur Lockerung. Die dreifache Mutter Katrin Bruns zeigte zu Beginn des Lockdowns noch Verständnis für die Situation. "Am Anfang waren wir alle ganz zuversichtlich, das hinzukriegen", doch seien inzwischen alle voneinander genervt und ordentlich gereizt, erklärt sie.

Dramatischer spiegeln sich die Umstände bei Sternekoch Alexander Herrmann wider. Zwar sei der bisher eingeschlagene Weg fantastisch und überlegt gewesen, jedoch sei mittlerweile ei Punkt erreicht, an dem sich die Fakten neu darstellen. Er verdeutlicht das am Beispiel seiner Branche, dem Gastronomie-Bereich. Hier würden viele "Leistungspersönlichkeiten" arbeiten und auch sonst sei die Gastronomie ein herausragendes Berufsfeld, allerdings sehe er in ihr "von der Wirtschaftlichkeit her ein fragiles Konstrukt.”

Er nutzt drastische Worte und redet von "Klippen, über die wir stürzen" und "Fallen, aus denen wir nie wieder rauskommen" - wenn sich die Situation nicht schnell verbessert. "Das Ganze fühlt sich wie ein unternehmerisches Wachkoma an", aus dem man entfliehen müsse, so der Sternekoch.

Zu wenig Hilfe für Kultur - Kritik zur Sonderrolle der Bundesliga

Eine andere Einstellung bringt Ulrich Matthes mit. Seiner Ansicht nach seien die getroffenen Maßnahmen sinnvoll, auch wenn er betont, dass er dadurch nicht automatisch zu einem "Untertan der Regierung werde." Dennoch ist der Schauspieler besorgt um seine Kulturszene. Er habe sich mehr Hilfen erwartet, die Kultur zu unterstützen. Er hofft, dass die "Olaf Scholzsche Bazooka in etwas geringerer Form jetzt mal auf den gesellschaftlich relevanten Bereich der Kultur angelegt" werde.

Das Aussterben von Kinos sei ein ernst zunehmendes Problem aufgrund der aktuellen Lage. Er wirft Malu Dreyer vor, sich nicht mit der gleichen Energie auf die Kultur konzentriert zu haben, wie sie es beispielsweise für den Erhalt von Streichelzoos  getan habe. Auch kritisiert er die Sonderrolle der Bundesliga, der im Verhältnis zu anderen Problembereichen zu viel Bedeutung beigemessen werde.

Hier meldet sich wieder Alexander Herrmann zu Wort und zeigt sich erfreut über die Testergebnisse der Bundesliga-Clubs. Von über 1700 getesteten Personen waren nur 10  Ergebnisse positiv. Dieses Signal stimme ihn durchaus positiv. Er freute sich über eine “Quote von 0,6 Prozent. Ich weiss nicht wie weit runter wir noch wollen?”

Doch hier hakt Virologin Melanie Brinkmann ein. Der Umgang mit solchen Zahlen sei mit Vorsicht zu genießen, schließlich wisse man eigentlich überhaupt nichts, da über die regionalen Herkünfte der positiv getesteten Spieler keine Auskunft herrsche.

Diese Aussage sorgte bei Herrmann für einen Wutanfall: "Ihr gebt uns andauernd irgendwelche Zahlen, und nur wenn sie euch passen, sind sie richtig", wettert er los. "Ich muss wohl nur genügend Virologen befragen, dann bekomm ich die Zahl, die ich brauche", zeigt sich der Sternekoch erbost. Er habe große Angst um die Gastronomie: "In den letzten 14 Tagen bröckelt langsam etwas, wofür wir Jahrzehnte gearbeitet haben: unsere Wirtschaft, unser Sein, unser Leben."

"Ich bin nicht in der Sklaverei, daher muss ich das verstehen", führt Herrmann fort. Er wünsche sich belastbare Zahlen, die Sinn ergäben und einen verlässlichen Umgang mit der Situation. "So hocken wir da wie die Deppen und schauen: Wie lange überleben wir’s noch?"

Virologin hält App zur Überwachung von Kontaktpersonen für sinnvoll

Ulrich Matthes versteht nicht, warum sich die Wut des Sternekochs gezielt gegen die Virologen richtet. Jetzt über Virologen herzuziehen sei der falsche Weg, kontert er den Sternekoch. Melanie Brinkmann versucht, die Lage sachlich zu schildern. Manchmal komme es Eben vor, dass Ergebnisse frisch auf dem Tisch landen und unmittelbar von den Medien aufgenommen würden, "obgleich sie noch nicht ganz gar sind."

Dieses Argument kann Alexander Herrmann nachvollziehen. Die Virologin ergänzt, das regionale und auch lokale Tests großen Sinn ergeben würden. Dadurch könne man gezielter auf die Ergebnisse reagieren. Sie ist zudem der Meinung, eine App zur Überprüfung von Kontaktpersonen sei eine gute Idee. "Eine App kann helfen und mir beispielsweise schneller sagen: Oha, da habe ich gestern diese Person getroffen, die positiv getestet wurde, dann geh ich mal heute nicht in ihr schönes Lokal und stecke ihre Kellner an."

ml