Er hat alles, was man sich wünscht: eine wunderbare Familie, eine Villa, eine Yacht und einen Job, der ihn fordert. Nach einem Unfall will Frank, gespielt von Benno Fürmann (41), sein Leben umkrempeln und muss ohne Luxus und beinahe ohne seine Familie auskommen. Mit spot on news spricht der Schauspieler über Annehmlichkeiten in seinem Leben, auf die er nicht mehr verzichten möchte und erklärt, welche Vorstellungen er von einem guten Vater hat. Sein neuer Film "Weniger ist mehr" läuft am 4. Oktober um 20.15 Uhr im Ersten.

Sehen Sie Benno Fürmann als Bergsteiger in dem Film "Nordwand"

Ein Hauptthema des Films ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Inwiefern ist das für Sie ein drängendes Thema?

Benno Fürmann: Das kennen wir ja alle. Wenn Menschen nicht so bezahlt werden, dass die Familie davon leben kann, kommt schnell Druck auf. Und um ein guter Vater oder eine gute Mutter zu sein, muss man den Luxus der Zeit haben.

Was macht Ihrer Meinung nach einen guten Vater aus?

Fürmann: Ein guter Vater setzt dem Kind liebevolle Grenzen, die zwar verhandelbar sind, aber auch Werte vermitteln. Ein guter Vater versucht außerdem nicht, ein Abbild von sich selbst zu kreieren, sondern einen Raum zu schaffen, in dem sich das Kind entfalten kann.

Wie schafft man es, die eigenen Kinder nicht zu sehr zu verwöhnen? Besonders bei Kindern von Schauspielern gibt es da ja gewisse Vorurteile.

Fürmann: Mein Kind darf manchmal mehr und manchmal weniger als andere Kinder, wie es bei mir auch war und mein Vater war kein Schauspieler. Klar wächst meine Tochter überdurchschnittlich warm gebettet auf und das bringt auch Fragen mit sich, die ich mir stelle. Aber ich kann auch nicht, nur weil es uns finanziell besser geht, an anderen Enden die Peitsche auspacken. Letztendlich versuche ich ihr begreiflich zu machen, dass das, was wir haben - das große Kinderzimmer und die Reisen zum Beispiel - nicht selbstverständlich ist.

Welche Werte wollen Sie Ihrer Tochter vermitteln?

Fürmann: Integrität, Gerechtigkeitssinn, Unkorrumpierbarkeit und die Freiheit zu handeln - auch entgegen einer vorherrschenden Meinung. Ich bin kein antiautoritärer Vater, aber ich lasse mich von meiner Tochter gerne argumentativ überzeugen. Diese Freiheit endet aber, wenn um neun Uhr das Licht aus sein soll. Das entscheide dann ich.

Hat man es als berühmte Person, die in der Öffentlichkeit steht, schwerer, an seinen Prinzipien festzuhalten?

Fürmann: Nein, das empfinde ich nicht so. Egal, ob berühmt oder nicht: Es gibt immer gut gemeinte Ratschläge, besonders als junger Vater.

Auf welche Annehmlichkeiten in Ihrem Leben könnten Sie nicht mehr verzichten?

Fürmann: Ich wohne gerne hell und groß, gehe sehr gerne essen und Reisen sind für mich sehr wichtig. Da nehme ich dann nur wenig mit und genieße die Reduktion auf das Wesentliche. Ansonsten bin ich relativ bodenständig. Eine Reduktion unseres Lebensstils führt zu einer größeren Konzentration auf das wirklich Wichtige. Ich habe diesen Schritt aber noch nicht getan. Ich mache diesen Schritt nur einmal im Jahr sporadisch, wenn ich Bergtouren mache, auf die ich nur das Nötigste mitnehme.

In welche Teile der Erde verschlägt es Sie auf Ihren Reisen?

Fürmann: Die letzten Reisen führten mich nach Uganda und Äthiopien. Ich habe vor Ort auch Projekte besucht, wie eine Weberei-Initiative von Frauen in Äthiopien.

Woraus schöpfen Sie Kraft, wenn es Ihnen im Alltag zu viel wird?

Fürmann: Wir werden mit Licht, Luft und Blätterrascheln beschenkt. Da wir uns aber die ganze Zeit mit elektronischem Kommunikationskram zuballern, spüren wir das manchmal gar nicht mehr. Dann ziehe ich den Stecker und tanke Kraft in der Natur.