Für Fernsehkoch Alexander Herrmann (42, "Die Küchenschlacht")läuft es derzeit richtig rund. Gerade erst wurde bekannt, dass er im kommenden Jahr Steffen Henssler in der ZDF-Sendung "Topfgeldjäger" ersetzen wird, und schon ab dieser Woche darf er seinen charmanten Witz auf unseren Fernsehbildschirmen verbreiten. In der neuen Sat.1-Show "The Taste" bildet er mit den Kollegen Lea Linster, Tim Mälzer und Frank Rosin ein Team von Juroren, die ihre Kandidaten gegeneinander antreten lassen.

Kochen mit Köpfchen: Alexander Herrmanns "Küchen IQ" finden Sie hier

Die Sendung "The Taste", die am 13. November auf Sat.1 startet, bietet ein vollkommen neues Format. Was erwartet den Zuschauer?

Alexander Herrmann: Es ist eine Castingshow, die ein bisschen "The Voice of Germany" ähnelt. Es gibt bei uns Blind Tastings. Wir verkosten Proben von Gerichten auf Gourmetlöffeln, ohne die Kandidaten zu sehen und ohne zu wissen, was für ein Gericht auf dem Löffel ist. Anhand dessen wählen wir Juroren unsere Kandidaten aus und stellen uns ein Team zusammen, wie bei "The Voice". Dann gibt es ab Folge zwei Challenges, bei denen wir als Coaches die Kandidaten unterstützen.

Wie war denn die Arbeit mit Ihrem Team?

Herrmann: Es treten ja Profis und Hobbyköche an. Jeder wollte die Besten. Ich habe letztendlich ein Team von vier Leuten, das hochmotiviert ist und einiges auf dem Kasten hat. Ich kann auf hohem Niveau coachen, und das ist extrem schön. Der Löffel verwischt auch die Grenzen zwischen Profi und Laie. Wenn man ein Gericht auf einem Teller anrichtet, hat ein Profikoch einen enormen Vorteil. Der Löffel dagegen ist fair, er zeigt Dir nicht, ob Du einen Profi oder einen Hobbykoch vor dir hast. Und jeder hat nur eine Chance.

Der Löffel spielt bei den Blind Tastings ja die größte Rolle. Was ist die besondere Herausforderung daran?

Herrmann: Der Löffel hat seine eigenen Gesetze. Ich vergleiche das gerne mit dem DFB-Pokal. Wenn Du im richtigen Moment stark bist, kannst Du auch einen Champions-League-Sieger vom Platz fegen. Ebenso kann ein Profi, der seit 20 Jahren kocht, sofort rausfliegen, wenn er es nicht im richtigen Moment schafft, die richtigen Aromen auf den Löffel zu bringen. Dinge wie Dosierung und Konsistenz werden enorm schwierig.

Die Verkostung ist blind, die Juroren können die Kandidaten also nicht sehen. Macht das denn beim Probieren wirklich so einen großen Unterschied, ob man den Kandidaten sieht oder nicht?

Herrmann: Absolut, ein Riesenunterschied. Man fängt doch sofort an, Attribute zuzuordnen: Mann oder Frau, Profi oder Laie und so weiter. Man probiert einen Löffel und stellt sich eine reifere Dame vor, die schon lange kocht, und plötzlich steht ein junger, volltätowierter Typ vor dir. Den Typ hättest Du vielleicht gern im Team gehabt, aber geschmacklich hat der Löffel eben nicht überzeugt.

Bei "The Voice" können die Zuschauer in Live-Shows über den Gesang der Kandidaten abstimmen. Bei "The Taste" kann der Zuschauer nicht aktiv mitbewerten. Verliert die Show dadurch eventuell an Reiz?

Herrmann: Die Battles bei "The Voice", wenn die Kandidaten gegeneinander ansingen, sind sicher reizvoll. Danach ist es eine typische Gesangsshow, das kann auch fad werden. Dadurch, dass wir nicht live senden, entsteht ein sehr schneller Rhythmus-Wechsel, der Zuschauer ist sehr nah am Erlebnis dran. Bei "The Taste" zeigen wir sehr viel Kochen in den verschiedenen Challenges, wir zeigen viel vom Coaching, und dann sind die Kandidaten auf sich allein gestellt. Da entsteht eine gewisse Fallhöhe, die spannend ist.

Sie kennen es als Koch ja auch, bewertet zu werden. Hier sind Sie in der Rolle des Juroren. Wie geht es Ihnen mit dieser Rolle?

Herrmann: Ich scheue es nicht, zu bewerten. Ich glaube, dass dafür zwei Dinge von Nöten sind, zum einen Fachkenntnis und zum anderen die Fähigkeit, zu relativieren. Ich kann ja hier nicht die gleichen Maßstäbe setzen wie in der Sterneküche. Noch mehr Spaß macht mir allerdings das Coaching, die Zusammenarbeit mit den Kandidaten. Und man kann natürlich kein guter Coach sein, wenn man nicht auch bewerten kann.

Ihre Jury-Kollegen kennen Sie ja alle bereits. Wie war es, in Konkurrenz mit ihnen zu stehen?

Herrmann: Wir hatten viel Respekt voreinander. Jeder wusste, wie sehr man beim blinden Probieren danebenliegen kann. Was nicht heißt, dass es nicht auch Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen gab. Wir haben den Bogen schon mal gespannt, sind aber nie über die Stränge geschlagen.

Sie haben ja immer mehrere Projekte am Laufen, sei es Fernsehshows, Kochtouren oder natürlich ihr eigenes Sternerestaurant. Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Herrmann: Das ist eine Frage des Zeitmanagements und der Disziplin. Allerdings muss ich auch mehr Anfragen ablehnen, als ich annehmen kann. Die Balance muss letztendlich immer stimmen.

Bleibt Ihnen überhaupt noch Zeit, zuhause für die Familie zu kochen?

Herrmann: Da nehme ich mir meistens was vom angeschlossenen Hotel mit und schwenke das nochmal in der Pfanne. Das spart einiges an Zeit. Auch hier geht's wieder um die Balance (lacht).