Trump: USA werden von allen anderen ausgenommen
In seiner abschließenden Pressekonferenz wählte Trump für sein Land - die größte Volkswirtschaft der Erde - das Bild eines "Sparschweins", das von allen ausgenommen werde, aber damit sei jetzt mal Schluss.
Wie selten zuvor düpierte der Amerikaner seine Partner. Vor dem Gipfel spreizte er sich, überhaupt zu kommen, auf dem Gipfel schenkte er Europäern und Kanadiern ein, am Ende klingelte er das Treffen satte fünf Stunden vor dem Ende ab und stieß markige Drohungen aus, während drinnen noch um Formulierungen gerungen wurde. Dann entschwand er, um Stunden nach Gipfelende den finalen Punkt zu setzen. Mehr Drama geht nicht.
Trudeau fand deutliche Worte
Trudeau, wiewohl sanft lächelnd, war nach Ende des Gipfels in der Tat deutlich geworden. Er hatte keinen Hehl aus Meinungsverschiedenheiten mit dem südlichen Nachbarn in Washington gemacht, war inhaltlich hart geblieben: Das mit den Zöllen, das gehe so nicht. Er dürfte stellvertretend für viele gesprochen haben.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich nach dem Gipfel dagegen deutlich zahmer gegeben als zuvor. Macron sah tatsächlich eine "Beruhigung" der G7. Nun, er ist Gastgeber der Gruppe im nächsten Jahr im schönen Biarritz - wenn es den Club dann noch gibt.
Hat der G7-Gipfel noch eine Zukunft?
Trump hat diesen Gipfel dominiert wie niemand anders. Magnet aller Aufmerksamkeit, Bestimmer jeder Agenda, auch diesen Gipfel hat er eingeschmolzen in die große Reality Show, zu der er Politik umformt. Ob er seinen Vorschlag ernst meint, Russland wieder in eine Gruppe der G8 zu holen, weiß man nicht. Es wird bis auf weiteres eh nichts werden, weiß doch zunächst niemand, was nach der annullierten Unterstützung der USA für die Abschlusserklärung nun passieren soll.
Gleichwohl wird sich die G7 fragen müssen, ob die Zukunft dieses Formats tatsächlich darin bestehen kann, sich einmal im Jahr rituell in malerischer Abgeschiedenheit ihrer selbst zu vergewissern. In einigen Berichten klang Sympathie dafür an, dass Trump das langweilt.
Europa beschwor die Gemeinsamkeit - Trump geht seinen Weg
Am St. Lorenz Strom sind parallele Universen zutage getreten. In einem davon agiert Trump. Die Europäer beschworen dagegen die Gemeinsamkeit, wussten in diesem Moment der Wahrheit aber nicht so recht, wie sie diesen gestalten sollen. Ihnen bleibt erstmal nur Schadensbegrenzung.
Nach 70 Jahren westlicher Allianz bringen anderthalb Jahre Trump Europa nahe heran an ein fundamentales Eingeständnis. Dass eintritt, was man schon länger befürchtet: Es könnte vielleicht schiefgehen mit diesen USA. Man ist sich sehr fremd geworden. Da mochte Trump, noch in Kanada, die Beziehungen zu den anderen Lenkern noch so sehr als "perfekt" beschreiben.
Trump geht weiter seinen Weg von Tag zu Tag. Eine irgendwie größere Landkarte gibt es nicht. Die gemeinsame Erklärung der G7, sie wollte noch zudecken, was innerlich zerbröselt: Was ist ein wiederholtes Bekenntnis gegen Protektionismus im wirklichen Leben wert, wenn ein Handelskrieg droht? Manchmal klaffen die Welten weit auseinander. Reporter, die mit Trump nach Asien reisen, beschrieben den Flug aus Kanada bei der Zwischenlandung auf Kreta als "weitgehend ereignislos".
Abgesehen von zwei Tweets.
Trump treibt neuen Keil in G7: Russland soll zurückkehren