Spieder-Man, Hulk, Thor und X-Man - Sie und viele andere Comic-Helden erweckte Stan Lee zu Leben. Der kreative Kopf der Marvelproduktionen ist am Montag im Alter von 95 Jahren in Los Angeles verstorben, wie der Anwalt von Lees Familie, Kirk Schenck, mitteilte. Hollywood-Stars wie Robert Downey Jr., Ryan Reynolds, Hugh Jackman und Halle Berry, aber auch Comic-Fans trauern um Stan Lee: Nach dem Tod der amerikanischen Comic-Legende gab es in der Nacht zum Dienstag eine Flut von Würdigungen für den Schöpfer von Comicfiguren.

"Ich verdanke dir alles", schrieb "Iron Man"-Star Robert Downey Jr. auf Instagram. Dazu stellte er ein Foto von sich und Lee, mit einem großen roten Herzen verziert. Über Jahrzehnte hinweg habe er jungen und alten Fans Abenteuer, Inspiration, Freude und Stärke gegeben, würdigte "Captain America"-Darsteller Chris Evans Lees Verdienste. "Verdammt...Ruhe in Frieden Stan. Danke für alles", schrieb "Deadpool"-Star Ryan Reynolds in einem Tweet. "Ich fühle mich so geehrt, eine Rolle in deiner Welt gespielt zu haben", erklärte Oscar-Preisträgerin Halle Berry, die "Storm" in "X-Men" porträtierte. "Wolverine"-Darsteller Hugh Jackman trauerte um ein "kreatives Genie".

Der 1922 in New York geborene Stanley Martin Lieber, Sohn rumänischer Einwanderer, war noch ein Teenager, als er 1939 als Assistent beim Verlag Timely Comics begann, der später Marvel heißen sollte. Seine Lückenfüller-Texte in Ausgabe 3 des "Captain America"-Comics im Jahr 1941 werden als Debüt in einer Karriere voller "POW!" und "BANG!" gesehen. Kurz darauf schuf er mit "Destroyer" seine erste eigene Comicfigur und stand mit Künstlernamen Stan Lee im Heft, was später auch sein bürgerlicher Name wurde.

Erster Erfolg mit Fantastic Four

Die anderen zwei Mitarbeiter überwarfen sich mit dem Verleger, und so schmiss der Junge aus der Bronx den Laden kurzerhand allein. Mit eigenen Comicserien half er dem Haus, finanziell klamme Zeiten in den 1940er und 1950er Jahren durchzustehen. Seine 1961 mit Zeichner Jack Kirby entwickelten "Fantastic Four" wurden zum Konterentwurf der "Justice League" vom Rivalen DC Comics, zu der unter anderem "Superman", "Batman", "Wonder Woman" und "Green Lantern" zählten. Die vier Astronauten, die nach einem Vorfall im Weltall übernatürliche Kräfte haben, machten Marvel zu einer treibenden Kraft im wachsenden Comic-Universum. Ein Jahr darauf folgte "Spider-Man".

Sogar eine eigene "Marvel-Methode" wird Lee zugeschrieben, mit der die Hefte noch schneller produziert werden konnten: Statt dem im Voraus üblichen Drehbuch gab er nur grobe Angaben zum Verlauf einer Geschichte und den Zeichnern damit sehr freie Hand. Möglich war das nur dank großem Vertrauen unter den Kollegen, denn Zeit für Korrekturen blieb am Ende kaum. Insgesamt schuf Lee mit Kirby, Steve Ditko und anderen Kollegen rund 350 Comicfiguren. Mit seinem Konterfei - weiße Haare, Schnurrbart, Flieger-Sonnenbrille - wurde er bald selbst eine Art Meta-Superheld.

Die Helden hatten menschliche Attribute

Lee setzte anders als die Konkurrenz auf menschliche, natürliche Seiten der übernatürlichen Helden: "Daredevil" ist blind, "Hulk" hat unkontrollierte Wutausbrüche. Auch die "X-Men"-Figuren haben körperliche, geistige oder Verhaltens-Schwächen. Und Streber Peter Parker, der als "Spider-Man", ein Ungeziefer, die Wände von Hochhäusern erklimmt, sollte als "durchschnittlicher, schludriger Junge" erscheinen, sagte Lee. "Batman" lebt dagegen privat als Millionär Bruce Wayne, "Superman" kommt als allmächtiger Adonis vom Himmel geflogen.

"Ich wusste nie, wer diese Charaktere sind", sagte Lee 2013 mit Blick auf Helden anderer Verlage. "Übernatürliche Kräfte heißen denke ich nicht, dass es keine Charakterschwächen gibt, Familienprobleme oder sogar Geldsorgen. Ich habe versucht, Figuren als menschliche Wesen zu schreiben, die auch übernatürliche Kräfte haben." Ein Superheld mit Schwächen sei ein "großartiges Vorbild", schrieb die Zeitschrift "Psychology Today". Ein Teil des Erwachsenwerdens sei schließlich, eigene Schwächen zu erkennen und damit zu leben.

Er besaß ein Vermögen von schätzungsweise 50 Millionen Dollar

Lees eigene Schwäche war ihm zufolge, dass er mit seinen Erfindungen nicht viel Geld verdiente, auch nicht als Marvel-Verleger und Chefredakteur von 1972 an. "Ich war geschäftlich gesehen dumm. Ich hätte gieriger sein sollen", sagte er 2017 - sein Vermögen wurde allerdings auf rund 50 Millionen Dollar (40 Mio Euro) geschätzt. Dem "Hollywood Reporter" zufolge lieferte sich Lees Tochter J.C. mit dem Vater bittere Kämpfe über die Zukunft des Vermögens. Die Rede war von einer "zunehmend giftigen und kämpferischen Situation". Lees Ehefrau Joan starb 2017 im Alter von 93 Jahren.