Frankfurt am Main
Terrorismus

Nach Terror-Razzia: Festgenommene Syrer kommen frei - kein hinreichender Tatverdacht

Die am Dienstag festgenommenen Syrer kommen wieder frei. Laut der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt habe sich "kein hinreichender Tatverdacht" ergeben.
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Wegen Terrorverdachts sind am Dienstag in mehreren deutschen Städten insgesamt sechs Syrer festgenommen worden. Die Ermittler prüfen nun weitere Schritte. Foto: Boris Roessler/dpa
Wegen Terrorverdachts sind am Dienstag in mehreren deutschen Städten insgesamt sechs Syrer festgenommen worden. Die Ermittler prüfen nun weitere Schritte. Foto: Boris Roessler/dpa
Nach der Festnahme von sechs Syrern wegen Terrorverdachts hat sich nach Angaben der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft "kein hinreichender Tatverdacht" ergeben. "Sie kommen in diesen Minuten auf freien Fuß", sagte ein Sprecher der Behörde am frühen Mittwochabend.

Die Auswertung der Daten der Mobiltelefone der Männer im Alter von 20 bis 28 Jahren hätten "zum jetzigen Zeitpunkt" einen dringenden Verdacht nicht bekräftigen können, sagte der Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe auch keine entsprechend belastenden Hinweise auf eine Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) - wohl aber "IS-Bezüge".

Konkrete Hinweise auf einen Anschlag, ein Anschlagsziel oder -szenario hätten bisher nicht nachgewiesen werden können. "Wir werten aber die Daten weiterhin aus." In ihren Aussagen hätten die Männer die ihnen zur Last gelegten Anschlagspläne auf ein öffentliches Ziel in Deutschland bestritten. "Sie zeigen sich kooperativ und haben Angaben zum Sachverhalt gemacht."


Weder Waffen noch Sprengstoff gefunden

Das bei Durchsuchungen in Essen, Hannover, Kassel und Leipzig sicher gestellte Material werde ebenfalls weiter ausgewertet. Polizisten hatten dort am frühen Dienstagmorgen Wohnungen durchsucht. Weder Waffen noch Sprengstoff wurden gefunden.

Die Aktion der Ermittler in vier Bundesländern wertete der Behördensprecher aber gleichwohl als Erfolg. "Wir sind zu einem sehr frühen Zeitpunkt in die Maßnahme gegangen", sagte der Sprecher zu den Durchsuchungen und Festnahmen am Dienstag, als die Ermittler von einem "frühen Stadium" von Anschlagsvorbereitungen ausgingen. "Das Sicherheitskonzept hat reibungslos gegriffen." In Medienberichten waren der Essener Weihnachtsmarkt oder ein Einkaufszentrum in Essen als Ziele von Ausspähversuchen genannt worden.

Bei der Durchsuchung der Wohnungen der sechs Männer waren außer den Mobiltelefonen auch Laptops und Tablets sichergestellt worden. Die Auswertung des Materials wurde auch durch die notwendigen Übersetzungen aus dem Arabischen erschwert.

Bei der Aktion waren am Dienstag sechs Männer im Alter von 20 bis 28 Jahren festgenommen worden. Sie sollen als Mitglieder der Terrormiliz IS einen Anschlag auf ein öffentliches Ziel in Deutschland geplant haben. Drei der Terrorverdächtigen wurden während der Durchsuchung von acht Wohnungen in Kassel festgenommen, die anderen in Hannover, Essen und Leipzig.


Anschlag auf öffentliche Veranstaltung

Die Anschlagsplanungen waren den Ermittlungen zufolge noch nicht abgeschlossen, sollen sich aber gegen ein öffentliches Ziel in Deutschland gerichtet haben. Hinweise auf ein konkretes Ziel gebe es aber noch nicht, sagte Staatsanwalt Christian Hartwig.

Vier der Verdächtigen sind im Dezember 2014 als Asylsuchende nach Deutschland eingereist. Die anderen kamen im August und September 2015. Rund 500 Polizeibeamte waren an den Durchsuchungen beteiligt. Dabei wurden nach Darstellung der Staatsanwaltschaft verschiedene Speichermedien wie Mobiltelefone und Laptops sowie Dokumente sichergestellt. Ermittelt wird wegen der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat.

Nach Informationen der Tageszeitung "Die Welt" haben andere Flüchtlinge die Ermittler auf die Spur der Verdächtigen gebracht. Diese Zeugen hätten angegeben, dass die Männer IS-Kämpfer in Syrien waren. Die Staatsanwaltschaft bestätigte dies zunächst nicht. Der hessische Rundfunk will aus Ermittlerkreisen erfahren haben, dass die Verdächtigen einen Anschlag auf den Essener Weihnachtsmarkt geplant hatten. Offiziell gibt es hierzu keine Bestätigung.