München
Prozess

Terror-Prozess: Ließ eine 27-jährige Deutsche ein kleines Mädchen verdursten?

Es ist ein grauenhafter Vorwurf: Eine Deutsche soll als IS-Anhängerin im Irak dabei zugesehen haben, wie ein kleines, jesidisches Mädchen qualvoll verdurstete. Der aufsehenerregende Prozess, der nun in München beginnt, macht Jesiden auf der ganzen Welt trotzdem Hoffnung.
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Eine Deutsche soll als IS-Anhängerin im Irak dabei zugesehen haben, wie ein kleines, jesidisches Mädchen qualvoll verdurstete. Foto: Peter Kneffel/dpa
Eine Deutsche soll als IS-Anhängerin im Irak dabei zugesehen haben, wie ein kleines, jesidisches Mädchen qualvoll verdurstete. Foto: Peter Kneffel/dpa

Sie soll zugesehen haben, als ein fünfjähriges Mädchen verdurstete: Vor dem Oberlandesgericht (OLG) München begann am Dienstag um 9.30 Uhr der Prozess gegen eine junge Deutsche, die sich dem Islamischen Staat (IS) im Irak angeschlossen haben soll. Die Bundesanwaltschaft wirft der 27-Jährigen aus Niedersachsen Mord vor, Kriegsverbrechen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Sie soll im Sommer 2015 gemeinsam mit ihrem Mann ein kleines Mädchen aus einer Gruppe jesidischer Kriegsgefangener als Sklavin gekauft haben. Weil das Kind ins Bett gemacht hatte, soll der Mann es zur Strafe in sengender Sonne angekettet haben, wo es qualvoll verdurstete. Die Angeklagte soll nichts dagegen unternommen haben. Der Vorwurf: Mord durch Unterlassen.

Nach der Verlesung der Anklage wurde der Prozess bis zum 29. April unterbrochen. Hintergrund ist nach Angaben der Bundesanwaltschaft, dass die Mutter des Mädchens ausfindig gemacht wurde und als Zeugin zur Verfügung steht. Die Mutter des Mädchens tritt in dem aufsehenerregenden Verfahren als Nebenklägerin auf; die bekannte Menschenrechtlerin Amal Clooney ist eine ihrer Anwältinnen. "Jesidische Opfer warten schon viel zu lange auf ihre Gelegenheit, vor Gericht auszusagen", sagte Clooney laut einer gemeinsamen Mitteilung der Nebenklage und der jesidischen Organisation Yazda. Sie dankte den deutschen Anklägern für ihren Einsatz. Ob die Frau von Schauspieler George Clooney selbst zur Verhandlung erscheinen wird, war bis zuletzt offen. Die Mutter des Kindes wird nach Angaben der Nebenklage zum Auftakt nicht erscheinen, aber zu einem späteren Zeitpunkt aussagen müssen.

Weltweit erste Anklage wegen Straftaten gegen Jesiden

Nach Angaben von Yazda handelt es sich um die weltweit erste Anklage wegen Straftaten von IS-Mitgliedern gegen die religiöse Minderheit der Jesiden. Die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad nannte den Prozess einen großen Moment und ein wichtiges Verfahren für alle jesidischen Überlebenden. "Jeder Überlebende, mit dem ich gesprochen habe, wartet auf ein und dieselbe Sache: Dass die Täter für ihre Taten gegen die Jesiden, insbesondere gegen Frauen und Kinder, verfolgt und vor Gericht gestellt werden."

Das OLG München befasst sich - wie andere größere Oberlandesgerichte in Stuttgart, Frankfurt, Hamburg oder Düsseldorf auch - schwerpunktmäßig mit Terrorverdächtigen, die aus Syrien oder dem Irak zurückkehren. In den Jahren 2017/18 waren dort nach Angaben eines Sprechers 15 Verfahren mit 22 Angeklagten anhängig, darunter fünf mutmaßliche IS-Kämpfer. Nach Angaben des Sprechers ist es das erste Mal, dass sich mit der angeklagten Niedersächsin eine terrorverdächtige Frau in einem solchen Verfahren am Münchner OLG verantworten muss.

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