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Terrorismus

Terror in Barcelona: Mutmaßlicher Attentäter in Cambrils getötet

Bei dem Anschlag in Barcelona wurden auch 13 Deutsche verletzt. Den spanischen Behörden gelang eine weitere Festnahme. Die Lage in Spanien im Überblick.
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Bei dem Anschlag in Barcelona wurden auch 13 Deutsche verletzt. Den spanischen Behörden gelang eine weitere Festnahme. Die Lage in Spanien im Überblick. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa
Bei dem Anschlag in Barcelona wurden auch 13 Deutsche verletzt. Den spanischen Behörden gelang eine weitere Festnahme. Die Lage in Spanien im Überblick. Foto: Manu Fernandez/AP/dpa
Der mutmaßliche Haupttäter des Terroranschlags in Barcelona ist spanischen Medienberichten zufolge tot. Er sei unter den Terroristen gewesen, die in der Nacht zum Freitag in der Küstenstadt Cambrils erschossen worden seien, berichteten die Zeitung "El País" und andere Medien am Abend unter Berufung auf Polizeikreise. Sie nannten aber nicht den Namen des Verdächtigen oder andere Einzelheiten.

Polizeichef Josep Lluís Trapero hatte bereits einige Stunden zuvor angedeutet, dass der Fahrer des Tatfahrzeugs von Barcelona unter den mutmaßlichen Terroristen sein könnte, die Polizisten bei einem vereitelten Anschlag in Cambrils töteten. Die Ermittlungen gingen in diese Richtung, wurde Trapero zitiert.

Die Sicherheitskräfte hatten zuvor mitgeteilt, sie fahndeten nach einem 17-jährigen mit dem Namen Moussa Oukabir als Haupttäter. Er soll seinem älteren Bruder dessen Pass gestohlen und damit den Transporter angemietet haben, mit dem Terroranschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas verübt wurde.

Bei dem islamistischen Anschlag in Barcelona sind nach Angaben des Auswärtigen Amts 13 Deutsche teils lebensgefährlich verletzt worden. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch unter den 13 Todesopfern deutsche Staatsangehörige seien, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, am Freitag in Berlin.

Terroristen hatten auf Barcelonas berühmter Flaniermeile Las Ramblas nach Angaben der Behörden mindestens 13 Menschen getötet. Etwa 90 weitere Menschen wurden verletzt, nachdem ein Lieferwagen am Donnerstag mit hohem Tempo in eine Menschenmenge gerast war.
Wenige Stunden nach dem Terrorakt wurden bei einer Polizeioperation etwa 100 Kilometer südlich von Barcelona fünf mutmaßliche Terroristen erschossen. Die Attentäter von Barcelona und Cambrils gehörten offenbar einer einzigen Terrorzelle an. Dies berichtete die spanische Zeitung "El País" am Freitag unter Berufung auf Anti-Terror-Experten. Den Angaben zufolge soll sich die Zelle aus zwölf Personen zusammengesetzt haben.


Merkel zum Einfluss des Anschlags auf den Wahlkampf in Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat nach dem Terroranschlag in Barcelona dazu aufgerufen, die freie westliche Lebensweise nicht aufzugeben. Den Mördern dürfe nicht gestattet werden, "dass sie uns von unserem Weg abbringen, von unserer Art zu leben", sagte Merkel am Freitag in Berlin. Der Terrorismus könne "tieftraurige Stunden" bereiten, "aber besiegen kann er uns nie", sagte sie. Die CDU-Parteichefin war zu dem Zeitpunkt bei einem Wahlkampftermin. Der Wahlkampf solle trotz des Anschlags in Barcelona weitergehen, kündigte Merkel an.

Nach ihren Angaben gibt es eine Verständigung unter den Parteien, den Wahlkampf als "Feier der Demokratie" auch als Zeichen gegen den Terrorismus nicht auszusetzen, bei Veranstaltungen aber das schreckliche Ereignis von Barcelona zu berücksichtigen. So soll laut Merkel auf laute Musik verzichtet werden. Zudem solle es Gedenkminuten geben.


Seehofer spricht nach Terrorattacken von "barbarischem Akt"


CSU-Chef Horst Seehofer hat die islamistische Bluttat von Barcelona mit mindestens 13 Toten und die vereitelte Attacke im Badeort Cambrils als "feige Terroranschläge" bezeichnet. "Dieser barbarische Akt in einer so lebensfrohen europäischen Stadt wie Barcelona war ein weiterer Angriff auf ganz Europa und die gesamte freie westliche Welt", sagte der bayerische Ministerpräsident. Für Freitag ordnete er Trauerbeflaggung an allen staatlichen Dienstgebäuden in Bayern an. Die Gedanken und Gebete seien bei den Angehörigen, die Menschen verloren haben oder in Sorge sind.


Internationales Presseecho: Brutale Attacke auf westliche Lebensweise

Der Terroranschlag von Barcelona ist nach Einschätzung internationaler Medien auch ein Schlag gegen die westliche Lebensart. Nach der tödlichen Attacke mit einem Lieferwagen weisen viele Blätter auch darauf hin, dass diese Form von islamistischen Angriffen gegen "weiche" Ziele trotz aller Anstrengungen zur Terrorabwehr nur schwer zu verhindern ist und absolute Sicherheit eine Illusion bleibt.

"Sud-Ouest" (Frankreich): "Dieser erneute brutale Angriff auf ihre Lebensweise muss die Europäer noch enger zusammenschweißen in ihrem Widerstand gegenüber dieser abstoßenden Erpressung, der sie ausgesetzt sind. Genau wie sie sich im November 2015 als Pariser, im März 2016 als Belgier, im Dezember 2016 als Berliner und im Frühjahr 2017 als Londoner oder Schweden gefühlt haben, können sie sich seit gestern umso mehr als "Barcelonés" fühlen."
"The Guardian" (Großbritannien): "Spanien hat nach den Anschlägen von 2004 kräftig in Kapazitäten zur Informationsbeschaffung und Terrorbekämpfung investiert. Das hat das Land 13 Jahre lang vor islamistischem Terror bewahrt. (...). Die letzte harte Lektion ist, dass es immer etwas oder jemanden gibt, der mit seinen Plänen am Ende doch durchkommt."

"Times" (Großbritannien): "Nizza, Berlin, London, Stockholm. (...) Wie soll das enden? Bei jedem Anschlag wird diese Frage sofort (...) gestellt. Und wenn sich die Verdächtigen als radikalisierte Islamisten erweisen (...), beinhaltet die beste Antwort, die man anbieten kann, die Bekämpfung der tieferen Ursachen des Problemes - nämlich einer fanatischen Verzerrung des Islams, die einen Todeskult hervorbringt, der nicht mehr als eine Kreditkarte, eine Fahrerlaubnis und das Internet braucht, um zu gedeihen." 

"De Tijd" (Belgien): "Der Anschlag in Barcelona macht schmerzhaft deutlich, dass die Terrordrohung in Europa noch lange nicht vorbei ist. Und die Ziele werden immer "weicher" und somit schwerer zu beschützen. (...) Das Risiko solcher Anschläge nimmt zu, je mehr die Terrororganisation IS daheim in Bedrängnis gerät. Der Anschlag auf der Promenade Las Ramblas lehrt, dass absolute Sicherheit eine Illusion ist, wie sehr sich die Behörden auch bemühen und welch drakonische Sicherheitsmaßnahmen auch immer getroffen werden."

"Kathimerini" (Griechenland): "Terroranschläge sind nun Routine in Europa geworden. Ziel ist die westliche Lebensart. (...) Europa muss starke Mechanismen zur Konfrontation mit dem Terrorismus bekommen. Solidaritätserklärungen und (...) Statements der Verurteilung reichen nicht mehr, nachdem die Terroristen zugeschlagen haben. Wir brauchen Taten."

"Der Standard" (Österreich): "Es kann jeden treffen. Wie sehr man sich im Alltag davon beeinträchtigen lässt, kann jeder selbst bestimmen. (...) Das Bekenntnis zu einer offenen Stadt (...) ist ein leeres Versprechen, denn Spanien hat sich seit den Anschlägen von Atocha 2004, bei denen 191 Menschen umkamen, verändert. (...) Aber wie wir in den vergangenen Monaten gesehen haben, braucht es nicht sehr viel, um Menschen zu töten: ein Lieferwagen reicht aus. Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit, nirgendwo. Und es kann überall passieren, sogar im Urlaub."

"Corriere della Sera" (Italien): "Ihre Vorstellung von Krieg ist es, junge Leute beim Ausgehen an einem Donnerstagabend im Sommer zu töten. (...) Ein großer freier Kontinent wie Europa darf einer primitiven Ideologie, die an Boden verliert, nicht nachgeben."

"El País" (Spanien): "Terrorismus sucht sich seine Feinde bewusst aus und hat dieses Mal eine Stadt ausgewählt, die wie keine andere den Geist von Offenheit, Demokratie und Pluralität repräsentiert, den dieser Radikalismus beenden will. (...) Aber auch gegen ein Land - Spanien - das seit dem schmerzhaften 11. März 2004 einen unermüdlichen Kampf gegen den Terrorismus führt, und einen Kontinent - Europa - der zur Frontlinie für den extremistischen Islam geworden ist, der dessen Werten zerstören möchte."

"El Mundo" (Spanien): "Der Terrorangriff gestern des Islamischen Staates in der Mitte von Barcelona zeigt, dass Dschihadismus zweifelslos die größte Gefahr für Frieden und Sicherheit in der Welt ist. Die Attentäter (...) zeigten, dass ihr Heiliger Krieg ohne Unterlass ist (...) gegen alle jene Nationen, die sie als Ungläubige ansehen."

"La Vanguardia" (Spanien): "Trotz des Schmerzes, der Wut und der Machtlosigkeit müssen wir uns bemühen, die für die Kultur Europas und Barcelonas typischen Werte von Offenheit und Integration zu erhalten (...). (...) Doch gleichzeitig müssen wir versuchen, Terrorismus mit einem Höchstmaß an Klugheit und größtmöglicher Zusammenarbeit von Politik, Justiz und Polizei und natürlich auch aller spanischen Regierungen und Sicherheitsorganisationen zu bekämpfen."

"Al-Dschumhurija" (Libanon): "Die Diskussion konzentrierte sich auf die Frage, ob die Strategie, die Köpfe von Daesch (des IS) zu töten, die Gefahr bannt. (...) Es herrscht jetzt die Angst, dass die Zerstörung der Bastionen des Daesch-Reiches (im Irak und in Syrien) nicht zwangsläufig die Zerstörung der Organisation zur Folge hat, sondern den Weg bereitet für die Geburt einer neuen Version (des IS), die sich durch eine noch größere Terrorgefahr auszeichnet."

"Lidove noviny" (Tschechien): "Die Woche begann mit einer Fahrt in eine Menschenmenge in den USA und Schlagzeilen wie "Das Böse hat einen Namen: Es ist die Überlegenheit der Weißen". Welchen Namen bekommt das Böse in Barcelona? Wird es genauso an den Pranger gestellt wie in den USA? Werden die Politiker Spaniens unter dem gleichen Druck wie (US-Präsident Donald) Trump stehen, die Ideologie der Täter ohne Relativierungen und Ausreden zu verurteilen? Denn erst dann wird man sagen können, dass die Eliten etwas gegen Angst und Verunsicherung unternehmen."

"Adevarul" (Rumänien): "Brauchen wir ein europäisches Reaktionssystem, eine europäische Informationsagentur, gepaart mit einer europäischen Gesetzgebung, die es erlaubt, eine multinationale Reaktionstruppe aufzustellen, die ausschließlich auf Anti-Terror-Einsätze spezialisiert ist und auch Missionen außerhalb Europas bekommen kann? (...) Solange wir keine konkrete Antwort auf diese Frage haben, werden wir weiter im heutigen Klima der Unsicherheit leben, mit der einzigen Gewissheit, dass die Terrornetzwerke sich frei bewegen können (...)."

"Magyar Idök" (Ungarn): "Es reicht! Die, denen Europa nicht gefällt, die europäische Kultur, die hiesigen Gebräuche, sollen abhauen! Es ist völlig egal, ob sie der ersten oder x-ten Generation angehören, wo sie geboren sind, sie sollen dorthin gehen, wo sie solche in die Luft jagen, erschießen, mit Lieferautos niederfahren und mit Messern niederstechen können, die so ähnlich sind wie sie, doch von hier sollen sie sich sofort entfernen."