Bamberg
Telefonaktion

Telefonaktion: Raus aus der Schuldenfalle

Am Dienstag, 4. Juni, stehen unseren Lesern von 16 bis 18 Uhr zwei Schuldner- und Insolvenzberater Rede und Antwort.
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In Deutschland ist es nicht nur schwer, Wohnungen zu finden, die Mieten sind für viele Menschen unbezahlbar.  Diesem Thema widmet sich  die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung. Illustration: Milltown
In Deutschland ist es nicht nur schwer, Wohnungen zu finden, die Mieten sind für viele Menschen unbezahlbar. Diesem Thema widmet sich die bundesweite Aktionswoche Schuldnerberatung. Illustration: Milltown
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Für viele Menschen in Deutschland ist es ein großes Problem, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Dieses Thema greift auch die bundesweite "Aktionswoche Schuldnerberatung" auf, die vom 3. bis 7. Juni unter dem Motto "Albtraum Miete" steht. Diese Zeitung beteiligt sich mit einer Telefonaktion am Dienstag, 4. Juni.

Von 16 bis 18 Uhr stehen zwei Experten Rede und Antwort: Sibylle Pleißner vom Diakonischen Werk Bamberg-Forchheim und Wolfgang Ceming vom Caritasverband Bamberg. Sie gehören einem Netzwerk für Schuldner- und Insolvenzberatung an, für das die Landkreise Bamberg und Forchheim sowie die Stadt Bamberg eine Kooperation unterzeichnet haben.

So erreichen Sie unsere Experten

Sibylle Pleißner ist Schuldner- und Insolvenzberaterin beim Diakonischen Werk Bamberg-Forchheim. Sie gibt bei unserer Telefonaktion Rat in allen Fragen zum Thema Schulden unter der Durchwahl 0951/188-221.

Wolfgang Ceming ist Schuldner- und Insolvenzberater des Caritasverbandes Bamberg.

Bei unserer Telefonaktion steht er für alle Fragen zum Thema Schulden unter der Nummer 0951/188-226 zur Verfügung.

Neue Kooperation

Bis Ende 2018 war der Freistaat Bayern für die Insolvenzberatung verantwortlich. Per Gesetz hat das Land diese Aufgabe ab 2019 an die Landkreise und kreisfreien Städte übertragen. Den Kommunen entstehen keine zusätzlichen Kosten, da der Freistaat die nötigen finanziellen Mittel bereitstellt.

Mittelfristig sollen Insolvenzberatung und Schuldnerberatung unter einem Dach und aus einer Hand geleistet werden. In der Region Bamberg und Forchheim arbeiten deshalb nun drei gemeinnützige Träger eng zusammen: Die Caritas für die Stadt Bamberg und den Landkreis Forchheim, das Diakonische Werk Bamberg-Forchheim und die Gesellschaft zur Förderung beruflicher und sozialer Integration (gfi). Die Beratungen werden in Bamberg und in Forchheim angeboten und sollen den Bürgern einen schnellen Zugang zu einer qualifizierten Insolvenzberatung ermöglichen.

Perspektive ohne Überschuldung

Grundsätzlich gilt für die Insolvenzberatung: Sie soll überschuldeten Menschen bei der Bewältigung ihrer finanziellen und sozialen Probleme helfen, um ihnen wieder eine Perspektive ohne Überschuldung zu eröffnen und eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. "Denn schon der Zugang auf den Wohnungsmarkt ist für Überschuldete schwierig, was unter anderem mit der den Vermietern häufig vorzulegenden Schufa-Auskunft zu tun hat", sagen Pleißner und Ceming.

Dazu hat die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände anlässlich der bundesweiten "Aktionswoche Schuldnerberatung" ein Forderungspapier herausgegeben. "Betroffene sind häufig mit ihrer Situation überfordert und setzen falsche Schwerpunkte. Teilweise ist der Druck der Gläubiger so groß, dass Ratenzahlungen geleistet werden und für die Miete kein Geld mehr übrig bleibt. Auch sind ihnen Beratungsdienste und Hilfsangebote nicht bekannt", sagen die Experten unserer Telefonaktion.

Geringverdiener im Nachteil

Die durchaus mögliche Übernahme von Mietschulden durch Jobcenter oder Sozialämter müsse beantragt werden, was den Überschuldeten aus unterschiedlichen Gründen häufig schwerfalle. Geringverdienenden machen die steigenden Mieten zusätzlich zu schaffen. "Sie müssen einen immer größer werdenden Anteil des Verdienstes für die Unterkunft ausgeben", sagen die Berater. "Gerade für Bezieher von Grundsicherungsleistungen wird es immer schwieriger, weil die Jobcenter diese Kosten nur im Rahmen ihrer Vorgaben anerkennen. Das sind sichere Wege in die Überschuldung."

Schufa soll nicht "abstrafen"

Die Forderungen der "Aktionswoche Schuldnerberatung" gehen unter den Stichworten "Wohnraum finden - Wohnraum erhalten - Wohnraum sichern" an verschiedene Adressaten. So müsse der Sektor des sozialen Wohnungsbaus erheblich gestärkt werden, damit mehr bezahlbare Mietwohnungen geschaffen und dann auch erhalten werden.

Die Schufa sollte Überschuldete im Insolvenzverfahren nicht mit einer schlechteren "Benotung" abstrafen, da dieses Verfahren eine Form der Schuldenregulierung und somit nichts Negatives seien. Auch sollten die Negativmerkmale von Auskünften für Vermieter sich auf Miet- und ähnliche Schulden beschränken. Ebenso sind nach Ansicht der Schuldnerberater auch die Sozialleistungsträger gefordert. Die Grenzen für die anerkennungsfähigen Kosten wie Miet- und Heizkosten müssten realistisch sein und den Wohnungsmarkt abbilden. "Die Übernahme von Mietschulden sind so unbürokratisch wie irgend möglich zu organisieren", sagen Pleißner und Ceming.

Die Forderungen der Experten sind das eine, die Probleme der Betroffenen das andere. Deshalb werden bei unserer Telefonaktion ganz praktisch alle Fragen zum Thema beantwortet: Was bedeutet die Schufa-Auskunft für mich als Mieter? Oder: Darf der Vermieter fristlos kündigen, weil der Mieter seit zwei Monaten keine Miete mehr bezahlen konnte?

Dazu und zu allen anderen Fragen aus dem Bereich Schulden stehen Sibylle Pleißner und Wolfgang Ceming unseren Lesern am 4. Juni zwei Stunden lang zur Verfügung. Die Anrufe werden auf Wunsch anonym behandelt.