Der fünfmalige Champions-League-Sieger Toni Kroos von Real Madrid hat nach dem Finalsieg gegen den FC Liverpool ein TV-Interview abgebrochen. "Du hattest 90 Minuten, dir vernünftige Fragen zu überlegen, und dann stellst du mir zwei so Scheißfragen", antwortete der Ex-Weltmeister im Sieger-Interview des ZDF kurz nach dem 1:0.

Gefragt worden war der 32-Jährige, ob es überraschend gewesen sei, dass Real im Endspiel am Samstagabend im Stade de France so unter Druck geraten war. ZDF-Reporter Nils Kaben hat nun Toni Kroos für dessen harsche Reaktion kritisiert, aber auch eingeräumt, dass er eine Frage "ganz klar" besser hätte formulieren können. 

Update vom 31.05.2022: ZDF-Reporter räumt Fehler ein - erwartet aber auch Respekt

"Kroos hätte die Frage auch als Vorlage dafür nutzen können, darauf hinzuweisen, dass Real sich schon durch den ganzen Wettbewerb immer in schwierigen Situationen gerettet hatte", sagte Kaben dem Spiegel in einem Interview am Montag. Nach Rücksprache mit Kolleginnen und Kollegen sei man "ganz deutlich zu dem Schluss gekommen, dass man sich als Spieler so nicht benehmen sollte". Eine sachliche Frage zum Spielverlauf so ins Persönliche zu kippen, gehe nicht.

Er kenne Kroos anders, erwarte aber auch umgekehrt Respekt, sagte Kaben. "Bestenfalls ist es ein Missverständnis unter viel Adrenalin gewesen", erklärte der 54-Jährige weiter. Er rechnet nicht damit, dass der Zwischenfall weitere Folgen für das Verhältnis hat. "Ich glaube, dass Toni Kroos und ich drei Sätze darüber wechseln werden, wenn wir uns das nächste Mal begegnen. Und dann ist auch wieder gut."

Kroos hatte auf die Frage geantwortet, es sei "nicht überraschend, dass du gegen Liverpool in Bedrängnis gerätst" und hinzugefügt: "Was ist das für eine Frage, du spielst ja nicht ein Gruppenspiel irgendwo, wir spielen das Champions-League-Finale." Nach dem Ansatz einer weiteren Frage von Kaben ging Kroos einfach weg und schimpfte: "Ganz schlimm, ganz schlimm." Kaben erklärte grundsätzlich: "Wir und auch die allermeisten anderen Medienhäuser sind nun mal keine Fans. Wir sind die Begleiter der Teams."

Update vom 30.05.2022: Nach Kroos' "Scheißfragen"-Interview: Sportchef Fuhrmann bezieht Stellung

ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann findet den Verlauf des viel diskutierten TV-Interviews mit dem fünfmaligen Champions-League-Sieger Toni Kroos «bedauerlich». «Diese Situationen direkt nach dem Schlusspfiff sind immer besonders», sagte Fuhrmann der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. «Vielleicht hätte der Kollege noch etwas bei den Emotionen bleiben und ein wenig später zum Kern des Spiels kommen sollen. Grundsätzlich waren die Fragen berechtigt und kein Grund, das Interview abzubrechen.»

Real Madrids Mittelfeldspieler Kroos hatte nach dem Finalsieg gegen den FC Liverpool ein TV-Interview mit ZDF-Reporter Nils Kaben abgebrochen. «Du hattest 90 Minuten, dir vernünftige Fragen zu überlegen, und dann stellst du mir zwei so Scheißfragen», antwortete der Ex-Weltmeister kurz nach der Partie. Gefragt worden war der 32-Jährige, ob es überraschend gewesen sei, dass Real im Endspiel am Samstagabend im Stade de France so unter Druck geraten war.

Fuhrmann sagte: «Nils Kaben war auch verdutzt. Er wollte Toni Kroos nicht provozieren.» Ein klärendes Gespräch zwischen dem Fußballer und dem Journalisten hält er nicht für nötig. «Ich sehe da keine Notwendigkeit der Nachbereitung. Man sollte die Kirche im Dorf lassen», sagte Fuhrmann.

"Einer der Größten im Deutschen Fußball"

Auch Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann äußerte sich nach dem Interview-Abbruch - und zeigte Verständnis für Kroos' Reaktion. Für Hamann ist Kroos «einer der Größten im deutschen Fußball». In seiner Kolumne für den TV-Sender Sky schrieb Hamann: «Wenn ich die absolute Elite des deutschen Fußballs nehme, und dann sind wir bei Beckenbauer, Seeler und Matthäus, kommt Toni für mich gleich dahinter.» Kroos hatte mit Real Madrid am Samstag seinen fünften Titelgewinn in der Champions League gefeiert. «Das wird nie mehr ein Deutscher schaffen», urteilte Hamann.

Nach dem 1:0 im Finale gegen Jürgen Klopps FC Liverpool hatte Kroos für Wirbel gesorgt, als er ein ZDF-Interview abbrach, weil ihm die Fragen zur Leistung von Real nicht gefielen. «Man sieht so etwas nicht gern, aber ich habe ein Stück weit Verständnis für den Spieler», schrieb Hamann. Es habe am Auftritt der Königlichen nicht auszusetzen gegeben.

Ursprüngiche Meldung vom 29.05.2022: Kroos bricht TV-Interview verärgert ab

Bereits die vorige Frage hatte Kroos nicht gut aufgenommen. "Was ist schon selbstverständlich. Wir haben einen großen Fight geliefert, wir wussten, dass Liverpool eine super Mannschaft ist", antwortete Kroos darauf, ob der Sieg angesichts des Spielverlaufs nicht so selbstverständlich gewesen sei.

Mit seinem fünften Titel in der Meisterklasse ist Kroos nun gleich auf mit Rekordhalter Cristiano Ronaldo. "Das muss erstmal paar Tage sacken", sagte der 32-Jährige noch vor dem Interview-Abbruch. "Ich habe diesen Pokal einige Male gewonnen, aber das ist für mich ein ganz besonderer Tag, weil alle meine Kinder diesmal im Stadion sind."

ZDF-Experte Per Mertesacker, der mit Kroos 2014 in Brasilien gemeinsam Weltmeister geworden war, äußerte nach dem Interview: "Ich habe es auch schon erlebt, wo mir nach einem positiven Ausgang negative Fragen gestellt wurden."

Mertesacker hatte sich während der WM vor acht Jahren nach dem Achtelfinalsieg gegen Algerien verärgert über Fragen geäußert und den im deutschen Fußball inzwischen legendären Satz gesagt: "Ich lege mich jetzt erstmal drei Tage in die Eistonne."

mit dpa