Bamberg
EM 2016

Kommentar zur Uefa-Entscheidung gegen Russland: Gerechter Warnschuss

Russland sieht Gelb: Randalieren die Fans bei der Europameisterschaft erneut, fliegt die Mannschaft aus dem Turnier. Richtig so, meint unser Kommentator.
Gewalttätige Ausschreitungen: Hooligans nutzen die EM in Frankreich auch als ihr Spielfeld (das Foto entstand in Marseille vor der Partie zwischen England und Russland). Foto: Guillaume Horcajuelo, dpa
Gewalttätige Ausschreitungen: Hooligans nutzen die EM in Frankreich auch als ihr Spielfeld (das Foto entstand in Marseille vor der Partie zwischen England und Russland). Foto: Guillaume Horcajuelo, dpa
Es ist eine harte Strafe für Russland, die "Sbornaja", für Fans und Verband. Reflexartig muss sie kommen, die Frage: Ist es eine zu harte Bewährungsstrafe für eine Mannschaft mit Idioten im Gefolge? Nein, ist es nicht.
Die Uefa-Disziplinarkommission hat verurteilt, was im Stadion passiert ist - Russland steht somit zurecht am Pranger. Deshalb hinkt auch der Vergleich mit der Masse hirnloser Schläger aus anderen Nationen, die nun doch weiter ohne offizielle Verwarnung marodierend durch Frankreich ziehen könnten. Freilich ist hier auch der Ruf nach der ordnenden Hand des französischen Staates berechtigt, die Gewalt im öffentlichen Raum besser in den Griff zu bekommen: Nimmt man die Polizeipräsenz in viralen Videos russischer Hooligans zum Maßstab, klaffen in den Brennpunkten doch große Lücken.

Natürlich gehen Sanktionen immer zulasten des Sports und der Mannschaften. Trotzdem sind sie oft unausweichlich und fast immer richtig. Eben wie in den achtziger Jahren, als englische Vereine über Jahre von europäischen Fußball-Wettbewerben ausgeschlossen worden sind: Die todbringenden Gewaltexzesse der Liverpooler Gefolgschaft in Brüssel sind Szenen, die es mit allen Mitteln zu verhindern gilt.

Sicher haben sich die Zeiten geändert. Mit ihnen nicht nur das Bild der Hooligans, sondern auch der Schwerpunkt ihres unsäglichen Schaffens. War es gestern eine Subkultur von "Althauern" aus West Ham oder Chelsea, die Angst und Schrecken verbreitete, sind es heute professionell organisierte Banden in den osteuropäischen Ligen: Offen zur Schau gestellter Rassismus sowie homophobe und antisemitische Schmähgesänge gehören dort zum Spieltag wie hierzulande die Sportschau am Samstagabend. Herausragend auch hier: Russland, beispielsweise ZSKA Moskau oder Zenit Sankt Petersburg. Und genau das macht das Urteil der Uefa umso mehr zu einem wichtigen Zeichen gen Osten, generell konsequenter mit Gewalt im Umfeld des Fußballs umzugehen.
Strafmildernde Umstände hingegen gibt es für Russland wenige bis keine. Dass der in Richtung der russischen Hools "Prachtkerle" und ein herzliches "Weiter so!" skandierende Parlaments-Vizepräsident Igor Lebedew auch noch mit an der Spitze des Fußballverbands steht - geschenkt.

Fußballfreunde wollen keine Jagdszenen sehen, mit Sicherheit auch weder gewaltverherrlichende Aussagen von Funktionären noch Schmähgesänge von den Rängen hören. Insofern ist das Urteil der Uefa im Interesse der Fans. Was den Sport betrifft, liegt der Ball nun bei Russland, aber eben auch England und nicht zuletzt Ausrichter Frankreich: Das Urteil ist ein Startschuss für konsequentes Handeln - mit der Prämisse, dass ein Ausschluss bestenfalls nie ausgesprochen werden muss.