Bei Erfolgen wollte Andrea Trinchieri schon einen «olympischen Pool voller Rotwein» trinken und sich eine Zigarre gönnen. Vor dem nächsten großen Europa-Abenteuer der Basketballer des FC Bayern München hat der rhetorisch kreative Chefcoach schon die nächsten starken Bilder im Kopf.

Er verglich die anstehende Saison samt Euroleague-Hatz mit dem Giro d'Italia der Radprofis. «Jeder Italiener hat ein Fahrrad, jeder kennt den Giro und es gibt viele Rennetappen», sagte Trinchieri, selbst Italiener. Aber von Bedeutung sei nur «das Stadion Vigarello», der Zielort in Mailand.

Für den ambitionierten Münchner Club, der nach dem Fußball auch im Basketball in die internationale Spitze aufrücken will, heißt der eigens ausgegebene Giro-Zielort: Berlin. In der Stadt des nationalen Dauerrivalen Alba steigt vom 27. bis 29. Mai 2022 das Final Four der Euroleague, das bisher noch kein deutscher Club erreicht hat und das die Bayern in der abgelaufenen Spielzeit nur haarscharf verpassten.

Europäische Spitze anvisiert

«Unser Ziel ist ganz klar, den nächsten Schritt zu gehen. Die Mannschaft weiter zu verstärken, um unser Ziel zu erreichen, auf die Dauer dann in die europäische Spitze zu gelangen», sagte Präsident Herbert Hainer. Bis Berlin ist der Weg aber ein weiter. Angefangen mit dem Auftaktspiel am Donnerstag (20.05 Uhr) bei Maccabi Tel Aviv stehen in der 18er-Liga zunächst 34 Vorrundenspiele an, bevor sich die acht besten Teams für das Viertelfinale qualifizieren. Erst dann geht es in Playoff-Serien unmittelbar um die Berlin-Tickets.

Zu den ambitionierten Zielen sagte Hainer: «Wir sind auf dem besten Weg dazu. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir den Weg in die europäische Spitze schaffen.» Rotweingenießer Trinchieri will sich zu einem solch frühen Saisonzeitpunkt nicht an konkreten Zielen messen lassen. «Wir wollen jeden Tag besser werden, wohlwissend, dass das Ergebnis nicht immer eine direkte Konsequenz dessen ist. Ich werde nicht in die Falle tappen und nur das eine Ziel in den Mittelpunkt stellen», sagte der 53-Jährige.

Obwohl national zuletzt zweimal Alba Berlin Meister wurde, haben sich die Münchner im vergangenen Jahrzehnt eine Art Vormachtstellung erarbeitet. Der FC Bayern ist finanziell am stärksten aufgestellt und verfügt über den besten Kader. Für das Jahr 2022 ist zudem der Umzug in die neue Arena im Olympiapark geplant. «Ich kann das genießen. Der SAP-Garden wird eröffnet, da bin ich jetzt schon stolz», sagte Basketball-Fan Uli Hoeneß jüngst im «Bayerischen Rundfunk». Mit Geschäftsführer Marko Pesic versteht sich der langjährige Macher der Fußballer nach eigener Aussage «blind».

Aus im Viertelfinale

Das Gefühl der Vorsaison, als Bayern im Viertelfinale gegen Mailand erst im fünften und entscheidenden Spiel knapp scheiterte, will Pesic nun wiederholen. «Und zwar vielleicht zusammen mit unseren Fans. Das ist das, was letztes Jahr deutlich gefehlt hat», sagte der Ex-Spieler, der von «einer unheimlichen Motivation» sprach. Neuverpflichtungen wie Darrun Hilliard, Deshaun Thomas und Andreas Obst sorgen dafür, dass das Aufgebot nun noch stärker aussieht.

Auch die Basketball-Bundesliga (BBL) hofft auf weiter gute Werbung der Münchner. «Wenn man sich den Kader anschaut, verdeutlicht das ganz klar europäische Ambitionen. Die Spitze ist eng. Ich halte die Chancen für gegeben, werde aber den Teufel tun, ein Ziel oder eine Forderung auszugeben», sagte Geschäftsführer Stefan Holz. Alba Berlin spielt ebenfalls in der Euroleague mit, hat das Finalturnier sogar in der eigenen Stadt. Einen Einzug ins Final Four habe man im Budget aber nicht eingeplant, verriet Marco Baldi, Geschäftsführer der Berliner.

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