Nachdem das Comeback des VfL Wolfsburg in der Champions League perfekt war, wurde selbst der sonst so bieder wirkende Oliver Glasner zum Feierbiest.

«Wir werden eine richtig heftige Party feiern», sagte der VfL-Trainer nach dem 2:2 bei RB Leipzig und garantierte seiner Mannschaft vorab, den Rausch richtig ausschlafen zu können: «Wir gehen am Montag auf keinen Fall auf den Platz.» Eine Zigarre auf die vollbrachte Leistung lehnte der 46-Jährige zwar ab, dafür sollte das Bier im Quarantäne-Hotel fließen.

Durch den Punktgewinn beim neuen Vizemeister Leipzig ist Wolfsburg nicht mehr von einem der ersten vier Plätze der Bundesliga zu verdrängen - Rang drei oder vier wird es am Ende sein. Nach 2009/10 und 2015/16 spielt der VfL in der kommenden Spielzeit zum dritten Mal auf Europas schillerndster Fußball-Bühne. Vor fünf Jahren scheiterte man erst im Viertelfinale am späteren Sieger Real Madrid.

Trotz aller Lockerheit gab sich Glasner bei einer Sache gewohnt verschlossen: bei der Frage nach seiner Zukunft. «Jetzt ist kein Zeitpunkt, darüber zu sprechen, die Mannschaft soll im Mittelpunkt stehen. Ich habe Lust auf Party, deshalb gibt es da keine Antwort», sagte der Österreicher. Bis 2022 ist Glasner noch an den VfL gebunden, es soll allerdings eine Ausstiegsklausel geben.

Nach rein sportlichen Aspekten müssten sie Glasner eigentlich einen neuen Vertrag samt Gehaltserhöhung geben. Selbst sein Leipziger Amtskollege Julian Nagelsmann befand nach der feststehenden Vizemeisterschaft für RB, dass man die Leistung des VfL gar nicht hoch genug einstufen könne. «Es ist nicht selbstverständlich, dass Wolfsburg sich für die Champions League qualifiziert. Das ist eine Top-Entwicklung, die ihm zuzuschreiben ist», sagte Nagelsmann. Die Entwicklung in Wolfsburg sei außergewöhnlich, vor allem der Teamgeist beeindruckend.

So wird es wohl erst nach dem letzten Saisonspiel zu einer klaren Aussage kommen. Fraglich ist, ob die Ausstiegsklausel noch gezogen werden kann oder schon abgelaufen ist. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass das Verhältnis zwischen Glasner und dem Wolfsburger Sport-Geschäftsführer Jörg Schmadtke so belastet ist, dass eine einvernehmliche Trennung nach dem Ende dieser Saison unabhängig von der Vertragsklausel ein Thema werden könnte.

Glasner war Kandidat auf die freien Stellen in Leipzig und Salzburg, ging jedoch leer aus. Aktuell soll man sich bei Eintracht Frankfurt Gedanken über den Österreicher machen, der Nachfolger seines Landsmannes Adi Hütter werden könnte.

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