«Heute ist ein sehr emotionaler Moment und wichtiger Meilenstein meiner Karriere und meines Lebens», sagte er mit gefasster Stimme vor einem Dutzend TV-Kameras und knapp 20 Journalisten im Tiroler Ski-Mekka. «Ich bin fit und gesund, kann immer noch vorne mitfahren und Rennen gewinnen. Auf diesem Niveau möchte ich gerne von der Weltcupbühne abtreten.»

Mit seinem fünften Schussfahrtsieg will der gelernte Metzger Cuche die österreichische Alpin-Legende Franz Klammer überflügeln und sich endgültig zum alleinigen König von Kitz krönen. Während die deutschen Abfahrer zumindest den Respekt der Weltelite zurückerobert haben, schwärmen auch Stephan Keppler& Co. vor dem Saison-Höhepunkt am Samstag vom Schweizer Routinier. «Didier Cuche war für mich immer ein Vorbild und eine unglaubliche Größe im Skisport», sagte Felix Neureuther am Donnerstagnachmittag und bedauerte den Schritt. «Es ist sehr, sehr schade, dass er zurücktritt. Deshalb wäre es für mich eine Herzensangelegenheit, dass er am Samstag gewinnt.»

Nur wenige Meter von der Hahnenkammbahn entfernt, an deren roter Gondel Nummer 83 seit dem ersten Erfolg 1998 sein Name prangt, nimmt Cuche den Hype im Schweizerhof vor dem Start der Rennen mit dem Super-G mit stoischer Gelassenheit. «Ich muss nicht mehr gewinnen. Ich darf gewinnen, deswegen ist der Druck nicht mehr so groß», meint der älteste Weltcup-Sieger der Alpin-Geschichte und hat sogar das Team um Keppler auf seiner Rechnung: «Jeder Zeit kann ein Deutscher gewinnen, das Niveau ist so eng beieinander.»

Doch mehr als auf jeder anderen Strecke kommt es zwischen Mausefalle und Zielsprung auf die Routine an, so dass auch Wengen-Sieger Beat Feuz seinen 13 Jahre älteren Landsmann in der Favoritenrolle sieht. «Hier braucht es die Erfahrung von Jahren, um die Schlüsselstellen in den Griff zu bekommen und zu meistern. Man weiß als junger nie, wie viel man riskieren kann.» Und Fehler werden gnadenlos bestraft wie die Horrorstürze von Hans Grugger und Daniel Albrecht in den vergangenen Jahren zeigten.

Bereits im letzten Training am Mittwoch - die für Donnerstag geplante Testfahrt wurde zur Schonung der Piste abgesagt - deutete Cuche mit der extremsten Linie und Bestzeit seinen Wagemut an. «Er ist ein komplett wilder Hund», sagte der Österreicher Hannes Reichelt voller Respekt, «teilweise denkt man, dass er komplett irre ist.» Ein wenig verrückt muss aber jeder Athlet sein, der sich den bis zu 85 Prozent steilen Kurs hinabstürzt. «Kitzbühel ist extrem», berichtete Feuz, «im Training gehe ich nicht volles Risiko, denn man riskiert nur einmal das Leben.»

Weniger gefährlich ist der Super-G zum Rennauftakt am Freitag. «Ich nehme es als Apero, als Aufwärmer», sagte Cuche zum «Vorspiel» auf das Wochenende, das mit den Slalom-Hoffnungen von Felix Neureuther und Fritz Dopfer am Sonntag endet. Doch schon in der zweitschnellsten Disziplin rechnet sich der Deutsche Skiverband (DSV) ein starkes Ergebnis aus. «Im Super-G bin ich generell schneller», meinte Keppler, der in der Königsdisziplin sogar auf das beste DSV-Resultat seit dem neunten Rang von Stefan Krauß 1995 spekuliert. «In der Abfahrt traue ich mir hier auf jeden Fall auch die Top-Zehn zu.»