Der kleine 1. FC Union kämpft weiter eisern um die Rückkehr seiner Fans ins Stadion und pocht dabei auf individuelle Lösungen.

Schon zum Auftakt der neuen Bundesliga-Saison werde es An der Alten Försterei keine Geisterspiele mehr geben, betonte Dirk Zingler, der Präsident des Berliner Fußball-Bundesligisten. Einen Tag nach der Vorstellung des neuen Hygienekonzeptes mit einem präventiven Corona-Test für jeden Stadion-Besucher verwies er auf die gültige Infektionsschutzverordnung des Landes Berlin, die ab 1. September wieder Freiluft-Veranstaltungen mit bis zu 4999 Menschen zulässt. Fußball sei davon nicht ausgeschlossen. Die Frage bei Union sei nur, «ob mit Abstand oder mit präventiven Tests», sagte Zingler.

Nach einer Saison, die mitten in der Corona-Krise durch ein gemeinsame Anti-Corona-Strategie der Bundesliga zumindest ohne Fans gerettet wurde, muss jetzt laut Zingler jeder Club eine eigene Lösung finden. «Hygienemaßnahmen in der Allianz Arena sind anders als in der Alten Försterei», betonte Zingler. So könnten zu Bayern-Spielen allein 28.000 Fans zu zweit im Auto anreisen, da es 14.000 Parkplätze gebe. In ein Stadion mit 80.0000 Plätzen könnten vielleicht 30.000 Zuschauer rein, für «kleine engere Stadien» müssten andere Konzepte her. Und da biete das neu vorgestellte Union-Konzept einige Vorteile.

«Wir schicken 20.000 nicht infektiöse Menschen zum Stadion», sagte der Präsident zur Union-Idee. Das würde auch die An- und Abreise betreffen und den Einlass. «Das sicherste Konzept sind die Tests. Wir sind überzeugt, dass der Wirkungsgrad unserer Hygienemaßnahmen höher ist als der Wirkungsgrad von Abstand und Maske.»

Union will die Ticket-Vergabe mit einem präventiven Corona-Test aller Zuschauer am Tag vor dem Spiel verknüpfen. Jeder Fan kauft digital sein Ticket und kann sich eine von mehreren Station und Zeitfenstern für den Corona-Test aussuchen. Bei einem negativem Test wird die Eintrittskarte freigeschaltet. Bei einem positiven Test übernimmt das Gesundheitsamt die Rückverfolgung der Infektion.

Sozusagen als Nebeneffekt könnten Infektionsketten viel früher aufgedeckt werden. Zingler widersprach dabei auch Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller, der das Konzept zwar als «wirklich spannend und toll», aber auch als derzeit nicht realistisch einstufte. Kein Wissenschaftler könne zusichern, dass man 24 bis 48 Stunden nach einem negativen Testergebnis keinen anderen Menschen anstecken könne, meinte Müller.

Das aber sei die Grundlage der gegenwärtigen gesamten deutschen Testpraxis, erwiderte Zingler: «Dann müsste man die Teststrategie grundsätzlich in Frage stellen.» Und auch der Verweis darauf, dass dann andere Vereine und Veranstalter diese Methode nutzen könnten und somit die Testkapazitäten für andere wichtige Bereiche wie Bildung oder Gesundheitswesen nicht zur Verfügung stehen könnten, sieht Zingler nicht als aktuelles Problem: «Forschung und Industrie arbeiten massiv an einfachen Testverfahren.» Und wenn es wirklich zu dem Fall käme, würde Union natürlich zurücktreten.

Der Club will alle Kosten der Test übernehmen. «Die Spieleinnahmen werden diese Kosten decken», sagte Zingler, ohne Summen zu nennen. Bei einem Testspiel am 5. September sollen die organisatorischen Abläufe mit bis zu 3000 Besuchern geprobt werden.

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